OeNB - Zwei Monate ARTIS-Echtbetrieb 1. Juli bis 31. August 1997

Wien (OTS) Am 1. Juli 1997 wurde das neue österreichische Bruttozahlungsverkehrssystem ARTIS - (Austrian Real Time Interbank Settlement) System in Betrieb genommen. In ca. 3-jähriger Vorbereitungszeit wurde das seit 1989 verwendete EBK -(elektronisches Banken- und Kundenkommunikations-) System
gemäß den Anforderungen des Europäischen Währungsinstitutes (EWI) zu einem Zahlungsverkehrssystem umgestaltet, das es Österreich ermöglicht, sich mit 1.1.1999 an das europaweite Großbetrags-Bruttozahlungsverkehrssystem TARGET anzuschließen.

Besonderer Wert wurde bei der Entwicklung von ARTIS auf die Ausfalls- und Über tragungssicherheit des Systems gelegt.
Daß dies gelungen ist, wird der OeNB im Bericht eines externen Prüfers bestätigt. ARTIS wird ein höheres Sicherheitsniveau
als vergleichbaren Systemen bescheinigt. Es entspricht nicht
nur dem vom EWI geforderten Standard sondern übertrifft ihn teilweise sogar.

Nach intensiven Vorbereitungs- und Testarbeiten seitens
der OeNB und der Kommerzbanken wurde das neue System am
ersten Tag von 28 Banken verwendet. Im Laufe des Juli kamen
noch weitere 14 Teilnehmer hinzu und im August noch einmal 3.
Die OeNB erwartet, daß bis Jahresende auch ein Großteil der verbleibenden EBK-Teilnehmer auf ARTIS umsteigen werden.

Die Teilnehmersituation per Ende August 1997
stellt sich wie folgt dar:

"Umsteiger" von EBK auf ARTIS.......40
neue Teilnehmer in ARTIS.............5
verbleibende EBK-Nutzer.............13 ______________________________________
elektronische Teilnehmer insgesamt..58

Die hohe Akzeptanz von ARTIS zeigt sich besonders gut
in folgenden Daten:

Stück Umsätze(Mrd.)

Juli % August % Juli % August % EBK 4.426 49,8 1.157 14,3 280,- 24,0 72,5 7,6 ARTIS 4.467 50,2 6.947 85,7 886,3 76,0 881,7 92,4 Summe 8.893 100 8.104 100 1.166,3 100 954,2 100

Vom Start weg erfolgte eine intensive Nutzung von ARTIS. War die Anzahl der Buchungen in EBK und ARTIS im Juli mit jeweils rund 50% noch ziemlich ausgeglichen so verlagerte sich das Schwergewicht
mit knapp 86% im August eindeutig in Richtung des neuen Systems.

Eine wesentlich deutlichere Steigerung ist bei der Verlagerung der Umsätze auf ARTIS zu beobachten. Von ursprünglich 76% im Juli wurden im August bereits 92,4% der Umsätze in ARTIS verbucht. Der Rückgang in den absoluten Werten reflektiert eine saisonal bedingte Struktur. Bemerkenswert dabei ist aber, daß er fast ausschließlich zu Lasten der EBK-Umsätze zu verzeichnen war.

Die relativen Steigerungen sowohl bei der Stückanzahl als auch bei den Umsätzen sind darauf zurückzuführen, daß mittlerweile fast alle großen Institute auf das neue ARTIS-System umgestiegen sind.
Es wird damit gerechnet, daß sich vor allem die Anzahl der Buchungen signifikant erhöhen wird, wenn die teilnehmenden Banken (voraussichtlich bis Jahresende) in ihren internen Applikationen vollständig auf ARTIS umgestellt haben.

Die Banken haben teilweise von den neuen in ARTIS gebotenen Möglichkeiten regen Gebrauch gemacht.

Mittels eines Daylight-Overdraft können sich die Teilnehmer zusätzliche Liquidität von der OeNB beschaffen (d.h. ihr Konto technisch überziehen), sofern sie in ausreichendem Maß
Wertpapiere bei der OeNB hinterlegt haben. Diese Wertpapiere
werden dann gesperrt und sind der Verfügungsgewalt des Kontoinhabers entzogen. In Anspruch genommen wurde die Daylight-Overdraft-Fazilität allerdings nur von 9 Banken mit insgesamt 75 Daylight-Overdraft-Anträgen.
Regelmäßig (zwischen 8 und 23 Mal) nutzten diese Fazilität
nur 4 Institute.

Die für Ausnahmesituationen vorgesehene Overnight-Overdraft-Fazilität mußte von keinem der Teilnehmer in Anspruch genommen werden,
da sämtliche aufgrund der bewilligten Daylight-Overdrafts während des Tages entstandenen Kontoüberziehungen bis zum Tagesende ordnungsgemäß abgedeckt werden konnten.

Intensiv nutzten die Banken die Funktion des "Gläsernen Kontos",
um sich einen Überblick über die bereits verbuchten Aufträge und die noch zu erwartenden Gutschriften auf ihrem Konto zu verschaffen. Es wurden insgesamt 2.925 derartige elektronische Anfragen
gestellt (wovon sich täglich durchschnittlich 68 auf Übersichtsabfragen bezogen).

Am Tagesende mangels Kontodeckung zurückgewiesene Aufträge gab es in der Beobachtungsperiode keine.

Die in ARTIS vorgesehene Finalität von Zahlungsaufträgen
(d.h. ein bereits verbuchter Auftrag kann nicht wieder zurückgezogen werden) war aufgrund der gesetzlichen Rahmenbedingungen zunächst nicht gegeben.
Die dafür notwendigen Änderungen der Konkurs- und Ausgleichsordnung treten im September 1997 in Kraft. Da die Finalität als eine der wesentlichen Funktionen von ARTIS per 1.7.97 fehlte, wurde vorerst die Verrechnung von Gebühren (Auflage des EWI, den Zahlungsverkehr kostendeckend abzuwickeln) sistiert.

Aus den ersten beiden Monaten des ARTIS-Einsatzes
können folgende Erkenntnisse gewonnen werden:

- die Benutzung (stück- und betragsmäßig) zeigt eine

erfreulich gute Akzeptanz des Systems
- per Ende August sind die im Zahlungsverkehr dominanten Banken auf

ARTIS umgestiegen (viele schon am ersten Tag des Echtbetriebes)
- die neuen Funktionen wurden einerseits intensiv genutzt

(Kontoübersichtsabfragen), bedürfen aber andererseits noch einer Gewöhnung seitens der Benutzer (v.a. Daylight-Overdrafts und Umreihungen von Zahlungsaufträgen zur Optimierung der Auftragsabwicklung)
- hervorzuheben ist auch das gute Management des Zahlungsverkehrs

durch die Banken, da alle Innertagesüberziehungen ordnungsgemäß ausgeglichen werden konnten und keine Aufträge mangels Deckung zurückgewiesen werden mußten.

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