WIEDERHOLUNG OTS0081 OeNB - Rosa Mayreder und Karl Landsteiner

Wien (OTS) - Rosa Mayreder und Karl Landsteiner: Zwei große Österreicher auf neuen 500- und 1000-Schilling-Scheinen Persönlichkeiten der Vergangenheit auf "High-tech" -Banknoten der Zukunft Neue Schilling-Banknoten sind Brückenschlag zum Euro=

Wien (OTS() - Wenn am 20. Oktober 1997 neue 500- und 1000-Schilling-Banknoten ausgegeben werd so kommt die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) damit nicht nur ihrer gesetzlichen Verpflichtung nach, das Land mit fälschungssicheren Geldscheinen auf dem neuesten technischen Stand zu versorgen; sie erfüllt darüber hinaus auch eine kulturpolitische Aufgabe - nämlich den Österreicherinnen und Österreichern herausragende heimische Persönlichkeiten nahezubringen.

Auch diesmal sind auf den Banknoten wieder große Landsleute abgebildet, die richtungsweisende Leistungen erbracht haben: Rosa Mayreder, Malerin, Schriftstellerin und führende Theoretikerin der Frauenbewegung um die Jahrhundertwende, befindet sich auf dem 500-Schilling-Schein; Karl Landsteiner, Entdecker der Blutgruppen und Nobelpreisträger für Medizin, ist auf dem Tausender verewigt.

Rosa Mayreder (1858-1938) - Die Vorkämpferin

"Eher will ich nichts werden, als nichts Großes." Als Rosa, am 30. November 185 als neuntes Kind des Gastwirts Franz Obermayer in Wien geboren, diesen damals ungehörigen Wunsch ihrem Tagebuch anvertraut, ist sie gerade vierzehneinhalb Jahre alt. Schon früh leidet sie unter der Ungerechtigkeit, daß ihr als Mädchen die Welt des Geistes verwehrt bleiben soll, und der Unterricht in einer Privatschule unterfordert das lernbegierige Kind. Also nimmt sie an den Latein-und Griechisch-Stunden ihres Bruders Fritz teil, und die "Welt der Bücher und Papie wird bald ihre "wahre Heimat".

1881 heiratet Rosa Obermayer den Technikstudenten Karl Mayreder. Bald gilt die Wohnung des Ehepaares als Treffpunkt der liberalen Intelligenz. Der Philosoph Rudolf Steiner gehört ebenso zu den Stammgästen wie der Komponist Hugo Wolf.

Bekannt wird Rosa Mayreder zunächst als Malerin, doch fühlt sie sich vor allem Schriftstellerei berufen, wobei im Mittelpunkt ihres Schaffens der Kampf um die Gleichstellung der Frau steht. So gründet sie eine private "Kunstschule für Frauen und Mädchen" und ist Mitbegründerin des "Allgemeinen Österreichischen Frauenvereins". Obwohl sie ihre Umgebung schockiert, indem sie sich schon als 18jährige für imm vom verhaßten Mieder befreit und in Männerdomänen wie das Schachspiel einbricht versteht sie sich in ihrem Einsatz für Gleichberechtigung nicht als politische Aktivistin, sondern als Künstlerin.

Ihre überragende Bedeutung liegt vor allem darin, daß sie als erste den Forderung nach Veränderung des Frauenbildes in der Gesellschaft eine theoretisch fundiert vor allem mit ihrer Essaysammlung "Zur Kritik der Weiblichkeit" (1905).

Rosa Mayreder stirbt am 19. Jänner 1938. Sie hinterläßt ein umfangreiches Oeuvr darunter den Sonettenzyklus "Zwischen Himmel und Erde" sowie das Libretto zu Hugo Wolfs einziger Oper "Der Corregidor".

Karl Landsteiner (1868-1943) - Der stille Pionier

Der Arzt und Immunologe Karl Landsteiner, ein bescheidener, fast schüchterner Mensch, hat durch seine Forschungsarbeit - vor allem durch die Entdeckung der Blutgrupp zahllose Menschenleben gerettet. Geboren wird Landsteiner am 14. Juni 1868 in Baden bei Wien, 1885, noch im Jahr seiner Matura, inskribiert er an der medizinischen Fakultät der Universität Wien, wo er sich hauptsächlich der Grundlagenforschung widmet und erstaunliche Fähigkeiten im Experimentieren entwickelt. 1891 promoviert er zum Doktor der gesamten Heilkunde.

Landsteiners Leben ist von unermüdlichem Arbeitseifer geprägt. Er kennt weder Sonn- noch Feiertage und widmet sich seiner Forschungstätigkeit bis tief in die Nacht hinein. Im Jahr 1900 kann er schließlich nachweisen, daß Blut nicht gleich Blut ist. Er unterscheidet zwischen Blutgruppen und gibt ihnen die Namen A, B und C (heute als O bezeichnet). Eine bahnbrechende Entdeckung, welche die Einrichtung von Blutbanken und die Durchführung bis dahin unmöglicher Operationen ermöglicht.

