Sektenhetze fordert erste Opfer in den eigenen Reihen

Wien (OTS) - Seit geraumer Zeit versuchen die Regierungsparteien, allen voran die ÖVP, in einer breitangelegten Politik-Kampagne allen Staatsbürgern einzubläuen, wie gefährlich und bösartig die Sekten doch sind. Plötzlich erfährt die Sektenhetze eine dramatische Wende, gefährdet sie doch eine langjährige Vertrauensbeziehung zwischen zwei Freunden, die einige Jahre miteinander als Bürgermeister (Kiss) und Vize (Sczcepansky) die Geschicke der Gemeinde Oberpullendorf leiteten. Die spannende Frage lautet für Otto Österreicher: Wird sich der Abgeordnete Kiss vom Klubzwang der Polit-Sekte ÖVP in die Knie zwingen lassen und in Zukunft über seinen Freund so denken, wie es ihm die Parteilinie vorgibt oder behält er Zivilcourage und ein kritisches Bewußtsein und steht zu den persönlich gemachten Erfahrungen mit seinem besten Freund? Den Worten des Sicherheitssprechers Kiss zufolge (Kurierbericht vom 20.7.97, Seite 2) sei Herr Sczcepansky wegen seines vorbildlichen Wirkens (Familie, Apotheke, Gemeinderat) im Orte Oberpullendorf eine beliebte Persönlichkeit und verkörpere völlige Integrität?

Die Paradoxie der ganzen Geschichte liegt aber in der Frage: Wie kann ein so leutseliger Mensch mit einem "... so weiten Herzen und positiver Wirkung auf die Gemeinde..." (Kiss im Kurier) gleichzeitig der gefährlichen Sekte (nach Bartenstein) angehören? Offensichtlich sind nicht alle Sektenmitglieder gefährliche Psychomutanten, die hinter verschlossenen Türen Weltverschwörungstheorien aushecken. Der Fall Kiss belegt Schockierendes: Sie sind unter uns. Es sind steuerzahlende Bürger, liebende Familienväter "wie du und ich" und manchmal sogar beliebte Lokalpolitiker. Aber vermutlich liegt genau darin ihre Gefährlichkeit, denn sie haben Rückgrat und stehen trotz der gegenteiligen öffentlichen Meinung zu ihrer Überzeugung. Diese Gretchenfrage - wie so zahlreiche integere Persönlichkeiten dem Lager einer scheinbar destruktiven Sekte entwachsen können - stellt aber keiner aus der Sektenhetzer-Szene. Es entspricht nicht ihrer Absicht, ehrlich und objektiv über "religiöse Minderheiten" zu berichten, sondern es geht ihnen darum, mit allen Mitteln (von Halbwahrheiten bis zu Lügen, von Diffamierung bis zu Betrug) die "bösen Sekten zu brandmarken" (wie es Herr A. Kohl in inquisitorischer Manier beschreibt). Die Fälle Schüssel, Rausch- und Lauschangriff, Kurdengate, Irangate, Praschak und unzählige Vorkommnisse im politischen Alltag, zeugen von der macchiavellischen Politik(un)kultur unserer Staatsvertreter, worin Lügen und destruktive Manipulation feste Bestandteile des politischen Handelns darstellen. Sollte es im Falle der Sekten anders sein?

Aber wie fatal sich ein altes Sprichwort bewahrheiten kann, zeigt nun dieser Fall Kiss: "Wenn plötzlich Spitzenfunktionäre der ÖVP gar in jene Grube stolpern, die die eigene Partei zuvor für andere ausgehoben hat." So sollen ja der Sicherheitssprecher Kiss und der "Parteigeneral" Rauch-Kallat durch dieses freundschaftliche Naheverhältnis zu A. Sczcepansky bereits staatsgefährdend indoktriniert sein. Sofort sehen "Polithyänen" aus der eigenen sowie aus anderen Parteien eine Chance politisch zu punkten, und der Aufschrei zum Rücktritt der beiden erfolgt prompt. Aber die Hoffnung vieler Österreicher, doch wenigstens in der Person Kiss einen Politiker mit Rückgrat vorzufinden, der eine eigene Meinung besitzt und auch die Kraft hat, zu dieser länger als eine Woche zu stehen, zerstreuen sich angesichts der Meldung vom Standard vom 22.7.97, auf Seite 6: "Kiss wieder auf 'Sektenlinie' der ÖVP."

Vielleicht sollten in Zukunft doch mehr Sektenmitglieder, wie der beliebte Lokalpolitker A.S., die obere Führungsebene des Staates bekleiden, denn laut Aussagen vieler Sektenexperten sind sie bestens geschult, verfügen über ein beängstigendes sicheres Auftreten, sind sogar noch lieb und nett und fallen obendrein in ihrer Überzeugung nicht gleich um. Oder unseren heimischen Politikern würde eine Persönlichkeitsschulung in einer "Sekte" zur eigenen Meinungsstabilisierung gut tun. Vielleicht könnte dadurch der Imageverlust der österreichischen Regierung vor der internationalen Staatengemeinde wieder ausgebügelt werden.

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Mag. Harald Janisch
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