Müssen Fleischer und Bäcker bald zusperren?

Steigender Konkurrenzdruck durch Supermärkte und Landwirtschaft bedroht Lebensmittelgewerbe

Wien (PWK) - Die österreichische Bevölkerung schätzt es sehr, in der näheren Wohnumgebung beim Bäcker und Fleischer Qualitätsprodukte einkaufen zu können. Die Unternehmer der Nahrungs- und Genußmittelgewerbe geraten aber immer stärker unter Druck, verlautet die Bundesinnungsgruppe der Nahrungs- und Genußmittelgewerbe in der Wirtschaftskammer Österreich. Die bedrohliche Lage ergibt sich einerseits aus der Preiskonkurrenz der großen Supermärkte und multinationaler Ketten und andererseits aus den Vorstößen der Landwirtschaft, welche in ihren Vermarktungsstrategien bereits seit Jahren neue Wege gehen und Produkte anbieten, die teilweise weit über die eigentliche landwirtschaftliche Erzeugungspalette hinausgehen. ****

Vor allem im Fleischbereich wird die dramatische Lage im Lebensmittelgewerbe sehr deutlich. Berechnungen des WIFI Österreich unter Zuhilfenahme der Daten der Strukturerhebung Fleischer und der Roll-AMA haben ergeben, daß der Frischfleischanteil der Landwirtschaft von 1995 auf 1996 um 400 Millionen Schilling (von 2 Mrd. auf 2,4 Mrd. Schilling) gestiegen ist.

Hingegen zeigen Strukturbeobachtungen des Instituts für Gewerbe-und Handwerksforschung für das 2. Quartal 1997 bei den Fleischern Umsatzrückgänge um 22 Prozent, wobei 37 Prozent der erfaßten Unternehmer sinkende Umsatzzahlen zu beklagen hatten. Der Trend der vergangenen Quartale hat sich fortgesetzt, und 50 Prozent der bei dieser Strukturbeobachtung befragten Betriebe bezeichneten ihre derzeitige Geschäftslage als schlecht.

Untersuchungen des WIFI Österreich im gesamten Lebensmittelgewerbe zeigten, daß der Umsatz der Branchenbetriebe neuerlich um rund 3 Prozent zurückgegangen ist. Drastisch ist der Gesamtumsatzrückgang der Bäcker, die seit dem Jahr 1995 Umsatzeinbußen bis zu 20 Prozent hinnehmen mußten.

Aus dem Lebensmittelbericht ist weiters zu entnehmen, daß private Haushalte derzeit bereits direktvermarktete Lebensmittel um rund 16 Mrd. Schilling überwiegend ab Hof kaufen. Die Zahlen der Jahresstatistiken belegen, daß für viele Lebensmittelbetriebe der Weg immer steiniger wird und viele in die roten Zahlen rutschen. Dies bedeutet, daß auch die Investitionsraten generell sinken, da es sich der Unternehmer bei zurückgehenden Umsatzzahlen nicht mehr leisten kann, seinen Betrieb bzw. sein Fachgeschäft mit den neuesten Errungenschaften der Maschinen- und Ladenausstattung zu versehen. Daß sich die Verringerung der Möglichkeit, Investitionen zu tätigen, naturgemäß auch auf andere Branchen, die als Lieferanten auftreten, auswirkt, liegt auf der Hand.

Letztlich wirkt sich die Krise in den Lebensmittelgewerben auch negativ auf die Arbeitsplatzsituation aus. Haben etwa die österreichischen Fleischerbetriebe vor dem EU-Beitritt 21.937 Arbeitnehmer beschäftigt, liegt der Beschäftigtenstand derzeit bei rund 19.900, was einen Rückgang von etwa 10 Prozent bedeutet.

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