Gewerbeverein: ÖBB hat kein Nebenbahnproblem, sie hat generelle Sicherheitsprobleme

Wien (OTS) - Den tragischen Zugszusammenstoß vom vergangenen Freitag als ein Nebenbahnproblem und als Spätfolge des Zweiten Weltkriegs darzustelle, ist nicht nur zynisch sondern auch falsch.

Dazu folgender symptomatischer Vorfall: Am 20. August 1997 blieb der Intercity! "Ferdinand von Saar" (Wien - Graz) zuerst eine halbe Stunde bei der Auffahrt auf den Semmering wegen eines Signalschadens stehen. Die Passagiere wurden eine Minute vor Weiterfahrt über den Grund des unerwarteten Halts informiert! Der Zug setzte dann seine Fahrt kilometerweit - über permanent rot in die Nacht leuchtende Signale - fort. Man kann sich vorstellen, welches Sicherheitsgefühl Passagiere haben, die beim Fenster hinausschauen und zusehen, wie ein Zug kilometerlang bei "Rot" weiterfährt.

Der Österreichische Gewerbeverein zieht daraus folgende

Schlüsse:

a) Die ÖBB-Verkehrsleitsysteme sind auch auf ÖBB-Tripple-A-Strecken nicht annähernd am neuesten Stand der Technik. Wer auf einer Strecke, die er um einen zweistelligen Milliardenbetrag um zwanzig Minuten beschleunigen will, heute nicht einmal eine doppelte Signalabsicherung hat, verliert wohl jede Glaubwürdigkeit einen Tunnel sicherheitstechnisch zu beherrschen.

b) Naive Menschen könnten den Eindruck gewinnen, daß Vorfälle, wie jener am 20. August - wenn schon nicht gesteuert - sehr wohl ins Konzept der ÖBB passen. Man will damit beweisen, daß die Anlage der Scheitelstrecke des Semmerings veraltet ist. Ob das nicht ein Schuß nach hinten ist, ist eine andere Frage. Aber vielleicht ist die Argumentation nun: 30 Minuten Wartezeit durch ein defektes Signal und 20 Minuten Zeitersparnis durch den Tunnel bringen immerhin 50 Minuten Fahrzeitverkürzung und das ist schon fast eine Stunde!

Vielleicht sollte die ÖBB nach all den tragischen Vorfällen noch einmal in sich gehen und sich doch auf ihre Kernkompetenz beschränken, nämlich Personen und Güter sicher und zuverlässig von A nach B zu bringen. Derzeit ist sie dazu - offensichtlich - noch nicht in der Lage. Es erscheint daher auch doch noch etwas verfrüht, aus einer privigierten Position, österreichischen Gewerbe- und Handwerksbetrieben Aufträge wegzunehmen - wie es erklärte Absicht des ÖBB-Generaldirektors ist, wenn man sein eigenes Handwerk nicht beherrscht oder noch unter den Folgen des Zweiten Weltkrieges leidet.

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Österreichischer Gewerbeverein
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