Greenpeace: Breite Ablehnungsfront gegen Patentierung von Leben

Kirche, Umwelt-, Ärzte-, Verbraucher- und Agrarorganisationen fordern EU-Parlamentarier auf, Patente auf Leben abzulehnen

Wien/Hamburg (OTS) - Nachdem sich gestern der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz, Johann Weber, im Namen der Kirche "gegen Patentierung von gentechnisch verändertem Leben" ausgesprochen hat, forderten heute in Deutschland mehr als 50 Ärzte-, Verbraucher-, Agrar- und Umweltorganisationen in einer gemeinsamen Erklärung die EU-Parlamentarier auf, die beabsichtigte Patentierung von genmanipulierten Organismen abzulehnen.

Anlass ist die zur Zeit in Abstimmung befindliche neue Richtlinie "Rechtlicher Schutz biotechnologischer Erfindungen", über die das Europaparlament in erster Lesung vom 14.-18. Juli entscheiden soll. In persönlichen Schreiben hat Greenpeace Österreich an alle Österreichischen EU-Parlamentarier appelliert, die Richtlinie abzulehnen.

Die Gentechnikindustrie will sich mit der neuen Richtlinie genmanipulierte Tier- und Pflanzenarten patentrechtlich sichern lassen. Bisher sind in Europa Organismen und menschliche Zellen von der Patentierung ausgeschlossen. Der Präsident der deutschen Bundesärztekammer Dr. Karsten Vilmar erklärte gegenüber Greenpeace Deutschland dazu: "Mit Nachdruck ist darauf zu bestehen, dass der Mensch, oder Teile des Menschen, nicht patentierbar sind. Neue Erkenntnisse von natürlichen Gegebenheiten sind Entdeckungen, aber niemals Erfindungen. Patente können nur auf Erfindungen erteilt werden."

"Das Europaparlament stellt jetzt die entscheidende Weiche. Entweder werden sich die Gentechunternehmen im Goldrausch Patente für alles was lebt, sichern, oder der Schutz von Umwelt und Natur bleibt bestehen," sagte Greenpeace-Sprecher Matthias Schickhofer. "Seit Jahren drängen Gentechunternehmen wie Monsanto, Agrevo und Novartis auf weitreichende Patente für lebende Organismen. Was mit der Krebsmaus und mit Raps und Zuckerrüben begann, soll mit menschlichen Genen weitergehen. In den kommenden Tagen wird klar, ob die Europaparlamentarier die Interessen der Gentechunternehmen oder die der Konsumenten verteidigen."

Das Europaparlament hat bereits 1995 einen ersten Gesetzesentwurf der Europäischen Kommission zur Patentierungsrichtlinie abgelehnt. Erst kürzlich hatte auf Initiative von Greenpeace der Leipziger Kirchentag in einer Resolution die Europaabgeordneten aufgefordert, die Patentierung von Leben nicht zuzulassen.

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