Die Zahlungsbilanz im Juli 1997 und in der Periode Jänner bis Juli 1997

Wien (OTS) - Das Defizit der österreichischen Leistungsbilanz betrug im Juli 1997 rd. 2 Mrd S, was gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres eine Verbesserung um 6 Mrd S bedeutet. Ausschlaggebend war eine Steigerung der Exporterlöse um 23 Prozent, was zu einer Verringerung des Warenzahlungsdefizits um 4 1/2 Mrd S führte. Infolge deutlich niedrigerer Gewinnabfuhren österreichischer Direktinvestitionsunternehmen an ihre ausländischen Eigentümer hat sich auch der Saldo der Kapitalertragsbilanz um 2 Mrd S verbessert. Ungünstig entwickelt hat sich der Reiseverkehr: Bei einem Rückgang ausländischer Gästenächtigungen um deutlich mehr als 10 % sind auch die Deviseneinnahmen um 4 % gesunken. Eine gleichzeitige, siebenprozentige Steigerung der Ausgaben der Österreicher im Ausland führte erstmals zu einem negativen Reiseverkehrssaldo im Monat Juli. Die restlichen Positionen der Dienstleistungsbilanz trugen 1 Mrd S zur Verbesserung bei. In der Periode Jänner bis Juli 1997 war das Passivum der Leistungsbilanz mit 30 1/2 Mrd S gleich hoch wie in der entsprechenden Periode des Vorjahres. Dabei hatte sich die Leistungsbilanz im 1. Quartal um 16 Mrd S verschlechtert, während sie sich seither im gleichen Ausmaß verbessert hat. Die wesentlichen Einflußfaktoren im Detail: Die Erlöse aus Warenlieferungen an das Ausland nahmen in der Berichtsperiode gegenüber dem Vorjahr um 9 % zu. Das Wachstum der Zahlungen für Warenimporte belief sich auf 8 %, wodurch sich das Defizit der Wahrenzahlungen im Jahresvergleich von 45 1/2 Mrd S auf 44 Mrd S verringerte. Damit findet sich erstmals der erwartete entlastende Effekt des Außenhandels für die Leistungsbilanz in den Statistiken wieder. Schlechter als erwartet entwickelt sich weiterhin die Reiseverkehrsbilanz. Bei stagnierenden Einnahmen und stetig (um 7 Prozent) steigenden Reiseverkehrsausgaben der Österreicher sank der Überschuß der Reiseverkehrsbilanz gegenüber der Vergleichsperiode 1996 um 4 Mrd S auf nunmehr 14 1/2 Mrd S.

Die gesamte Transferbilanz vergrößerte ihren negativen Saldo von 8 1/2 Mrd S im Berichtszeitzraum 1996 auf 10 1/2 Mrd S im laufenden Jahr. Der Netto-Abfluß aus Österreich an die EU belief sich in den ersten sieben Monaten auf rd. 8 Mrd S Mrd S; Zahlungseingängen aus der EU von 9 Mrd S standen Ausgänge von mehr als 17 Mrd S gegenüber. Der Kapitalverkehr war im Berichtszeitraum ausgeglichen. Einem langfristigen Kapitalexport von 35 1/2 Mrd S stand ein gleich großer, kurzfristiger Kapitalimport gegenüber. Die Käufe langfristiger ausländischer Wertpapiere durch Österreicher betrugen in den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres 116 Mrd S gegenüber nur 49 Mrd S im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Ein sehr hoher Anteil dieser Veranlagungen erfolgte in festverzinslichen Wertpapieren (88 1/2 Mrd S. Weitere 27 Mrd S wurden in ausländischen Aktien und Investmentzertifikate investiert. Die Käufe langfristiger inländischer Wertpapiere durch Ausländer beliefen sich auf 92 1/2 Mrd S gegenüber 45 1/2 Mrd S im Berichtszeiraum des Vorjahres. Ausländische Anleger kauften um knapp 80 Mrd S festverzinsliche Wertpapiere. Darüberhinaus flossen 12 1/2 Mrd S aus dem Verkauf inländischer Aktien und Investmentzertifikate nach Österreich. Die Direktinvestitionen der Österreicher im Ausland bewegen sich auf dem Niveau des Vorjahres, während sich die ausländischen Direktinvestitionen nach den außerordentlich hohen Werten des Vorjahres normalisiert haben. Die Gesamtheit aller Transaktionen führte in der Berichtsperiode unter zusätzlicher Einrechnung der Kursgewinne (30 Mrd S) sowie einer positiven Statistischen Differenz (20 Mrd S) zu einer Erhöhung der offiziellen Währungsreserven im Ausmaß von 19 1/2 Mrd S.

Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) gab heute, Donnerstag, folgende Zahlungsbilanzdaten für Juli und für das Halbjahr bekannt:
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Juli Jän.-Juli 1996 1997 1996 1997
in Mrd S

Leistungsbilanz ................... -7,9 -2,0 -30,4 -30,6

Waren- u.Dienstleistungsbilanz -5,9 0,2 -21,8 -20,1

Warenzahlungen ................ -8,0 -3,6 -45,6 -44,1 Eingänge ................... 64,4 79,0 437,2 478,3 Ausgänge ................... 72,4 82,6 482,8 522,4 Kapitalerträge ................ -1,7 0,1 -10,6 -8,0 Eingänge ................... 11,0 6,4 69,9 55,1 Ausgänge ................... 12,7 6,2 80,5 63,1 Reiseverkehr ................ 1,1 -0,4 18,2 14,3 Eingänge ................... 14,1 13,5 82,6 83,3 Ausgänge ................... 13,0 14,0 64,4 69,0 Restliche Positionen ......... 2,8 4,1 16,2 17,6 Eingänge .................... 5,2 7,7 45,1 40,9 Ausgänge .................... 2,4 3,6 28,9 23,3

Transferbilanz ................ -2,0 -2,2 -8,6 -10,5

Kapitalbilanz .................... 8,8 3,7 14,7 0,0

langfr. Kapitalverkehr ........ 2,1 9,3 -5,8 -35,7 kurzfr. Kapitalverkehr ........ 6,7 -5,5 20,5 35,7

Reserveschöpfung und
Bewertungsänderungen ............. -4,0 9,5 4,9 29,8

Statistische Differenz ........... 4,6 4,5 22,7 20,1

Veränderung der offiziellen

Währungsreserven ................. 1,5 15,8 12,0 19,4

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