Bundesdenkmalamt gegen Semmeringbahn?

Wien (OTS) - Mit Bestürzung mußten die "Vereinigten Bürgerinitiativen Schwarzatal - Region Semmering" (VBI) die Aussendung des Bundesdenkmalamtes zur Kenntnis nehmen, in der sich die Denkmalschützer für den Semmering-Basistunnel als "Alternative zur Erhaltung der Semmeringbahn" aussprechen.

Bekanntlich hat die Republik Österreich auf Initiative der natur-und Umweltschutzorganisation "Alliance for nature" die Semmeringbahn als potentielle Welterbestätte für die Aufnahme in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes nominiert. Bereits im Januar 1993, also zwei Monate vor dem Beitritt Österreichs zur Welterbe-Konvention im März 1993, hat die "Alliance for Nature" den Ländern Niederösterreich und Steiermark den Vorschlag unterbreitet, die einzigartige Gebirgsbahn mit ihren 16 Tunnels und 16 Viadukten als UNESCO-Welterbestätte zu nominieren. Beide Länder griffen den Vorschlag der "Alliance for Nature" auf und leiteten ihn weiter an das zuständige Unterrichtsministerium.

Auch das Bundesdenkmalamt unterstützte die Nominierung, und zwar mit der Begründung, daß "es sich hier um ein Technisches Denkmal von Weltrang handelt, dessen besondere Attraktivität darin besteht, daß der Vollbahnverkehr auf dieser Strecke noch abgewickelt wird."

Basistunnel gefährdet Semmeringbahn

Umso unverständlicher ist nun die Haltung des Bundesdenkmalamtes pro Semmering-Basistunnel, muß doch den Denkmalschützern bewußt sein, daß mit Realisierung des Basistunnels der Fortbestand der Semmeringbahn gefährdet ist. Denn weder der Bund noch das Land Niederösterreich werden sich den Betrieb und die Instandhaltung von zwei unmittelbar parallel führenden Bahnlinien finanziell nicht leisten können. Dies bedeutet, daß die weltberühmte Gebirgsbahn über kurz oder lang eingestellt wird.

Außerdem müßte dem Bundesdenkmalamt doch bekannt sein, daß die Semmeringbahn bei weitem nicht an ihre Grenzen geraten ist. Dies hat auch die jüngste Studie von Herrn Univ.-Prof. Friedrich Zibuschka eindeutig in Verfolgung bzw. Überprüfung der Annahmen der PROGNOS-Studie bewiesen. Im übrigen wurde doch bereits vor einigen Jahrzehnten das fünffache Gütervolumen über die Semmeringbahn geführt.

Semmeringbahn seit Jahren unter Denkmalschutz

Schließlich muß festgestellt werden, daß die Semmeringbahn bereits seit Jahren ex lege unter Denkmalschutz steht. Daß erst jetzt ein diesbezüglicher Bescheid ausgestellt wurde, ist reine Formsache.

Wenn das Bundesdenkmalamt den Denkmalschutz der Semmeringbahn ernst nehmen will, so muß es sich eindeutig gegen den Semmering-Basistunnel aussprechen. Denn sonst erweckt es den Anschein, daß sich das Bundesdenkmalamt vor den Karren der Tunnel-Betreiber spannen läßt und die Bemühungen für die Erklärung der Semmeringbahn zur UNESCO-Welterbestätte boykottiert.

Resumee:

Wie das Bundesdenkmalamt bereits richtigerweise festgestellt hat, würde eine Sanierung der restlichen Viadukte im Sinne der baulichen Maßnahmen - wie am Steinhauser-Viadukt durchgeführt - eine durchaus praktikable Alternative darstellen. Es erhebt sich daher die Frage, wozu dann der Basistunnel als "Alternative" notwendig sein sollte. Wir können nicht glauben, daß das Bundesdenkmalamt eine Lösung anstrebt, die a la longue nicht zur Erhaltung, sondern zum Verfall der Semmeringbahn beitragen würde.

Vereinigte Bürgerintiativen Schwarzatal - Reg. Semmering

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Dkfm. Franz Fally
Sprecher der VBI
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