Österreich: Unfallschutz vor Gärgasen Wien (ÖRK) - Zwei Tote, ein lebensgefährlich Verletzter, zwei Verletzte - das war in der vergangenen Woche in Niederösterreich

die Bilanz eines typischen Gärgas-Unfalls. Ein Mann war in einen Schacht gestiegen, um eine Sickergrube zu reinigen. Durch die Gärgase brach er bewußtlos zusammen. Die vier Retter ereilte dasselbe Schicksal. "Bei Unfällen mit Gärgasen ist nicht nur das Opfer selbst, sondern in besonderem Maß auch der Retter in Lebensgefahr", sagt Dr.Heinz Peter Slatin, Chefarzt des Österreichischen Roten Kreuzes.

Nicht nur in Hochsilos oder Sickergruben, auch in Brunnen- oder Bergwerksschächten, in Höhlen und - gerade besonders aktuell - in Weinkellern entstehen Gärgase, deren Hauptbestandteil das gefährliche Kohlendioxid (CO2) ist. In den vergangenen zehn Jahren starben allein in Weinkellern insgesamt 16 Menschen an Vergiftung durch Kohlendioxid.

"Kohlendioxid ist ein farb- und geruchloses Gas. Bereits bei einem Anteil von einem Prozent in der Atemluft zeigen sich erste Vergiftungssymptome", so Slatin. "Bei vier Prozent CO2 ist eine erhöhte Atemfrequenz, Benommenheit und Herzklopfen zu beobachten. Neun Prozent sind innerhalb von fünf bis zehn Minuten tödlich. Bei 14 Prozent erlischt eine Kerze, bei 18 Prozent wirkt CO2 schon
nach kurzer Zeit tödlich."

Slatin warnt daher vor unüberlegten Rettungsversuchen: "Wichtig ist, die Ruhe zu bewahren. Alarmieren Sie Feuerwehr und Rettung
mit dem Hinweis, daß Atemschutzgeräte benötigt werden. In Weinkellern ist, wenn vorhanden, sofort das Absauggebläse einzuschalten. Der Verunglückte darf nur unter der Verwendung von schwerem Atemschutz aus dem Gefahrenbereich geborgen werden. Nach der Rettung sofort mit Beatmung und Herzmassage beginnen, bis der Arzt eintrifft."

Um Gärgas-Unfälle in Weinkellern zu vermeiden, rät Slatin, diese während der Gärungsphase erst nach ausreichender Entlüftung und nur in Begleitung einer zweiten Person zu betreten. Der allgemeine Gärgeruch lasse keine Rückschlüsse auf den Gehalt von Kohlendioxid zu. Auch die "Kerzenprobe" sei zur sicheren Bestimmung des CO2-Gehalts nicht geeignet: "Auch wenn die Kerze brennt, kann der verbleibende kritische Bereich zu schweren Gesundheitsschäden und in ungünstigen Fällen zum Tode führen."

Rückfragen & Kontakt:

RK/Gesundheitsredaktion
Mag.Bernhard Jany
Tel.01/589 00-151
www.redcross.or.at
1.9.1997

ORIGINALTEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | ORK/01