öllinger: gemäßigte kleinschreibung statt pseudo-reform

sprachgestaltung darf nicht bürokraten überlassen werden

"nicht alle gegner der rechtschreibreform fürchten sich vor veränderung! wir protestieren, weil uns diese reform nicht weit genug geht und weit hinter der entwicklung von sprache und schrift zurückbleibt", erklärt der grüne bildungssprecher, abg. karl öllinger, und plädiert erneut für die einführung der gemäßigten kleinschreibung. öllinger erinnert in diesem zusammenhang daran, daß die experten, die zehn jahre über die rechtschreibreform beraten haben, ursprünglich auch für die gemäßigte kleinschreibung eingetreten seien. "eine solche reform hätte, im gegensatz zum derzeit geplanten reförmchen, das keiner haben will, auch die unterstützung der bevölkerung, da sie eine echte erleichterung darstellen würde", so öllinger. außerdem wäre der unterschied zur derzeitigen rechtschreibung groß genug, um keine unnötigen verwirrungen bei umlernen aufkommen zu lassen.

"wer sich heute die sprachlehrbücher der volksschulen ansieht,
wird bemerken, daß rund die hälfte aller übungen die groß-klein-schreibung einüben sollen. zeit und mühe, die auch nach der pseudo-reform noch für den großkleinschreib-drill verwendet werden würde, wären sinnvoller eingesetzt, wenn sie zum ausbau des sprachlichen ausdrucks verwendet werden würden", argumentiert öllinger.

"die chancen für den fall der reform stehen nach dem massiven widerstand der bevölkerung gut", so öllinger. im zeitalter des computers müsse die deutsche schriftsprache radikal vereinfacht werden, um gegen das dominierende englisch weiter bestehen zu können. unterrichtsministerin gehrer soll sich daher rasch mit ihren deutschsprachigen kollegen zusammenzusetzen, um eine
einigung zu erreichen, die der nächsten epoche ihr gepräge gibt. "vielleicht haben die einstigen gegner der gemäßigten kleinschreibung angesichts der massiven proteste begriffen, daß
die rechtschreibung nicht gegen den widerstand der bevölkerung verändert werden kann", schließt öllinger.

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