Psycholeiden, Übergewicht - Was ist mit unseren Kindern los? (Teil 2)

Welle psychischer Krankheiten

Wien (OTS) - Wie brisant die gesundheitliche Situation unserer Kinder ist, zeigen ärztliche Berichte über eine noch nie dagewesene Welle psychischer Krankheiten. Die Palette der Symptome reicht von Schlafstörungen bis zum Vandalismus, vom Bettnässen bis zur Kleptomanie. Die Zahl der Verhaltensauffälligen wird immer größer.

Laut Univ. Prof. Dr. Max Friedrich, Chef der Wiener Universitätsklinik für Neuropsychiatrie des Kindes- und Jugendalters, hat schon fast jedes sechste Kind mit psychischen Problemen zu kämpfen. Nach den Erhebungen seiner Klinik weisen rund 18 Prozent der Kinder Störungen im psychiatrischen Bereich auf. Zum Großteil handelt es sich dabei um leichte Probleme wie Lernschwierigkeiten, bei drei Prozent der Schulpflichtigen sind die Störungen aber durchaus ernst zu nehmen. Angesprochen sind etwa Anorexia nervosa (Magersucht), Bulimie (Freßsucht), vor allem aber auch Vorstufen neurotischer und psychotischer Leiden.

Für die Eltern ist das oft gar nicht leicht erkennbar. Wer kommt schon drauf, daß regelmäßiges Erbrechen an ganz bestimmten Tagen darauf zurückzuführen ist, daß der Bub einfach Angst vor dem Turnen am Reck hat? Oder daß das stundenlange Zähneputzen bis zur Auflösung des Zahnschmelzes auf schulische Überforderung hinweist?

Wie Prof. Friedrich vor den Pressevertretern erklärte, handelt es sich bei diesen Symptomen um verschlüsselte Botschaften. "Die häufigsten Warnzeichen sind Bauchschmerzen, oft begleitet von Kopfweh, Fieber, Blässe. Und jedes Symptom kann auf Schwierigkeiten in der Schule aber auch in der Familie deuten. Man darf die ständigen Marotten des Kindes nicht ins Lächerliche ziehen, sondern muß hinterfragen und die maskierten Symbole zu deuten versuchen." Die Angst, beschwindelt zu werden, ist unbegründet. Psychosomatische Störungen sind von Simulation und ganz normalem Schulschwänzen sehr gut zu unterscheiden.

Besonders bei diesen seelisch-geistigen Problemen kommt dem Schularzt eine Schlüsselposition zu. Er ist für Schüler aber auch Eltern und Lehrer der Ansprechpartner, der dann - wenn nötig - auch den Weg zum Kinderarzt, Jugendpsychiater oder Psychotherapeuten ebnet. Wichtig: Jeder

Schmerz muß zuerst somatisch (körperlich) abgeklärt werden. Bei rechtzeitiger Diagnose und sorgfältiger Therapie kann jede dieser Schulängste geheilt werden.

Jedes Symptom ist, wie Prof. Friedrich betonte, ein Signal, das die Kinderseele aussendet. So bedeutet beispielsweise:

  • Kopfschmerz - Kopfzerbrechen über etwas Unlösbares
  • Heiserkeit, Stimmverlust - etwas verschlägt einem die Rede
  • Asthma - es bleibt die Luft weg
  • Magenschmerzen - Unverdauliches liegt im Magen oder Angst schlägt sich auf den Magen

- ständiges Schütteln - Lebensverneinung.

Die Ursachen der immer größer werdenden psychischen Probleme bucht der Psychiater auf das Konto von Überforderungen wie zu frühe Einschulung oder übertriebener Ehrgeiz der Eltern. Möglicherweise sitzt das Kind auch in der falschen Schultype, der Sprachbegabte im mathematischen Gymnasium zum Beispiel. Dazu kommen Reizüberflutung, Doppelbelastung der Frauen, die die Kinder zu spüren bekommen, oder auch falsche Erziehung, wobei antiautoritär ganz schlecht ist, weil permanente Angst herrscht, wenn alle Richtlinien im Leben fehlen. (Forts.)

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