Polen ehrt Alt-Österreicher

Unternehmer, Schriftsteller, PEN-Club-Mitglied: Adam Zielinski erhält hohe Auszeichnung - BILD

Wien (OTS) - Polen ehrt in diesen Tagen einen Altösterreicher, der in seiner Person beide Länder in vielfältiger Weise verbindet. Am 18. September wird Adam Zielinski in der polnischen Botschaft in Wien das Kommandeurkreuz des Verdienstordens der Republik Polen erhalten.

Adam Zielinski ist polnischer Herkunft; ein erfolgreicher Unternehmer, der weit in der Welt herumgekommen ist; als Schriftsteller in Polen gut bekannt, in Österreich eher ein Geheimtip, den die breite Masse noch nicht entdeckt hat. Seine Frau Sophie war außerordentliche Professorin für die polnische Sprache an der Universität Wien, wo auch sein Sohn Christoph - ein bekannter Krebsspezialist am Wiener AKH - heute lehrt.

Im Jahr 1929 in Galizien, im damals polnischen, heute ukrainischen Städtchen Drohobycz geboren, arbeitete Zielinski nach dem Studium der Politologie und Journalistik in der ersten Hälfte der Fünfzigerjahre beim Rundfunk in Krakau, ehe er sich zur Auswanderung nach Österreich entschloß. Die Entscheidung fiel sicher unter dem Einfluß seines Vaters, der in Wien studiert und im Ersten Weltkrieg in der österreichisch-ungarischen Armee am Isonzo gedient hatte. Vater -erinnert sich Zielinski - habe "ununterbrochen über Wien gesprochen". Wien, der Kaiser, die Monarchie - all das sei in Südpolen unvergessen. Noch heute bestehe dort ein großes Sentiment für Österreich.

Am 15. August 1956 war es soweit. Zielinski - der in Krakau fristlos entlassen worden war, nachdem er die Ausstellung eines Reisepasses beantragt hatte - reiste mit Frau und Sohn nach Österreich ein. Zunächst als Angestellter tätig, machte er sich- seit 1959 österreichischer Staatsbürger - im Jahr 1960 selbständig im Handel mit der Volksrepublik China - damals Terra Incognita für Österreichs Wirtschaft. Der Pionier der im österreichisch-chinesischen Handel in den Sechzigerjahren nahezu eine Monopolstellung besaß, bezog bald auch das damalige Jugoslawien in den Ex- und Import nach und aus China ein.

Er zählte zu den frühen Wieder-Entdeckern des vergessenen Europas jenseits der Barriere zwischen Ost und West, zu jenen, die die Spaltung Europas nie akzeptieren.

Als 1989 Jugoslawien zerfiel, der Bruderkrieg - bekanntlich der schlimmste aller Kriege - das Land am Balkan überzog, war das Ende für Zielinskis Geschäftstätigkeit vorprogrammiert. Doch hatte der Unternehmer bis dahin erreicht, was er immer erreichen wollte: die materielle Unabhängigkeit: Sein "erster Ehrgeiz" war erfüllt:
"Niemanden zur Last fallen, von niemandem abhängig sein." Materielle Unabhängigkeit - weiß er - sichert die geistige, ist ihm Basis seiner Existenz: "Die gibt mir Kraft. Ich schreibe, sage, mache, was ich will."

Seit 1994 in Pension, ist Zielinski nach eigenen Bekunden am "wirklichen Ziel" seines Lebens angelangt, bei der "Schreiberei", mit der er allerdings schon einige Jahre zuvor begonnen hat. Bereits 1986 erschien sein Erstlingswerk "Die bucklige Welt", die er als "die Geschichte eines Polen" beschreibt, "der nach Österreich kommt und Österreich mit den Augen eines Emigranten sieht". In der alten Heimat - wo gerade Kriegsrecht herrschte - schlug das Buch, das sehr rasch ins Polnische übersetzt wurde und nach Auskunft seines Autors "vom Betrug des Kommunismus an der menschlichen Seele" handelt, "wie eine Bombe" ein.

In rascher Folge erschienen seither - gleichfalls bei R. Fischer -weitere Werke. "Unweit von Wien" - die "Darstellung der Katastrophe Jugoslawiens" in Form eines Romans, der mit der Beschießung Sarajewos endet. "Die stille Donau" - die Geschichte eines Asylsuchenden als Wanderung durch die österreichische Seele. "Wiener Gespräche", die Zielinski mit dem polnischen Journalisten Thadeusz Krasko über "Probleme unserer Zeit" geführt hat. Und "Die Rückkehr" - ein Roman, in dessen Mittelpunkt ein österreichischer Bundeskanzler steht, der eine Polin heiratet und daraufhin sein Amt verliert. Ein Band mit Erzählungen wird im Dezember erscheinen.

Adam Zielinski ist Mitglied des Österreichischen PEN-Club, dessen Präsident Alexander Giese bei der Ordensverleihung am 18. September die Laudatio halten wird.

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