Handel zeigt sich mit Nahversorgeroffensive zufrieden

Lemler: Handlungsbedarf bei Lehrlingen und Ladendiebstahl Projekt "Multifunktionaler Nahversorger" startet im Herbst

Wien (PWK) - Eine positive Zwischenbilanz der
Nahversorgeroffensive zog Erich Lemler, Obmann der Bundessektion Handel in der Wirtschaftskammer Österreich, im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Wirtschaftsminister Hannes Farnleitner. Als Ausgleich für die verlängerten Ladenöffnungszeiten war bereits Ende 1996 ein Maßnahmenpaket für die hauptsächlich betroffenen kleinen Nahversorger vereinbart worden. "Ein halbes Jahr danach zeigt sich, daß wir bei der Umsetzung zum Teil beachtlich weit gekommen sind. Vor allem die Novellen in der Gewerbeordnung und dem Anlagenrecht sind Meilensteine für den Handel", so Lemler. ****

Lemler appellierte an alle Bundesländer, in ihren Raumordnungen jetzt das umzusetzen, was der Bund in Bezug auf Einkaufszentren auf der grünen Wiese und die Sicherung der Nahversorgung vorgegeben hat. Weiteren Handlungsbedarf gäbe es in Zukunft, so der Obmann, vor allem im Bereich der Lehrlingsausbildung ("Hier muß es zu einer bürokratischen und finanziellen Entlastung der Betriebe kommen. Die Belastungen durch das Kinder- und Jugendbeschäftigungsgesetz, was den Lehrlingseinsatz am Montag betrifft, sind für den Handel unannehmbar"), beim Verbot eines Verkaufs unter dem Einstandspreis und bei den Ladendiebstählen. Lemler: "Ladendiebstahl darf kein Kavaliersdelikt sein."

Als tragende Säulen zur Sicherung der Nahversorgung nannte Wirtschaftsminister Hannes Farnleitner: "Keine Förderung kann einen kaufenden Konsumenten ersetzen. Wer einen Nahversorger in seinem Umfeld haben will, muß bei ihm einkaufen." Auch Farnleitner appellierte an die Länder und Gemeinden, jetzt endlich die verbesserten Möglichkeiten des Ladenöffnungsgesetzes und der Gewerbeordnung in die Tat umzusetzen. Zugleich kündigte er gemeinsam mit Lemler an, eine Art Übernehmer-Börse für Betriebsübernahmen, vor allem im Bereich des Handels, zu forcieren: "Es gibt zu viele Unternehmen - dies gilt für alle Branchen - ohne Zukunftsperspektiven, weil keine Übernehmer des Betriebs da sind. Unser Bestreben muß es sein, Nachfolger und Betriebe zusammenzubringen." Kritisch äußerte sich der Minister über die mangelnde Infrastruktur in den Ballungsräumen: "Während viele Einkaufszentren riesige Gratis-Parkplätze bieten, führen die erschwerten Verkehrsbedingungen und teuren Parkräume in den Zentren immer mehr zur Verödung der Ortskerne." Was die Beschränkung des Baus neuer Einkaufszentren am Ortsrand im Anlagenrecht der Gewerbeordnung betrifft, kündigte der Minister eine entsprechende Verordnung an.

Farnleitner verwies bei seiner Erfolgsbilanz auch auf die eingeschränkten Importmöglichkeiten von Tabakwaren im Zuge der Budgeterstellung: "Ich freue mich, daß das gelungen ist. Das war eine der besten Nahversorgungsaktionen in den letzten Jahren." Er sagte weiters zu, daß ein Verbot des Verkaufs unter dem Einstandspreis noch im Herbst im Kartellrecht geregelt werden solle. Was fixe Ausverkaufszeiten betrifft zeigte er sich skeptisch, aber gesprächsbereit. Er verwies auf die Ablehnung einer entsprechenden Regelung durch die Arbeitnehmervertreter. Eine Mehrheit im Parlament werde man nur mit guten Argumenten finden. Lemler dagegen befürwortete eindeutig die Schaffung einer neuen Ausverkaufsregelung, da die "Preisschleuderei für viele Betriebe ruinös ist".

Der Leiter des WIFI Österreich, Stefan Hlawacek, und Helmut Dorn, Direktor der BÜRGES-Förderungsbank, präsentierten anschließend das Pilotprojekt "multifunktionaler Nahversorger". Das Konzept, das in Anlehnung an den deutschen Modellversuch "Nachbarschaftsladen 2000" in Kooperation zwischen Wirtschaftsministerium und WKÖ erstellt wurde, soll den Unternehmen ermöglichen, durch die Bündelung von Aktivitäten (wie Hauszustellung, Putzereidienste etc.) eine lebensfähige Umsatzgröße zu erreichen. "Ziel der Aktion ist es, den Unternehmern neue Perspektiven aufzuzeigen und durch Multifunktionalität eine hohe Kunden-Frequenz in die Geschäfte zu bringen", betonte Hlawacek und wies darauf hin, daß vom WIFI in den letzten Jahren ca. 8.000 Betriebsberatungen durchgeführt wurden. Die dramatische Entwicklung im Bereich der Nahversorgung dokumentierte Hlawacek mit dem Rückgang der Lebensmittel-Outlets in den letzten Jahrzehnten: "1972 gab es in Österreich noch 20.000 Lebensmittel-Outlets, 1992 waren es nur mehr 9.000 und 2002 werden es weniger als 2.000 sein. Bereits heute gibt es bundesweit 200 Gemeinden ohne eigenen Lebensmittelhändler."

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