Sexuelle Gewalt an Kindern:

Prokop plant Gegenmaßnahmen

St.Pölten (NLK) - Rund 2.800 niederösterreichische Jugendliche
im Alter zwischen 15 und 20 Jahren haben eigene sexuelle Mißbrauchserlebnisse gemacht, 600 davon haben echte und schwere Nötigungen erleiden müssen. Das ist das Ergebnis der jüngsten NÖ Jugendstudie, die sich auch mit sexuellem Mißbrauch beschäftigt und heute vorgestellt wurde. Sie wurde vom Institut Dr. Erich Brunmayr erstellt ."Zwei Drittel der unter sechsjährigen Mädchen und ein Drittel der unter sechsjährigen Buben leiden unter sexuellen Übergriffen", berichtete Dr. Christoph Thoma, erfahrener Leiter des Kinderschutzzentrums "Die Möwe" in St.Pölten. Neun von zehn Kindern würden diese Erlebnisse innerhalb der Familien haben. Sexuelle Gewalt komme zudem in allen Gesellschaftsschichten vor. "Oft haben wir Probleme damit, die Kinder entspre-chend zu schützen, weil viele vor einer Anzeige und ihren Folgen zurückschrecken", erklärte Thoma. 1996 hat es in Niederösterreich 157 Anzeigen gegeben. Vor allem auf das Verhalten der Eltern komme es an, unterstrich Thoma: Wenn sie ihrem Kind glau-ben, stehen die Chancen für eine effiziente Therapie nicht schlecht. Thoma:
"Leider kommt es oft vor, daß Mütter ihren Kindern nicht glauben und sich lieber auf die Seite des Mannes stellen, der ihren
Kindern Gewalt antut", bedauerte Thoma.

Landeshauptmannstellvertreter Liese Prokop plant nun effiziente Gegenmaßnah-men und verstärkte Therapiemöglichkeiten gegen sexuellen Mißbrauch: So soll der Prävention ein hoher Stellenwert eingeräumt werden. Im NÖ Jugendreferat wird eine Informations- und Vermittlungsstelle eingerichtet, und Workshops für Eltern und Päd-agogen sollen der Früherkennung von sexuellem Mißbrauch dienen. Außerdem soll mit dem Kinderschutzzentrum "Die Möwe" verstärkt zusammengearbeitet und eine Plattform für alle präventiven und therapeutischen Aktionen sowie der Jugendwohl-fahrt gegründet werden. Prokop kann sich außerdem eine Privatisierung der Jugend-wohlfahrt vorstellen. Die sexuelle Gewalt an Kindern ist heute
abend um 18 Uhr auch Thema einer Enquete im St. Pöltner Hippolythaus.

Rückfragen & Kontakt:

Pressestelle
Tel.: 02742/200/2172

Niederösterreichische Landesregierung

ORIGINALTEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NLK/NLK