Industriekonjunktur verläuft noch nicht "störungsfrei"

Vor allem die Bauindustrie stagniert auf niedrigem Niveau Zahl der Beschäftigten hat sich weiter verringert

Wien (PWK) - "Eine störungsfreie Aufwärtsbewegung der Industriekonjunktur ist nicht in Sicht", stellte Dkfm. Joachim Lamel, Syndikus der Bundessektion Industrie der Wirtschaftskammer Österreich, anläßlich der Präsentation der Industriekonjunkturdaten des ****

2. Quartal 97, im Rahmen einer Pressekonferenz in Wien fest.

Von 21 Fachverbänden melden nach wie vor acht Fachverbände eine stagnierende, elf eine steigende und zwei eine sinkende Produktionsentwicklung. Vor allem die Bauindustrie stagniert auf niedrigem Niveau. Positiv ist, daß sich die Zahl der Fachverbände erhöht hat, die eine verbesserte Auftragslage melden. Die Entwicklung der Beschäftigung hat sich allerdings weiterhin deutlich verschlechtert.

Das Handelsbilanzdefizit vergrößert sich im ersten Halbjahr um 3 Mrd. Schilling auf 40,5 Mrd. Der Überschuß der Dienstleistungsbilanz ist aber immer weniger in der Lage, das Handelsbilanzdefizit zu reduzieren. Strukturelle Schwächen sind noch lange nicht bereinigt. Wechselkursschwankungen können nicht als strukturell erfolgreiche Maßnahmen hingestellt werden, sondern entziehen sich jedem Einfluß. Die Abwertung des Schillings hat erst das Niveau von Ende 1993 erreicht, der Aufwertungsschub der Jahre 92/93 konnte noch nicht egalisiert werden. Die Kehrseite der Abwertung ist die Verteuerung der im Ausland gekauften Rohstoffe, da diese meist in Dollar fakturiert werden. Der Druck auf die Preise wird zunehmen. Die Industrie hat 1996 intensiv zur Preisstabilität beigetragen. Die Preisentwicklung industrieller-gewerblicher Waren lag 1996 bei -0,1 Prozent.

Die Investitionslust ist gegenüber 96 wieder gesunken. Derzeit wird gerade das Niveau von 1991 erreicht. Es werden nur die notwendigsten Investitionen getätigt. Auch daran werden Zweifel an der Nachhaltigkeit eines Aufschwunges sichtbar: Entweder wird erwartet, daß neue Anlagen nicht ausgenutzt werden oder Investitionen rechnen sich nicht, da das Kostengefüge in Österreich zu hoch ist. Die Ankündigung einer Erhöhung der Lohnnebenkosten ist in Zeiten wie diesen sicherlich ein falsches Signal. Denn die österreichischen Arbeitskosten gehören bereits zu den höchsten in Europa. Produktivitätsfortschritte dienen nur der Absicherung der Konkurrenzfähigkeit. Erst wenn diese nachhaltig verbessert wird, können die so dringend benötigten Marktanteilsgewinne erzielt werden, die die Zukunft der Unternehmen und damit Arbeitsplätze sichern.

Betrachtet man die Entwicklung der Industriekonjunktur in Europa, so ist eine kräftigere Festigung des konjunkturellen Aufschwunges zu verzeichnen als in Österreich. Es wird erwartet, daß sich dieser Trend fortsetzt. Österreich fällt nach wie vor in der Rangordnung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit zurück. Ein BIP Wachstum 1996 von 0,7 Prozent zeigt die schlechte Position der österreichischen Volkswirtschaft im internationalen Wettbewerbsvergleich (EU 1,5 Prozent, USA 2,1 Prozent).

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Syndikus Dkfm. Joachim Lamel
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