Österreich: Gifte - Kinder finden sie überall Wien (ÖRK) - "Mein Sohn hat vier Tollkirschen gegessen. Er ist drei Jahre alt und wiegt 15 Kilogramm. Die Pupillen sind

erweitert, der Mund ist trocken. Die Haut ist gerötet und er hat Herzrasen. Meine Telefonnummer ist ..." Ein Anruf dieser Art in
der Vergiftungsinformationszentrale in Wien (Tel. 01/406 43 43)
kann das Ergebnis ungebremsten Forschereifers von Kindern sein.
Dies gilt aber nicht nur für die Tollkirsche mit ihren schwarz glänzenden Beeren oder bunten Pflanzen im Garten oder der freien Natur.

"Kinder erreichen häufig Orte, an denen man Medikamente, Haushaltsmittel oder Chemikalien sicher verwahrt glaubt", sagt Dr. Heinz Peter Slatin, Chefarzt des Österreichischen Roten Kreuzes. "Es ist daher notwendig, sie frühzeitig über die Gefahren solcher Produkte zu informieren. Eltern sollten ständig überprüfen, ob sie Ihr Kind davon fernhalten können." Giftige Substanzen sind außerhalb der Reichweite von Kindern aufzubewahren, "und nie neben Lebensmitteln oder in Limonaden- oder Bierflaschen", so Slatin. "Wenn Sie damit arbeiten, lassen Sie Ihr Kind nicht ohne Aufsicht. Arzneimittel gehören in eine versperrbare Hausapotheke."

Ist es aber doch einmal geschehen, sollte vor allem Ruhe bewahrt werden. Vergiftungen sind zu erkennen an Bewußtseinsstörungen, Erregungs- oder Rauschzuständen, Pupillen- oder Hautveränderungen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Atem- und Kreislaufstörungen.

"Ist der Vergiftete bei Bewußtsein und das Gift bekannt, rufen Sie die Vergiftungszentrale an und folgen Sie den Anordnungen. Führen Sie eine Schockbekämpfung durch, rufen Sie die Rettung und stellen Sie Giftreste sicher", empfiehlt Slatin. "Ist der Vergiftete aber ohne Bewußtsein, achten Sie auf Atmung und Kreislauf. Beatmung und Herzmassage können notwendig werden. Rufen Sie die Rettung und geben Sie sichergestellte Giftreste mit."

Slatin warnt besonders vor dem Versuch, Vergiftete zum Erbrechen
zu bringen: "Dies sollte nur ein Arzt mit einem speziellen Medikament tun. Salzwasser kann fatale Folgen haben. Milch ist als Gegengift ungeeignet, weil sie oft die Giftaufnahme durch den Darm beschleunigt. Zur Verdünnung kann Wasser, Tee oder Saft in kleinen Mengen getrunken werden."

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4.8.1997

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