Gewerbe: Kanzler-Reformpaket für Lehrlinge reicht nicht

Unternehmen werden erst dann zusätzliche Lehrlinge aufnehmen, wenn auch die Rahmenbedingungen verbessert werden

Wien (PWK) - Die von Bundeskanzler Viktor Klima angekündigten Maßnahmen für die verstärkte Ausbildung von Jugendlichen werden, auch wenn sie gut gemeint sind, nicht ausreichen, um die dramatische Situation am Lehrstellenmarkt zu beseitigen, erklärte Fritz Achleitner, Obmann der Bundessektion Gewerbe und Handwerk, in einer Aussendung der Wirtschaftskammer Österreich. "Unsere Unternehmen werden erst dann zusätzliche Lehrlinge aufnehmen, wenn sich auch die Rahmenbedingungen deutlich verbessert haben." Als wichtigste Forderung nannte Achleitner die rasche Korrektur der Novelle zum Kinder- und Jugendlichenbeschäftigungsgesetz (KJBG), die am 1.Juli in Kraft getreten ist. Die Regelung schreibt vor, daß Lehrlinge, die am Samstag arbeiten, grundsätzlich am Montag frei haben müssen. Betroffen davon sind vor allem die Bäcker, Konditoren und Fleischer, die derzeit über 3.000 Lehrlinge ausbilden. "Das ist ein Schuß ins Knie der Lehrlingsausbildung, weil es den Betrieben unmöglich gemacht wird, die Lehrlinge an den zwei stärksten Tagen der Woche zu beschäftigen", warnt Fritz Achleitner. Zahlreiche Betriebe verzichten daher bereits auf die geplante Besetzung von Lehrstellen. "Damit entuppt sich die Novelle zum KJBG in Wirklichkeit als 'Anti-Lehrlingspaket'. Das Gewerbe und Handwerk ist sich seiner Verantwortung für die Ausbildung der Jugend voll bewußt. Aber so werden wir die Jugendarbeitslosigkeit nicht in den Griff bekommen", erklärte Achleitner und forderte eine rasche Lösung des Problems auf parlamentarischer Ebene. Auch für allle anderen Betriebe des Gewerbe und Handwerks verlangte Achleitner eine praxisgerechte und flexible Regelung der Arbeits- und Ruhezeiten, die durchaus EU-konform wäre. ****

Ein Dorn im Auge ist den Betrieben auch, daß es nahezu unmöglich ist, das Lehrverhältnis in bestimmten Fällen aufzulösen. "Wer einmal erlebt hat, wie mühsam es ist, einen offensichtlich unwilligen und unfähigen Lehrling zu kündigen, der noch dazu qualifizierteren Kandidaten den Platz wegnimmt, der tut sich das kein zweitesmal mehr an", stellte Achleitner fest. Dies habe nichts mit "hire and fire" zu tun, sondern mit dem enorm hohen Prozeßrisiko, daß für die Unternehmen damit verbunden ist. Unzählige Fälle beweisen, daß die Gerichte auch bei Vorfällen, bei denen der "gesunde Menschenverstand" annehmen würde, daß ein Anlaß zur Auflösung des Lehrverhältnisses besteht, nicht in diese Richtung entscheiden. Achleitner forderte in diesem Zusammenhang neue Regelungen, die den Betrieben das hohe Prozeßrisiko abnehmen.

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