Der Arbeitsmediziner - Gesundheitsmanager im Betrieb

Symposium der Österreichischen Akademie für Arbeitsmedizin,

Wien (OTS) - am 10. September 1997 =

Die Diskussion um eine längere Lebensarbeitszeit hat
- angeregt durch die Frage nach der Finanzierbarkeit des Pensionssystems - anhaltende Aktualität. In diesem Zusammenhang steht die Erhaltung der Leistungsfähigkeit der Arbeitnehmer im Vordergrund.

Den wesentlichsten Beitrag dazu leistet der Arbeitsmediziner. Dies umso mehr, als die Kosten für die arbeitsmedizinische Betreuung nur einen Bruchteil der Einsparungen durch Vermeidung von krankheitsbedingten Frühpensionen ausmachen.

Im Rahmen des Symposiums "Der Arbeitsmediziner -Gesundheitsmanager im Betrieb" beschrieben Frau BM Eleonora Hostasch und Herr Gen.Sekr. Dr. Günter Stummvoll die Ansprüche, die aus Sicht der Sozialpartner in Zukunft an die Arbeitsmedizin gestellt werden.

Die Österreichische Akademie für Arbeitsmedizin stellte das von ihr erstmals im deutschsprachigen Raum erarbeitete Berufsbild des Arbeitsmediziners der Öffentlichkeit vor. Es zeigt, welche Leistungen der Arbeitsmediziner anbietet und welchen Nutzen Arbeitgeber und Arbeitnehmer daraus ziehen können.

Ausgehend von diesem Berufsbild berücksichtigt auch der von der Österreichischen Akademie für Arbeitsmedizin neugestaltet arbeitsmedizinische Ausbildung die aktuelle Problematik.

Zu Beginn der Veranstaltung wurde der Gründer und langjährige Präsident der Österreichischen Akademie für Arbeitsmedizin Herr Prof. Dr. Egmont Baumgartner für seine Verdienste mit der Enennung zum Ehrenpräsidenten ausgezeichnet.

Anforderungen an die Arbeitsmedizin aus Sicht der

Sozialpartner

Die Bundesministerin für Arbeit, Gesundheit und Soziales Eleonora Hostasch eröffnete den fachlichen Teil der Veranstaltung und skizzierte das Anforderungsprofil an den Arbeitsmediziner aus sozialpolitischer Sicht.

Sie führte aus, daß in den letzten Jahrzehnten eine Belastungsverschiebung weg von Unfallgefährdung und körperlicher Schwerarbeit hin zu mentalen und psychosozialen Belastungen stattgefunden hat.

Die Arbeitsmedizin muß sich der Tendenz der Rationalisierung menschlicher Arbeit und der wachsenden kollektiven Alterung der Belegschaft stellen.

Frau Ministerin Hostasch forderte eine ständige Überprüfung der Effektivität der arbeitsmedizinischen Betreuung. In diesem Zusammenhang würdigte sie das von der Österreichischen Akademie für Arbeitsmedizin entwickelte Berufsbild des Arbeitsmediziners und den neuen Lernzielkatalog als wichtigen Beitrag zur Qualitätssicherung in der Arbeitsmedizin.

Der Generalsekretär der Wirtschaftskammer Österreich, Herr Dr. Günter Stummvoll, wies auf die Bedeutung des rasanten technischen Fortschrittes und neuer medizinischer Erkenntnisse für die arbeitsmedizinische Ausbildung hin.

Weiters betonte er, daß der Arbeitsmediziner eine unternehmerische Führungskraft mit dem Ressort Gesundheitssicherung im Betrieb ist.

Eine fruchtbare und zielführende arbeitsmedizinische Tätigkeit kann sich nur dann entfalten, wenn der Arbeitsmediziner das Vertrauen sowohl des Arbeitgebers als auch der Arbeitnehmer besitzt.

