Ziegelindustrie steht weiter unter Druck

Nach schwierigem Jahr 1996 stiegen die Umsätze im 1. Halbjahr 1997 um 6,2% - Niveau von 1995 wird heuer nicht erreicht

Wien (PWK) - Die österreichische Ziegelindustrie steht weiter
unter Druck. Nach dem sehr schlechten Jahr 1996 (-4,5%) konnte die Branche ihre Umsätze im ersten Halbjahr 1997 zwar um 6,2% auf 1,2 Mrd Schilling steigern, "das Umsatzniveau von 1995 werden wir heuer jedoch nicht erreichen", erklärte Wolfgang Reithofer, Präsident der Österreichischen Ziegelindustrie, bei einer Pressekonferenz in Wien. Die Verkäufe von Hohlziegel haben sich nur unterdurchschnittlich entwickelt (+3,7%), Dachziegeln hingegen konnten überdurchschnittlich viele abgesetzt werden (+17%). Der Exportanteil beträgt 1,5%. Die Zahl der Beschäftigten ging im 1. Halbjahr um 1,7% auf 1.363 Arbeiter und Angestellte zurück. ****

Sorgen bereitet Reithofer die aktuelle Situation in der Bauwirtschaft. Die Beschäftigung am Bau hat sich vor allem in den Sommermonaten weiter verschlechtert. Der Wohnbau wird heuer real um 3,5% niedriger ausfallen als 1996, der Wirtschaftsbau stagnieren und der öffentliche Hochbau um 6% zurückgehen. Dieser Trend wird auch in den nächsten Jahren anhalten. Mit 59.000 Baugenehmigungen werden heuer um 7,5 % weniger ausgestellt als im Vorjahr. "Noch stärker dürfte der Rückgang im Durchschnitt der Jahre 1998 bis 2000 ausfallen. Es ist eher zu befürchten, daß die Zahl der jährlich hergestellten Wohnungen deutlich unter 50.000 sinken wird", so Reithofer.

Andererseits ist ein deutlicher Trend zu Eigentumswohnungen und Einfamilienhäusern nicht zu übersehen. Um diesen Bedarf besser erfüllen zu können, braucht der Wohnbau günstige Finanzierungsmöglichkeiten und niedrigere Baukosten. Erfreulich ist in diesem Zusammenhang die Situation am Bausparsektor. In Zukunft müssen Bausparer nicht mehr Prämienkürzungen aus dem Titel Budgetsanierung fürchten und so können fast 190 Mrd Schilling (46% des angesparten Geldes) in die Schaffung und Qualitätsverbesserung von Wohnraum fließen. Zusätzlich sollte bei der Wohnbaufinanzierung auf privates Kapital zurückgegriffen werden. Angesichts dieser Situation verlangte Reithofer die Reaktivierung der steuerlichen Förderung des Bauherrenmodelles.

Ebenso wichtig ist eine Verbilligung des Bauens. Hiezu gehört eine Durchforstung der vielen Gesetze und Verordnungen, die zu einer Verteuerung des Bauens führen. Weiters sprach sich Reithofer für eine Wiederbelebung der Wohnbauforschung aus, "um den gordischen Knoten zwischen immer höherer Wohnqualität und dem Druck auf die Wohnbaukosten zu durchschlagen".

Franz Olbrich-Krampel, Direktor der Ziegelwerke Gleinstätten, ging bei der Pressekonferenz auf die spezifische Situation bei Tonziegeln ein. Während der Anteil des Dachziegels aus Ton 1953 noch bei über 60% lag, sackte er in den 80er Jahren praktisch zur Bedeutungslosigkeit auf 1,5% ab. "In den 90er Jahren hat der Tondachziegel als reines Naturprodukt mit über 20% Anteil am heimischen Bedachungsmarkt vor allem beim österreichischen Häuselbauer wieder seinen Platz gefunden", freut sich Olbrich-Krampel. Einziger Wermutstropfen: Nach wie vor werden rund 21 Mio Stück aus der Schweiz und der EU importiert.

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