Schausberger: Kritik an Festspielen

Der LH in News: "Brauchen leichte Kost für zahlungskräftige Freunde der klassischen Festspiele" - Mortiers Antwort - Wittmann und Rudas für Mortier

Wien (OTS) - Ungewöhnliche Kritik des Salzburger Landeshauptmanns Schausberger an den Salzburger Festspielen in der morgen (Mittwoch) erscheinenden News-Ausgabe: Der Landeshauptmann beanstandet Klassiker, die "in sehr moderner und zeitgenössischer Weise inszeniert" werden.

Schausberger zu News: "Ich stehe als Landeshauptmann und Mitglied des Kuratoriums hinter dem Direktorium, wobei ich allerdings immer wieder Korrekturen versuche. Es ist keine Frage, daß die zeitgenössische Oper ihren Platz haben muß. Aber man muß auch auf die wirtschaftliche Situation Rücksicht nehmen. Das heißt: Wir müssen dem zahlungskräftigen Publikum entgegenkommen. Klassiker werden jetzt in sehr moderner und zeitgenössischer Weise inszeniert. Und es ist nur sehr wenig dabei für einen, der leichtere Kost will. Ich denke vor allem an die 'Entführung'. Mir hat alles sehr gut gefallen, aber ich muß auch die Argumente der Leute weitergeben, die sagen: "Ich habe eintausend Schilling hingelegt und will mich bei einer Mozart-Oper entspannen und nicht immer mit den Problemen der Gegenwart konfrontiert werden.' Wir bieten nur mehr sehr wenig für Freunde der klassischen Festspiele. Und die sind die eher Zahlungskräftigen. Ich werde das in einer Klausur nach den Festspielen einbringen."

Mortier antwortet im News-Interview: "Ich denke, das Kuratorium muß sich darauf beschränken, daß die Finanzen in Ordnung sind und das künstlerische Niveau gehalten wird. Wir werden uns auf meinen Vorschlag hin nach den Festpielen zusammensetzen, um über meine Pläne bis 2001 zu reden. Selbstverständlich höre ich gern zu. Aber ich denke, der künstlerische Leiter wird engagiert, um über das Künstlerische zu entscheiden. Sonst könnten ja Bundeskanzler und Landeshauptmann das Programm machen."

Für Mortier erklären sich im Zusammenhang mit Zeitungsattacken via News-Statements namhafte SP-Politiker. Staatssekretär Wittmann:
"Mortiers Weg ist der richtige für den Umgang mit der Oper im dritten Jahrtausend." - Und SP-Geschäftsführer Rudas: "Mortier ist ein unprovinzieller Weltfachmann der Kunst. Was ihm vorgeworfen wird, sind Gefallensfragen, die nicht dauernd zur Abgangsdiskussion führen dürfen."

Mortier, der im News-Interview auch zu den Wiener Presse-Attacken ("Je besser es uns geht, mit desto dümmeren Argumenten werden wir attackiert") und zur Staatsoper ("Wir bringen neun Opernpremieren heraus und haben Arbeitstage von 18 Stunden, beides erreicht der Kollege von der Staatsoper sicher nicht, wir spielen auch in 5 Wochen soviel ein wie er in einem Jahr") Stellung nimmt: "Über eine Verlängerung nach 2001 mache ich mir keine Gedanken. Ich habe auch keine Ambition, mich irgendjemandem aufzudrängen."

Schausberger zum Thema: "Darüber ist jetzt nicht zu diskutieren. Wir sehen uns die Entwicklung an. Ich selber habe mich an die 10 Jahre immer gehalten. Das ist aber eine politische, keine künstlerische Kategorie."

Für das nächste Jahr kündigt Mortier den Festspiel-Beginn am 24. statt am 19. Juli und eine Verringerung der Kartenanzahl an: "Aber auf keinen Fall unter 200.000, das würde die Öffnung der Festspiele gefährden."

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