TOP SECRET: Pestizide im Trinkwasser

Wien (OTS) - WWF fordert Information von allen Bundesländern
Wien (OTS) - Sie sind krebserregend, verändern das Erbgut,
bewirken Hormonstörungen. Und laut WHO sind sie für den Tod
von jährlich 20.000 Menschen verantwortlich: Pestizide. Auch
in Österreich ist bereits ein Drittel des Grundwassers mit Pestiziden über dem Grenzwert belastet - und darf trotzdem mit Ausnahmegenehmigungen als Trinkwasser verkauft werden.
Ausgestellt - und auch auf Anfrage nach dem
Umweltinformations- bzw. Auskunftsgesetz streng geheim
gehalten - werden diese Bescheide von den Landesregierungen.

Die anhaltende Grundwasserbelastung macht vor allem den Wasserversorgern Schwierigkeiten. Wenn sie Wasser, das über
dem über dem Grenzwert liegt, verkaufen, machen sie sich
strafbar. "Anstatt endlich bei den Ursachen anzusetzen und Pestizidauswaschung ins Grundwasser zu verhindern, erlassen
die jeweiligen Landesregierungen jedoch lieber Bescheide nach
der Trinkwasser-Ausnahmeverordnung. Das heißt, daß auch Wasser über dem Grenzwert, also mit mehr als 0,1 Mikrogramm Pestizid
pro Liter, in Verkehr gebracht werden darf", kritisiert Mag.
Simone Lughofer, Wasserexpertin des WWF.

Deshalb richtete der WWF Anfragen an die
Landesregierungen nach dem Umweltinformationsgesetz (UIG) bzw.
nach den länderspezifischen Auskunftsgesetzen. "Wir wollten
endlich wissen, welche Wasserversorger und welche Betriebe
bereits Ausnahmegenehmigungen haben. Und wieviele Menschen in welchen Gegenden Wasser mit zuviel Pestiziden trinken müssen", erklärt Lughofer.

Das Ergebnis:

Die Zahl der Ausnahmegenehmigungen ist erschreckend hoch. Tendenz: steigend. In Oberösterreich etwa ist ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen, nach inoffiziellen Mitteilungen ist
das auch in Niederösterreich, Kärnten und der Steiermark der
Fall.

Bundesland
Beantwortet
Bescheide nach Trinkwasser-Ausnahme-VO (Stand 1997)
Auskunft Ministerium (Stand 1995)

Burgenland
ja
keine
keine

Kärnten
nein
?
6 Atrazin
2 Desethylatrazin

Niederösterreich
nein
?
32 Atrazin
29 Desethylatrazin

Oberösterreich
unvollständig
91;
Betroffene aber nicht genannt
58 Atrazin, 1 Dicamba
58 Desethylatrazin

Salzburg
ja
keine
keine

Steiermark
nein
?
11 Atrazin
17 Desethylatrazin

Tirol
ja
3:
Reith/Kitzbühl, Oberndorf, Innsbrucker Kommunalbetriebe AG
2 Desethyatrazin

Vorarlberg
ja
keine
keine

Wien
ja
keine
keine

Das Schweigen der Länder

"Es ist auffällig, daß gerade jene Länder keine Auskunft geben, bei denen das größte Pestizidproblem zu erwarten ist.
Der WWF wird aber nicht loassen. Wir werden die
Landesregierungen von Kärnten, Niederösterreich,
Oberösterreich und der Steiermark in die Pflicht nehmen und Berufung vor dem unabhängigen Verwaltungssenat einlegen. Die Pestizidbelastung darf nicht länger verschwiegen werden",
betont Dr. Bernhard Drumel, WWF-Jurist.

Zu klären sein wird auch die Situation im Burgenland:
Denn obwohl acht dokumentierte Fälle von Wasserversorgern vorliegen, die Pestizidgrenzwerte nicht einhalten konnten,
gibt es nicht eine Ausnahmegenehmigung.

Was sind Pestizide?

Pestizide (zu ihnen gehören unter anderem Insektizide, Herbizide, Bakterizide) finden hauptsächlich in der
konventionellen Landwirtschaft breite Anwendung. Sie können
aber sowohl biologisch als auch technisch nur schwer wieder
abgebaut werden. Besonders heimtückisch ist ihre
Langzeitwirkung, da sie sich im Körper anreichern.

Gerade deshalb ist es wichtig, daß der Grenzwert von
einem Mikrogramm pro Liter Wasser eingehalten wird. Die
Realität zeigt aber, daß das in vielen Gebieten gar nicht mehr möglich ist: Obwohl seit 1995 verboten, wird der Grenzwert für Atrazin noch immer in einem Drittel des Grundwasser
überschritten. Probleme bereitet auch sein Abbauprodukt Desethylatrazin.

In Zukunft ist keine Entschärfung der Situation zu
erwarten: 33 weitere Pestizide wurden bereits im Grundwasser nachgewiesen. Und es droht eine Wiederzulassung von Atrazin
durch die EU.

Die einzige Alternative in Grundwasser-Sanierungsgebieten
ist der biologische Landbau.

Rückfragen & Kontakt:

Tel.: 01/48817-232

WWF Österreich, Markus Grieshofer,

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