Gewerbeverein: Arbeitsinspektorat "Soft" - aber nur bei den Bundesdienststellen

Wien (OTS) - "Seitens der Arbeitsinspektion war man bemüht, durch verstärkte Beratungstätigkeit auf die Bedeutung eines sicheren und ergonomisch entsprechenden Arbeitsumfeldes hinzuweisen." Ein Zitat fast wie aus einer Werbebroschüre für ein Pensionat für höhere Töchter? Mitnichten!

Die Bundesministerin für Arbeit, Gesundheit und Soziales legte gestern den Bericht über die Tätigkeit der Arbeitsinspektion im Bundesbereich im Jahr 1995 vor, der vom Ministerrat zur Kenntnis genommen wurde.

So mancher Gewerbetreibender würde sich wünschen, wenn ihm seitens des Arbeitsinspektorats eine derart zuvorkommende Behandlung - noch dazu mit beratender Unterstützung - zuteil wird. Normalerweise verkehrt ja das Arbeitsinspektorat mit seiner Klientel etwas kantiger.

Der Grund der Bevorzugung des Bundesdienstes in der Behandlung liegt bestimmt darin, daß gerade in diesem Bereich sicher alles konform dem ArbeitnehmerInnenschutzgesetz läuft.

Wer erinnert sich als Bürger nicht gerne, aus den - zumeist nur mehr in Gorki'schen Romanen geschilderten Amtsstuben - wieder rasch draußen gewesen zu sein. Welcher Präsenzdiener gedenkt nicht noch wehmütig über die, dem Archipel Gulag trefflich nachempfundenen Kasernen. Das gehört nun alles der Vergangenheit an. Von irgendwelchen Beanstandungen steht in dem Bericht - jedenfalls so wie er an die Öffentlichkeit gelangte - nichts. Die Bundesregierung hat das alles wohlwollend zur Kenntnis genommen. Klar - so der Präsident des Österreichischen Gewerbevereins, Prof. Friedl Bakalowits - wer nicht wie ein Unternehmer saftige Strafen zahlt, wenn er ein Klosett zuwenig installiert hat, der kann sich freuen.

Wie steht es doch im Artikel 7, Absatz 1 der Bundesverfassung:
"Alle Bundesbürger sind vor dem Gesetz gleich. Vorrechte...des Standes, der Klasse (Politiker versus Unternehmer; Beamte versus Arbeitnehmer; die Red.)...sind ausgeschlossen. "Wirklich?"

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