Vorausmeldung zu News Nr. 28/97

Mortier im News-Interview: Koproduktionen mit "Burg" unter Bachler, Peymann als Regisseur in Salzburg Scharfe Attacken gegen Holender, Lob für Bachler und Rysanek, Friedensangebote an Philharmoniker und Stein

Wien (OTS) - Die Salzburger Festspiele werden ab 1999 mit dem Burgtheater unter Klaus Bachler koproduzieren. Das kündigt Salzburgs Festspiel-Intendant Gerard Mortier in einem ausführlichen Interview für die morgen erscheinende Ausgabe des Magazins News an.

Als einer der Theaterregisseure soll, so Mortier zu News, Claus Peymann gewonnen werden. Mortier wünscht sich von ihm auch eine Opernregie. "Das will er leider nicht, aber ich hoffe noch. Leider bin ich im Umgang mit ihm so schüchtern wie ein Schulknabe."

Besonderes Lob spendet Mortier via News dem designierten "Burg"-Chef Klaus Bachler. "Ich schätze ihn sehr. Es ist ja typisch:
Eben noch haben alle für ihn geschwärmt, aber kaum hat er die Position, beginnt das Sägen. Es ist auch typisch, daß sich die Giftschlange Prawy gegen ihn wendet. Der soll sich aus der Öffentlichkeit zurückziehen." Mortier weiter zu News: "Für die Volksoper kann ich nur hoffen, daß Bachlers Politik weitergeführt wird. Die Volksoper muß das Gegenstück zum völlig kulinarischen Weg der Staatsoper sein. Nur dann kann man die Wiener Opernkultur ertragen."

Holender praktiziere "Kulturpolitik über den Tennisball" und sei damit vielen Politikern gefällig. "Viele Politiker haben Angst vor dem eckigen, sie wollen das Glatte, dessen Hauptkennzeichen es ist, daß es nicht stört. So wie es Holender in der Staatsoper praktiziert. In dekadenten Überflußgesellschaften besteht immer die Gefahr, daß man zur Ästhetik der Römer zurückkehrt: Zu Brot und Spielen."

Er selbst, so Mortier zu News, fühle sich nach Scholtens, Pasterks und Peymanns Abgang "oft wie der letzte Mohikaner."

Hohes Lob spendet er der vorgeschlagenen Präsidentin der Wiener Festwochen, Leonie Rysanek: "Ich verehre sie. Wenn ihre Aufgabe ist, durch ihre phänomenale Persönlichkeit sehr viel Geld herbeizuschaffen, ist sie genau die Richtige."

Mit der neuen Führung der Philharmoniker hat er "ein ausgezeichnetes Gespräch geführt. Man spürt den beiderseitigen Versuch, diesen Sommer ohne Konflikt zu überstehen."

Mortier in News zum scheidenden Schauspieldirektor Peter Stein:
"Er ist böse auf mich, und menschlich gesehen kann ich ihn verstehen. Er hat für die Aufwertung des Schauspiels unendlich viel getan, und er kann über mich schimpfen, soviel er will, ich werde ihn immer bewundern, auch wenn ich menschlich nicht immer glücklich war. Es war für mich klar, daß jetzt die Erneuerung kommen muß. Ob die Stein hätte durchfürhen wollen, weiß ich nicht. Allerdings war bis vor zwei Jahren klar, daß er gar nicht bleiben wollte. Das hat sich aus mir nun bekannten Gründen plötzlich geändert."

Der neue Schauspielchef Ivan Nagel bringe nun die nächste Generation - Marthaler, Sellars, Bachmann. Luc Bondy verkörpere bei den Festwochen die Ästhetik der Berliner Schaubühne. "Zwischen den beiden Städten wird ein positiver Theaterwettstreit stattfinden, der im Opernbereich fehlt."

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