Flugverkehr trägt die gesamten Wegekosten

Fachverband zur möglichen Besteuerung von Flugtreibstoffen - Schadstoffausstoß pro Passagier dem der Bahn vergleichbar

Wien (PWK) - Während Straße und Schiene die Infrastrukturkosten nur zu 50 bzw. 75 Prozent abdecken, trägt der Flugverkehr die gesamten Wegekosten (durch Streckengebühren, Landetarife, etc) selbst. Die bereits jetzt bestehende Wettbewerbsverzerrung zugunsten dieser Verkehrsträger würde sich weiter vergrößern, nimmt der Fachverband der Luftfahrtunternehmen in der Wirtschaftskammer Österreich zur Diskussion über eine mögliche Besteuerung von Flugtreibstoffen Stellung. Allein durch die Privatisierung des Bundesamtes für Zivilluftfahrt und die Einführung von An- und Abfluggebüren entstehen beispielsweise für den größten österreichischen Carrier Mehrkosten von rund 100 Millionen Schilling im Jahr. ****

Die Luftfahrt verweist auf den effizienten Treibstoffeinsatz bei Flugzeugen. Auf gleicher Strecke und bei typischer Auslastung verbraucht ein PKW ca. 7,5 Liter pro 100 Personenkilometer und eine MD81 ca. 6 Liter. Ein A320 verbraucht hingegen nur 5 Liter. Im Europadurchschnitt ist der Schadstoffausstoß pro Passagier dem der Bahn vergleichbar. Insgesamt ist der Anteil der Luftfahrt an den Gesamtemissionen in Österreich sehr gering: HC 1,1 Prozent, CO 0,2 Prozent, NOx 1,8 Prozent. "Wie diese Zahlen zeigen, ist die Beeinträchtigung der Umwelt durch die Luftfahrt relativ gering", erklärt dazu der Vorsteher des Fachverbandes, Dr. Gerhard Kastelic.

Da bei kürzeren Entfernungen vor allem das Auto als Alternative zum Flugzeug dient, würde eine Verteuerung der Flüge mehr Straßenverkehr bewirken, was umweltpolitisch bedenklich ist. Die Verbilligung der Tarife durch die Liberalisierung würde teilweise wieder rückgängig gemacht werden.

Während die Fluggesellschaften durch neue Flugzeuge und Triebwerke den Verbrauch drastisch reduzieren, verursachen eine ineffiziente Infrastruktur und Fehler in der Politik einen unnötigen Mehrverbrauch. Millionen Liter Kerosin werden jährlich in Warteschleifen verflogen, was einem Anteil von rund 15 Prozent entspricht. Das von den Fluggesellschaften eingeforderte einheitliche europäische Flugraumüberwachungssystem für den "upper airspace" würde laut McKinsey-Berechnungen jährliche Kostensenkungen von 33,8 Milliarden Schilling (minus 5 Prozent bei jeder Airline) bringen.

Eine Versteuerung des Treibstoffs würde auch zu "Tanktourismus" und damit zu einer unnötig höheren Umweltbelastung führen. Hier ist, so Kastelic, Umweltminister Bartenstein beizupflichten, wonach neben einem einheitlichen Vorgehen der EU-Staaten auch "europäische Drittstaaten (insbesondere benachbarte Drittstaaaten) miteinbezogen werden müssen". Nicht in der EU ansässige Fluglinien würden durch die Einführung der Kerosinsteuer einen weiteren Wettbewerbsvorteil erhalten, was angesichts der schwierigen Lage der Gesellschaften infolge der Liberalisierung nicht hinzunehmen ist.

"Österreichs Politik sollte im Gleichkalng mit der EU handeln und keine Vorreiterrolle übernehmen", betont Fachverbandsvorsteher Kastelic. Internationale Abkommen sehen Steuerfreiheit für Flugtreibstoff vor. Jede Änderung der Luftverkehrsabkommen wäre mit großen Schwierigkeiten verbunden und könnte zu unangenehmen Sanktionsmaßnahmen führen.

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