Psycholeiden, Übergewicht - Was ist mit unseren Kindern los? (Teil 1)

Wien (OTS) - 900.000 Kinder sind gesundheitlich beeinträchtigt -Gesundheitsstatistik eingestellt - Schulärztlicher Dienst im Unterrichtsministerium unbesetzt - Welle psychosomatischer Krankheiten bei Kindern - Schüler werden immer dicker

Die Schulärzte schlagen Alarm. Laut der letzten Statistik sind von den 620.000 Buben und 580.000 Mädchen, die nun wieder die Schulbank drücken, 900.000 gesundheitlich beeinträchtigt. Besorgniserregend ist die Tatsache, daß ein beachtlicher Prozentsatz der Kinder zur Tablette greift. Rauchende Elf- und Zwölfjährige sind ebenso Realität wie stark alkoholgefährdete Zwölf- bis Vierzehnjährige. Das Einstiegsalter bei Drogen rutscht immer weiter nach unten.

Wie Dr. Gerhard Weintögl, der Leiter des Schulärztereferates der Österreichischen Ärztekammer und Präsident der niederösterreichischen Ärztekammer am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien feststellte, fordert die dramatische gesundheitliche Situation der Kinder rasche Maßnahmen. "Derzeit sind uns die Hände gebunden. Pro 60 Schüler steht dem Schularzt an den Bundesschulen eine einzige Stunde in der Woche zur Verfügung. An den Landes- und Privatschulen ist es noch weniger. Die Schulärzte brauchen dringend mehr Zeit, um die Kinder medizinisch sorgfältiger betreuen zu können. Derzeit sind gerade noch die Reihenuntersuchungen und die Impfungen drinnen."

Tatsächlich geht die Gesundheitspolitik den entgegengesetzten Weg. Man hat nicht nur die Forderungen nach mehr Stunden ignoriert. Ein ausgesprochen bedenklicher Schritt ist die erst kürzlich bekannt gewordene Einstellung der Schüler-Gesundheitsstatistik im Statistischen Zentralamt. Was, so Dr. Weintögl, geradezu eine Groteske ist. Die Jahr für Jahr von den Schulärzten erhobenen Gesundheitsbögen müssen auf einmal liegenbleiben und werden von Statistischen Zentralamt nicht mehr ausgewertet. Was passiert jetzt damit? Weiters wies Dr. Weintögl darauf hin, daß der Schulärztliche Dienst im Unterrichtsministerium seit August 1996 unbesetzt ist. Seitdem die zuständige Ministerialrätin in Pension geschickt wurde, hat man ihre Position nicht mehr nachbesetzt. Was zur Groteske Nummer zwei führt: Eltern, die hilfesuchend beim medizinischen Dienst des Unterrichtsministerium anrufen, hören manchmal ein Tonband mit dem Ratschlag, sich im Notfall an die Rettung oder an den Euro-Notruf zu wenden.

Dr. Weintögl forderte in diesem Zusammenhang dringend die Realisierung eines Forderungspaketes, das die Schulärzte auf den Tisch legten. Es verlangt:

- Gleiche schulärztliche Betreuung für alle Kinder in ganz Österreich

- Gesundheitserziehung, insbesondere Ernährungserziehung, unter Einbindung des Schularztes

  • Sitz und Stimme für den Schularzt in den Schulkonferenzen
  • Mehr Mitspracherecht in Fragen der Ernährung (Schulbuffet, Kantine), Beleuchtung, körpergerechte Möbel, Hygiene, Toiletten, Bewegung als Ausgleich für ständiges Sitzen, Aufklärung (Aids, Sexualerziehung, Drogen- Medikamentenmißbrauch, Gewalt). (Forts.)

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Tel.Nr.: 01-512 44 86.

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