"Jahrhunderthochwasser" ist zum Teil hausgemacht Starker Regen macht Auswirkungen des traditionellen Flußbaus deutlich

Wien (OTS) - Das derzeitige Hochwasser im Osten Österreichs ist natürlich primär eine Folge des Regens. Aber eben nicht nur:
Jahrzehntelang hat man Flüsse begradigt und verbaut, Auwälder abgeholzt und Böden versiegelt. Die großen Mengen Wasser, die das Erdreich nicht mehr aufnehmen kann, suchen sich jetzt neue Wege.

Naturbelassene Flüsse und ihre angrenzenden Auwälder sind natürliche Wasserspeicher. Bei so extremen Regenfällen - wie in den vergangenen Tagen - steigen die Flüsse über die Ufer und überschwemmen die angrenzenden Flächen. Der Boden mit seinem Bewuchs wirkt wie ein Schwamm: Er saugt das Wasser auf und gibt es langsam wieder ab. Durch diesen Effekt verringert sich auch die Wassermenge im Flußbett und schwächt die Flutwelle ab.

"Heute gibt es aber kaum noch intakte Flußsysteme. Von den kleinsten Rinnsalen bis zu den größten Strömen wurden fast alle Gewässer reguliert und verbaut. Zusammen mit der großflächigen Versiegelung der Landschaft führt das zu einem viel schnelleren Anschwellen der Flüsse und viel größerer Hochwasserspitzen", sagt DI Ulrich Eichelmann vom WWF.

Die Fehler der Vergangenheit dürfen nicht wiederholt werden. Eichelmann: "Jetzt noch mehr Flußverbau zu fordern wäre falsch. Das führt in der Folge nur zu noch stärkeren Hochwasserwellen, wie das Beispiel Rhein beweist. Hier tritt das ehemals 200jährige Hochwasser bei Iffetzheim bereits alle 60 Jahre auf."

Der WWF fordert:

In der freien Landschaft muß den Flüssen wieder mehr Raum gegeben werden

Technischer Hochwasserschutz sollte sich auf bestehende Siedlungen beschränken

Wiederaufforstung von Auwäldern als natürliche "Schwämme"
Keine weitere Bebauung in potentiellen Hochwassergebieten

Rückfragen & Kontakt:

WWF Österreich,
DI Ulrich Eichelmann,
Tel.: 01/48817-239

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