Seibersdorf entwickelt elektrochemisches Metall-Recyclingverfahren: NEUES RECYCLINGVERFAHREN GEWINNT REINES WOLFRAM! Hohe technologiepolitische Bedeutung für "Wolfram-Standort" Österreich

Wien (OTS) - Das Österreichische Forschungszentrum Seibersdorf hat ein Schrott-Recyclingverfahren entwickelt und zum Patent angemeldet, bei dem Wolfram zur Wiederverwendung aufbereitet wird und so ein wertvolles Metall in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführt wird. Man trägt damit zur Schonung von Ressourcen bei und spart Energie und Chemikalien ein.

Mit der Wolfram Bergbau- und Hütten GmbH Nfg. KG wurde ein potenter Industriepartner gewonnen. Im Rahmen eines durch den FFF geförderten Projekts wird die Errichtung und der Probebtrieb einer Pilotanlage bearbeitet. Nach erfolgreicher Abwicklung soll eine modulare Erweiterung zu einer Produktionsanlage erfolgen, die die gesamten in Österreich anfallenden Rückstände verarbeiten kann. Bei Vorliegen von sortenreinem Schrott wird Ammoniumwolframatlösung hoher Reinheit erhalten. Diese kann an kostengünstigerer Stelle in den komplexen Wolframraffinationsprozeß der Hütte eingeschleust werden.

Da Österreich ein Wolframproduzent (Lagerstätten, Bergbau, Primär-und Sekundärverhüttung, besonderes Know-how bei der Herstellung von wolframhältigen Produkten) ist, besitzt dieses Verfahren besondere technologiepolitische Bedeutung, und es werden die Produktionsbetriebe von einem Entsorgungsproblem entlastet sowie der Know-how-Vorsprung gesichert. Durch die Sekundärverhüttung von Abfällen wird eine zweite Quelle für den wirtschaftlich bedeutenden Rohstoff Wolfram erschlossen, der unabhängig von den Schwankungen der Weltmarktpreise ist. Mittelfristig ist eine Ausweitung des Verfahrens zum Recycling anderer Metalle geplant.

Für das Recycling von Metallen sind prinzipiell zwei Wege möglich:
hydrometallurgisch, d. h. die Trenn- und Reinigungsschritte werden in wäßriger Lösung durchgeführt, und pyrometallurgisch bei hohen Temperaturen in der Metallschmelze. Der hydrometallurgische Weg wird oft wegen der niedrigen Prozeßtemperaturen und der erzielbaren hohen Reinheit bevorzugt.

Im Falle von Metallschrotten ist zunächst ein oxidativer Löseschritt notwendig. Oxidative Prozesse erfordern aggressive Chemikalien (starke Säuren, Oxidationsmittel, Salzschmelzen) und bisweilen höhere Temperaturen. In der Folge ist oft mit gasförmigen, Mensch und Umwelt schädigenden Emissionen (Stickoxide, Chlor usw.) zu rechnen, die durch aufwendige Abgasreinigungsanlagen reduziert werden müssen. Demgegenüber verwenden elektrochemische Prozesse Strom als "Reagens" mit nahezu beliebiger Oxidationskraft. Der benötigte Gleichstrom niedriger Spannung wäre prädestiniert, umweltfreundlich durch Solar- oder Brennstoffzellen hergestellt zu werden.

Eine elektrochemische Verfahrensentwicklung wird hier am Beispiel der Refraktärmetalle skizziert. Bei der Herstellung von Halbzeug und Formteilen aus Legierungen oder Pseudolegierungen der Refraktärmetalle (Wolfram, Molybdän, Rhenium, dotiert mit Oxiden von z. B. Thorium oder Cer), die zur Lichterzeugung, für Röntgenröhren, Schweißelektroden u. a. verwendet werden, fällt Abfall in Form von stückigem Schrott sowie Schleifstaub an. Im Falle von Thoriumoxid-dotiertem Wolfram wird der Schrott als radioaktiver Abfall klassifiziert. Da Wolfram ein kostbares Metall und die Entsorgung von radioaktivem Abfall teuer ist, wobei das Thoriumoxid nur einen geringen Teil der Gesamtmasse (1 - 2 Gew.-%) darstellt, ist eine Aufarbeitung geboten. Ziel des Aufarbeitungsverfahrens ist es, den Werkstoff Wolfram in den Wirtschaftskreislauf zurückzuführen und das Thoriumoxid so konzentriert wie möglich als Abfall zu entsorgen. Gleichzeitig wird durch dieses neue Verfahren der thoriumhältige (radioaktive) Anodenschlamm durch Zementverfestigung in endlagerfähige Form gebracht. Dadurch wird kostbarer Raum in Zwischen- bzw. Endlagern für radioaktive Abfälle gespart.

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Dipl.Ing. Dr. Andreas Vesely

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