Lebende Fossilien an neuen Fundorten in NÖ festgestellt

NÖ Naturschutzbericht bringt Beitrag über Urzeitkrebse

St.Pölten (NLK) - Das Schmökern im seit kurzem vorliegenden NÖ Naturschutzbe-richt 1995/96 lohnt sich zweifellos: Erstmals als
Buch erschienen, bringt der Bericht einen breiten Querschnitt von Sachthemen. Ein Beispiel dafür ist der Beitrag von Erich Eder und Walter Hödl (Institut für Zoologie der Universität Wien) über das "Forschungsprojekt Urzeitkrebse, eine Erfolgsstory". Viel zu wenig ist bekannt, daß in Österreich immerhin ein Viertel aller Arten der europäischen Groß-Branchiopoden vertreten sind, nämlich 16, wovon 15 in der Ostregion festgestellt werden konnten. Sie werden auch als "lebende Fossilien" bezeichnet, sind die ersten Vertreter dieser Arten doch bereits aus dem Oberen Kambrium bekannt,
berichten die Autoren. Heute findet man sie in Tümpeln, die nur kurzfristig Wasser führen. Das Überleben sichern bemerkenswerte Anpassungen an diese extremen Biotope: Die Entwicklung von der frisch geschlüpften Larve bis zum geschlechtsreifen Krebs verläuft rasant, wodurch das Überleben der Art nach dem Austrocknen der Tümpel möglich wird. Denn die "Dauereier" können jahrzehntelange Trockenzeiten überdauern und überleben auch, wenn sie zwischendurch am "Speisezettel" eines Wasservogels stehen. Die Autoren führen übrigens einen prominenten Beobachter der Überlebensfähigkeit dieser Arten an. Konrad Lorenz berichtete, daß er 1909 in einem Überschwemmungstümpel viele derartige Krebse sah, die nächste Invasion stellte er dort aber erst 1936 fest.

Trotz dieser ungewöhnlichen "Überlebensstrategien" sind die "Urzeitkrebse" aber gefährdet, da viele dieser Tümpel durch neue Siedlungen oder die Landwirtschaft verschwinden. Die Autoren entdeckten dennoch nach umfangreichen Kartierungsar-beiten, die
zum Großteil von der Naturschutzabteilung des Amtes der NÖ Landesre-gierung finanziert wurden, seit Jahrzehnten nicht nachgewiesene Arten wieder. Auch wurden zahlreiche, bisher unbekannte Vorkommen gefunden. Dabei blieb es nicht: Die Blumengang-Senke bei Markthof, einer der Fundorte, wurde unter Naturschutz gestellt, die "Triops-Senke" bei Marchegg und weitere Vorkommen sollen folgen. Die "Triops-Senke" wurde übrigens nach
der Art Triops cancriformis benannt, die - eine Sensation - dort gemeinsam mit Lepidurus apus vorkommt. Eine Sonderausstellung im Jagdmuseum Marchegg zum Thema läuft bis Ende November.

Der reich bebilderte Naturschutzbericht 1995/96 kann gegen eine Schutzgebühr von 50 Schilling bei der Naturschutzabteilung des Amtes der NÖ Landesregierung, 3109 St.Pölten, Landhausplatz 1, bezogen werden.

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