Krise am Bau spitzt sich weiter zu

Lahofer: "Bundesregierung soll endlich Versprechen einlösen" Luxemburger Modell könnte 11.000 neue Arbeitsplätze schaffen

Wien (PWK) - Die Krise am Bau spitzt sich weiter zu. Im August, wo traditionell die meisten Aufträge abgearbeitet werden, waren heuer 10.180 Bauarbeiter alleine im Hoch- und Tiefbau (ohne Ausbau- und Bauhilfsgewerbe) ohne Job. Das entspricht einem Anstieg von 12,1% gegenüber dem Vorjahresmonat. Dramatisch ist vor allem die hohe Sockelarbeitslosigkeit, die in erster Linie auf den Rückgang der öffentlichen Aufträge zurückzuführen ist. Ihr Anteil am Produktionswert ist auf einen absoluten Tiefstwert von 24% gesunken. ****

"Diese Entwicklung verdanken wir dem Ausbleiben der Infrastrukturinvestitionen, die uns im letzten Jahr zugesagt wurden. Wenn die Bundesregierung nicht bald ihre Versprechen einlöst, stehen im Winter möglicherweise 100.000 Bauarbeiter auf der Straße", prophezeit Johannes Lahofer, Bundesinnungsmeister der Baugewerbe, in einer Aussendung der Wirtschaftskammmer Österreich. Laut Wirtschaftsminister Farnleitner sollen angeblich alle geplanten Bauprojekte vergeben worden sein. "Unsere Zahlen sprechen aber eine andere Sprache", erklärte Lahofer. So sind die Auftragsbestände im Baugewerbe zu Beginn des 3. Quartals 1997 nochmals um 0,3 Wochen auf 16,9 Wochen gegenüber dem Vorjahreszeitraum gesunken. Im zweiten Quartal waren es noch 17,6 Wochen. Damit liegt der Auftragsbestand um 5 Wochen unter den vergleichbaren Werten Anfang der 90er Jahre. Die Zahl jener Betriebe, die mit rückläufigen Auftragseingängen rechnet, nimmt von Monat zu Monat zu. Mit einer raschen Erholung der Baukonjunktur ist nicht zu rechnen.

Lahofer kritisierte aber auch die zögerliche Haltung der Bundesregierung bei der Bekämpfung der gewerblichen Schwarzarbeit. "Nichts, aber auch gar nichts wurde bisher getan, um den Pfusch zu bekämpfen, obwohl die Österreicher heuer mit 88 Mrd Schilling einen neuen Rekord beim Pfusch am Bau aufstellen werden", ärgert sich Lahofer. Alle Initiativen der Bundesinnung, diese dramatische Entwicklung durch wirksame Maßnahmen zu stoppen, wurden von den verantwortlichen Politikern jahrelang ignoriert und verschleppt. "Das Ergebnis kann man an der Arbeitslosenstatistik ablesen".

Die Bundesinnung fordert fordert daher die rasche Einführung des Luxemburger Modells, um die Beschäftigungssituation am Bau wieder in den Griff zu bekommen. Für den privaten Wohnungsbau sollte der Mehrwertsteuersatz von 20 auf 10% gesenkt werden, und zwar für Bauleistungen, die von befugten Gewerbetreibenden durchgeführt werden. Der Konsument würde sich bis zu 12% der Baukosten sparen, der Pfusch könnte um ein Drittel eingedämmt, der Wohnbau stimuliert und die Zahl der Arbeitslosen laut WIFO um 7.000 verringert und zusätzlich 11.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Die Preise im Wohnbau würden um 8,3% zurückgehen und das reale Bauvolumen um 6,6% steigen

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Bundesinnung der Baugewerbe

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