Pharmaindustrie fordert bessere Rahmenbedingungen für Gentechnik

Österreich Schlußlicht bei Standortwahl-Gentechnikinformation muß Staatsaufgabe sein-verbesserter Technologietransfer nötig

PWK (Wien) - Die legistischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der Gentechnologie im Bereich medizinischer Therapie und Diagnostik standen am 10. September im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion des Fachverbandes der Chemischen Industrie zum Thema "Medizinische Fortschritte durch Biotechnologie und Gentechnik" in der Wirtschaftskammer Österreich. ****

Galt Österreich in den siebziger und frühen achtziger Jahren noch als international anerkannter und gesuchter Partner für biotechnologische Entwicklungen, so haben die rechtlichen Rahmenbedingungen und die aktuelle Gentechnik-Debatte den Forschungsstandort Österreich in arge Bedrängnis gebracht. Nach einer Studie der Universität Sussex, die das Umfeld für die Bio-tech-Industrie in 15 europäischen Ländern untersuchte, liegt Österreich derzeit weit abgeschlagen auf dem letzten Platz. Mehr als zwei Drittel der in Europa und den USA operierenden europäischen Bio-tech-Multis bezeichneten Österreich als Standort uninteressant und das legistische Umfeld als extrem hinderlich für die Forschung und Produktion biotechnologischer Produkte.

Mit wachsender Besorgnis betrachtet Dr. Eberhard Pirich, Obmann der pharmazeutischen Industrie, die mit rund 14 Mrd. Schilling Umsatz die zweitgrößte Berufsgruppe im Fachverband der Chemischen Industrie darstellt, diese Entwicklung: "Ein Grund für unser schlechtes Abschneiden ist sicherlich in der vorherrschenden Unsicherheit breiter Teile der Bevölkerung betreffend die Gentechnologie zu sehen. Mangelnde Kenntnisse und die Komplexität des Themas, das ohne plakative Vereinfachungen vielfach nicht dargestellt werden kann, schüren die Ängste. Die Gefahr einer zunehmenden Verlagerung der Diskussion von der sachlichen auf die emotionale Ebene steigt".

Die Wahrnehmung und Akzeptanz der Gentechnik in allen Bevölkerungsschichten stellt jedoch nach Pirich eine Grundvoraussetzung für ein kontinuierliches Engagement der Pharmaindustrie in Österreich dar. Hier sei vor allem der Staat gefordert, seine Informationspflichten gegenüber der Bevölkerung wahrzunehmen und notwendige Orientierungen zu geben. Interessenvertretungen könnten dabei unterstützend wirken, den Staat aber keinesfalls ersetzen.

Notwendig seien weiters ein Bekenntnis zu den geltenden Regelungen des Gentechnikgesetzes, vernünftige Haftungsregelungen im Einklang mit den europäischen Umwelthaftungsregeln sowie ein einheitlicher Patentschutz für biotechnologische Erfindungen. Die Einhaltung international gültiger und moralisch-ethischer Regeln, so Pirich, verstehe sich dabei von selbst.

Die Schaffung gesellschaftlicher Steuerungsmechanismen, um eine Stigmatisiereung kranker und behinderter Menschen und damit auch die Gefahr der "genetischen Auslese" zu verhindern, forderte auch Prof. Dr. Viktor Pickl. Der Wiener Patientenanwalt beurteilt die Gentechnik für den Patienten als überwiegend positiv, kritisierte allerdings das ethische Problem genetischer Tests.

Andererseits besteht gerade im pharmazeutischen Bereich der Gentechnik ein ungeheurer Erwartungsdruck seitens der Patienten, die große Hoffnungen in die neue Technologie setzen und deren Leistungsmöglichkeiten dabei oft überfordern. Univ.Prof. Dr. Christoph Zielinski, Professor für internistisch-experimentelle Onkologie, betonte in seinem Einleitungsreferat, daß es sich trotz revolutionärer Fortschritte bei der Gentechnik keineswegs um ein Wundermittel handle, mit dem in Kürze sämtliche Leiden geheilt werden könnten: "Es wird keine einfache Antwort auf dieses höchst komplizierte Problem geben".

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