Globalisierung drängt Entwicklungsländer an den Rand

WKÖ fordert einheitliche EU-Strategie und internationalen Gleichschritt bei Martöffnung

Wien (PWK) - "Die Globalisierung von Handel und Investitionen schreitet unaufhaltsam voran, aber leider geht sie an den ärmsten Ländern der Welt vorbei", erklärt Walter Ertl, Leiter der Abteilung für Integration und Handelspolitik der Wirtschaftskammer Österreich. Ohne Gegensteuerung könnte sich diese Tendenz mittel- bis langfristig als Zeitbombe entpuppen. In einem Positionspapier fordert die Wirtschaftskammer Österreich daher eine glaubwürdige und ausgewogene EU-Strategie, um die ärmsten Entwickungsländer bei ihrer Integration in den Welthandel zu unterstützen. ****

Laut Mitteilung der Europäischen Kommission hatten die 48 ärmsten Länder der Welt (u.a. Laos, Bangladesch, Nepal und viele afrikanische Staaten) 1993 nur einen Anteil von weniger als 0,5 Prozent am Welthandel. Der Gesamtwert der Exporte dieser Länder belief sich auf etwa neun Prozent ihres Bruttonationalproduktes, jener der Importe hingegen auf 16 Prozent.

Vor diesem Hintergrund legte die Europäische Kommission im April 1997 eine Mitteilung zur Verbesserung des EU-Marktzuganges für die ärmsten Entwicklungsländer vor. Am 29. Februar 2000 läuft das Abkommen der EU mit den 70 AKP-Staaten, das sogenannte Lom‚ IV-Abkommen, aus. Bei den AKP-(Afrika-Karibik-Pazifik)-Staaten handelt es sich hautpsächlich um ehemalige Kolonien von EU-Staaten, denen die EU präferentiellen Marktzugang für den Großteil ihrer Exporte einräumt. Die Verhandlungen für ein neues Abkommen werden im September 1998 - während des ersten österreichischen EU-Ratsvorsitzes - starten.

Die Wirtschaftskammer Österreich plädiert in ihrem Positionspapier für eine Neugestaltung der Beziehungen EU-AKP in der Form, daß die AKP-Länder in das allgemeine Zollpräferenzsystem der EU integriert werden. Damit wäre eine Gleichbehandlung aller Entwicklungsländer durch die EU sichergestellt. Für eine wirksame Hilfe für die ärmsten Länder sei überdies ein internationaler Gleichschritt bei den Marktöffnungen zugunsten der ärmsten Entwicklungländer erforderlich, heißt es in dem WKÖ-Papier weiter.

"Es ist unlogisch, daß die EU beim Marktzugang eine Führungsrolle einnimmt, ihre wichtigsten Handelspartner in Übersee aber nicht mitziehen wollen", kommentiert Ertl. So etwa können Textilien und Bekleidung aus den ärmsten Entwicklungsländern zollfrei in die EU eingeführt werden. Die USA, Japan und Südkorea gewähren hingegen nur begrenzte oder überhaupt keine Zollermäßigungen.

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Mag. Robert Andrecs

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