Damit nicht genug, verfeinert Landsteiner in den nächsten Jahren die Methode der Syphilis-Diagnose und weist 1908 den Zusammenhang zwischen Polio-Virus und Kinderlähmung nach - eine Vorarbeit, die später die Herstellung des entsprechen Impfstoffes ermöglichen wird.

Trotz seiner Entdeckungen verläuft die wissenschaftliche Karriere Landsteiners jedoch zögerlich. Mit dem Ende der Monarchie geht zudem die finanzielle Basis für seine Forschungen verloren, er wandert nach Holland und schließlich im Jahr 1923 nach New York aus. Sechs Jahre später nimmt er die amerikanische Staatsbürgerschaft an und erfährt endlich die lange verwehrte Anerkennung: 1930 erhält er den Nobelpreis für Medizin.

Karl Landsteiner forscht bis ins hohe Alter, aber der Erkenntnis, daß er seiner die an Schilddrüsenkrebs erkrankt ist, nicht helfen kann, hält er nicht stand: Am 26. Juni 1943 stirbt er an einem Herzanfall.

Banknoten, Wissenschaft und Kunst

Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Kunst auf heimischen Banknoten abzubilden hat bereits eine lange Tradition. Indem die Oesterreichische Nationalbank herausragende Österreicherinnen und Österreicher auf den Banknoten abbildet, nimmt sie gewiss "Anleihen" bei Wissenschaft und Kunst - die sie in Form von Förderungen und Sponsoring wieder zurückgibt.

Die ersten Banknoten mit Portraits großer Österreicher wurden bereits in der Nachkriegszeit ausgegeben. Damals, das neue "Österreich-Bewußtsein" und der Nationalstolz erwachten gerade zum Leben, zierten Persönlichkeiten wie Joseph Haydn (20-Schilling-Note 1950), Jakob Prandtauer (50-Schilling-Note 1952), Franz Grillparzer (100-Schilling-Note 1954), Julius Wagner-Jauregg (500-Schilli oder Anton Bruckner (1000-Schilling-Note 1956) die heimischen Geldscheine.

Eine Anerkennung, die aber nicht nur Männern zuteil wurde. So wurde 1970 Bertha v. Suttner auf der 1000-Schilling-Banknote abgebildet, noch im selben Jahr folgte Angelika Kauffmann auf dem 100-Schilling-Schein. Weil aber dennoch meistens Männer auf den Banknoten verewigt wurden, betrachtet es die OeNB als ehrenvolle Aufgabe, mit Rosa Mayreder wieder eine bemerkenswerte Frau und Österreicherin würdigen zu können.

Bei der Auswahl von Banknoten-Persönlichkeiten gelten grundsätzlich folgende Kriterien: Die auserwählte Person darf keine lebende Persönlichkeit sein; sie muß über hohe ethische und charakterliche Eigenschaften verfügen und unbestrittene Leistungen für die Gesellschaft erbracht haben. Ebenfalls berücksichtigt werden produktionstechnische Aspekte - etwa eine in der plastischen Darstellung effektvolle Bart- oder Haartracht.

Neueste Sicherheitstechnik

Um den hohen Sicherheitsstandard österreichischer Banknoten auch weiterhin zu gewähleisten, werden die neuen 500- und 1000-Schilling-Geldscheine mit den besten derzeit ver Sicherheitsmerkmalen aufwarten, darunter ein Kinegram®, wie es bereits vom Fünftausender bekannt ist. Außerdem werden die neuen Banknoten in sechs bis sieben Arbeitsschritten hergestellt. Das aufwendige Druckverfahren ermöglicht eine Sicherheitsausstattung die bereits dem Standard der künftigen Euro-Noten entspricht.

So leisten die beiden neuen Geldscheine - die übrigens ebenso wie die künftigen vom OeNB-Banknotendesigner Robert Kalina entworfen wurden -auch einen Brückens gemeinsamen europäischen Währung.

Daß die 500- und 1000-Schilling-Banknoten gerade jetzt ausgetauscht werden, entspricht dem üblichen Lebenszyklus der Geldscheine. Der elf Jahre alte Fünfhunderter und der vierzehn Jahre alte Tausender sind durch die technische Entwicklung überholt. Um den sicherheitstechnischen Vorsprung zu halten, werden die fälschungsgefährdesten Banknoten der laufenden Serie ersetzt. Nicht zuletzt hat Österreich, was die hohe Sicherheit seines Geldes betrifft, einen internationalen Ruf zu verteidigen. Da alte Banknoten aber ohnehin laufend ausgetauscht werden müssen, fallen bei einer Umstellung nur die Entwicklungskosten an.

Mit dem Banknoten-Austausch ist Österreich in bester Gesellschaft:
Auch die Notenbanken von Deutschland, Frankreich, Belgien und den Niederlanden haben noch vor der Euro-Einführung neue Banknoten herausgegeben.

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