Arbeitsmedizinische Betreuung trägt zur Leistungserhaltung der

Arbeitnehmer bei

Im Anschluß an die Wortmeldungen der Sozialpolitiker päsentierte der Präsident der Österreichischen Akademie für Arbeitsmedizin, Dr. Karl Hochgatterer, das Berufsbild des Arbeitsmediziners.

Das Berufsbild demonstriert, daß die Arbeitsmedizin eine Chance zur grundlegenden Verbesserung der Arbeitswelt bzw. zur Reduzierung von Belastungen durch Arbeit und Arbeitsumfeld darstellt und somit auch zur Gesundheits- und Leistungserhaltung, ja sogar Leistungssteigerung der Arbeitnehmer beiträgt.

Unter diesem Gesichtspunkt leistet der Arbeitsmediziner einen wesentlichen Beitrag zur Zielerreichung aller: des persönlichen Ziels der Arbeitnehmer, duch die Arbeit nicht krank zu werden und eine möglichst hohe Arbeitszufriedenheit zu erreichen, des betriebswirtschaftlichen Ziels der Arbeitgeber einer Leistungsmaximierung und der volkswirtschaftlichen Bestebungen, möglichst gesunde Menschen möglichst lang im Arbeitsprozeß zu erhalten.

Das Berufsbild des Arbeitsmediziners

Das Berufsbild beschreibt inhaltlich und methodisch die Aufgaben und Tätigkeiten des Arbeitsmediziners, d.h. nicht nur was ein Arbeitsmediziner tut, sondern auch wie er es tut.

Es stellt eine Beschreibung der Mindestanfordungen an den Arbeitsmediziner dar und macht deutlich, daß der Arbeitsmediziner als unabhängiger, sachverständiger Berater sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmern in allen Fragen des Gesundheitsschutzes und der Gesundheitsförderung zur Verfügung steht.-

Laut dem Berufsbild ist es Aufgabe des Arbeitsmediziners, gesunheits- und leistungsrelevante Faktoren im betrieblichen Geschehen zu erkennen, zu bewerten und mit dem Einsatz des entsprechenden Fachwissens für die Erhaltung und Förderung der Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Arbeitnehmer zu sorgen.

Neuer Lernzielkatalog für die arbeitsmedizinische Ausbildung

Bei der umfassenden Reform und Neustrukturierung des Lernzielkatalogs für die arbeitsmedizinische Ausbildung durch die Österreichische Akademie für Arbeitsmedizin war das Berufsbild ebenfalls die Basis.

Dr. Franz Bichler, Betriebsarzt der Siemens AG Wien und langjähriges Mitglied des Lehrkörpers der Österreichischen Akademie für Arbeitsmedizin, zeigte, die Bedeutung des Lernzielkatalogs für alle in die Ausbildung Involvierten.

Der Lernzielkatalog ist ein wichtiges Instrument der

Qualitätssicherung

Das Augenmerk bei der Überarbeitung der bestehenden Ausbildung lag zum einen in einer Neugewichtung der medizinisch-fachlichen Lehrinhalte, zum anderen wurden bei der Reform der Ausbildung neue Methoden der Wissensvermittlung und eine Vielfalt erwachsenenbildnerischer Arbeitsformen berücksichtigt.

Insgesamt entstand eine Ausbildung mit intensivem Praxisbezug, wobei genau geprüft wurde, ob die Postulate aus dem Berufsbild bei der Überarbeitung des Kurses umgesetzt wurden.

Sowohl das Berufsbild des Arbeitsmediziners als auch der Lernzielkatalog für die arbeitsmedizinische Ausbilung stellen Novitäten im deutschsprachigen Raum dar. Die Österreichische Akademie für Arbeitsmedizin hat damit Pionierarbeit geleistet.

Rückfragen & Kontakt:

Österreichische Akademie für Arbeitsmedizin
Dr. Stefan Koth
Tel: (02243) 24 31 10
Fax: (02243) 24 304-22

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