Wiens Bürgermeister Häupl nennt erstmals die Gründe, die zu einer Unterstützung der SPÖ für Thomas Klestils Wiederwahl führen würden

Vorausmeldung zu News Nr. 35/97

Wien (OTS) - Häupl im News-Interview: Klestil soll die Chance haben, auch künftig ein unabhängiger Bundespräsident ohne ÖVP und FPÖ-Unterstützung zu sein.

Häupl in News: Geld ausgeben, das man nicht hat, für eine Niederlage, die man politisch nicht braucht, kann nicht das Gelbe vom Ei sein.

Der Wiener Bürgermeister und stellvertretende SPÖ-Parteiobmann Michael Häupl läßt in einem morgen erscheinenden Interview mit dem Nachrichtenmagazin News in bisher deutlichster Form durchklingen, daß in der SPÖ die Entscheidung für eine Unterstützung von Thomas Klestil und der Verzicht auf einen eigenen SPÖ-Kandidaten bei der Präsidentenwahl kurz bevorsteht.

Häupl streut zunächst dem linken SPÖ-Parteiflügel, der für einen eigenen Kandidaten eintritt, Rosen:

"Ich verkenne in keinster Weise, daß es Argumente gibt, die für die Aufstellung eines eigenen Kandidaten sprechen. Sollte man eine Persönlichkeit finden, die in einer glaubwürdigen Weise die politischen Inhalte der Sozialdemokratie über die Medienbühne bringt, dann wäre das ein gewichtiges Pro-Argument für einen eigenen Wahlkampf."

Als einzigen Kandidatend der SPÖ mit reellen Siegeschancen bei einer Präsidentenwahl nennt Häupl im News-Interview ausdrücklich Helmut Zilk.

Häupl wörtlich auf die Frage, ob die SPÖ einen poteniellen Kandidaten für die Bundespräsidentenwahl überhaupt hätte:

"Die SPÖ hätte natürlich einen Kandidaten: Helmut Zilk! Zilk wäre eine Kandidat, der diese Wahl für dei SPÖ gewinnen würde. Nur wären wir dann mit dem vehementen Protest der Dagmar konfrontiert - und mit seinem Notariatsakt, in dem er sich dieser Wahl verweigert. Aber sollte sich Zilk für eine Kandidatur zur Verfügung stellen, dann müßte man die Analyse der Siegeschancen einer positiven Beurteilung zuführen."

In der Folge des News-Interviews betont Häupl dann allerdings ausführlich, daß derzeit alle Gründe dafür sprechen, daß die SPÖ bei der kommenden Bundespräsidenten-Wahl auf einen eigenen Kandidaten verzichtet und Thomas Klestil unterstützt.

Häupl zunächst wörtlich:

"Bei aller Sympathie für die Meinung, daß die SPÖ bei einer Präsidentenwahl mit einem eigenen Kandidaten ihre Standpunkte transportieren soll muß man mit aller Deutlichkeit sagen: Geld ausgeben, das man nicht hat, für eine Niederlage, die man politisch nicht braucht, kann nicht das Gelbe vom Ei sein."

Schließlich betont Wiens Bürgermeister Michael Häupl im News-Interview, das für ihn entscheidendste Argument sei, durch eine Unterstützung der Kandidatur Klestils von Seiten der SPÖ eine ÖVP-FPÖ-Wählerfront zu vermeiden. Häupl in News:

"Ich will keinen Bundespräsidenten, der ausschließlich von der Wählergnade von ÖVP und FPÖ abhängig ist. Und so kristallisiert sich schon die Überlegung heraus: Richtet ein eigener Justament-Kandidat nicht letztendlich mehr Schaden an für die Partei, für die politische Kultur, für die Entwicklung des politischen Klimas im Land? So wird man die Entscheidung, ob man Klestil unterstützt, bedauerlicherweise ohne jede Rücksicht auf Emotion, sondern ausschließlich nach politischer Vernunft treffen müssen. Und da wird sich die Frage stellen, ob man nicht als SPÖ Klestil die Chance geben muß, auch künftig jener unabhängige Bundespräsident zu sein, wie er für die Zukunft der Demokratie in diesem Land notwendig ist."

Mit dem Häupl-Interview in News, direkt nach der Rückkehr aus seinem Urlaub, dürfte somit die Vorentscheidung innerhalb der SPÖ für eine Unterstützung von Bundespräsident Klestil bei der nächsten Wahl gefallen sein.

In der morgigen Ausgabe veröffentlicht News auch eine neue Umfrage des Gallup-Instituts (2.000 persönliche Interviews der letzten zwei Wochen): Danach hat Bundespräsident Klestil auch im Juli und August weiter deutlich an Zustimmung der Wähler eingebüßt.

In dieser Umfrage wollen nur noch 52 Prozent der Österreicher Thomas Klestil "eine wichtige politische Rolle in der Zukunft" zubilligen. Damit ist die Zustimmungsrate für den Bundespräsideten von 78 Prozent Mitte 1992 auf seinen bisherigen Tiefstwert gefallen. Klestil hat damit in den letzten fünf Jahren 26 Prozent an Wählerzustimmung eingebüßt.

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