Fall Simon Hartl - Freispruch für behandelnden Arzt

Wien (OTS) - Der Tod des elf Tage alten Säuglings Simon Hartl in Linz machte im September 1993 Schlagzeilen. Heute sprach das Linzer Oberlandesgericht den behandelnden Arzt Primarius Dr. Hohenauer in zweiter Instanz frei.

Es ist zu hoffen, daß dieser Freispruch des international renommierten Arztes, der nach bestem Gewissen und in Übereinstimmung mit der ärztlichen Kunst ge- und behandelt hat, positive Auswirkungen haben wird. Einerseits auf das wichtige Vertrauensverhältnis zwischen dem Arzt und dem Patienten, der die Sicherheit haben möchte, daß seine Wünsche auch dann respektiert werden, wenn er deren Einhaltung nicht mehr persönlich überwachen kann. Und obwohl es in diesem Fall um einen Säugling ging, kann andererseits von diesem Urteil ein weiterführender Impuls für die notwendige Diskussion des sehr sensiblen Themas um ärztliche Verantwortung und Patientenrechte ausgehen.

Rückblickend stellt sich die Frage, ob es wirklich notwendig war, einen verantwortungsbewußten Arzt fast vier Jahre mit der Anklage der fahrlässigen Tötung leben zu lassen.

Schon vor der Geburt des kleinen Simon (in der 34. Schwangerschaftswoche durch Kaiserschnitt) hat sich das Ehepaar Hartl an Dr. Hohenauer gewandt, den die Familie auch in Verbindung mit der Geburt des ersten Kindes konsultiert hatte. Da sie um das Problem der Rhesusunverträglichkeit wußten, wünschten sie die beste medizinische Behandlung für das Baby, durch die gleichzeitig auch ihrem religiösen Gewissen als Zeugen Jehovas Rechnung getragen würde. Da Dr. Hohenauer Säuglinge mit diesem Krankheitsbild bereits erfolgreich mit einer international anerkannten Immunoglobulin-Therapie behandelt hatte, durch die ein Blutaustausch vermieden werden kann, tat er dies auch bei Simon. Tragischerweise erlag der Säugling am 11. Tag einem in der Neonatologie äußerst seltenen Myokardinfarkt.

Für Professor Hohenauer, der mit der Anwendung dieser Alternativbehandlung in Österreich Pionierarbeit leistete, spielte die Religion der Eltern bei der Therapiewahl nicht die entscheidende Rolle.

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