40.000 gingen für Schwule und Lesben auf den Ring

Wien (OTS) - Die Regenbogen Parade 97 am 28. Juni wurde zu einem fulminanten Erfolg. Die Polizei schätzt, daß ca. 5.000 Demonstranten mit spektakulären Kostümen und Fahrzeugen für die Gleichstellung von Lesben, Schwulen und Transgender-Personen auf der Wiener Ringstraße eintraten. Dazu gesellten sich ebenfalls nach Polizeischätzungen ca. 35.000 Personen, die sich mit den Zielen der Parade solidarisch erklärten und den bunten Zug von der Börse zum Karlsplatz begleiteten. Trotz des schwülen Badewetters zeigten 40.000 Leute, daß Sie die Anliegen der Lesben, Schwulen und Transgender-Personen unterstützen.

Neben den marschierenden Personen setzte sich der Zug aus 20 Sattelschleppern und LKWs, 7 PKWs, ca. 30 Motorrädern und einem Fiaker zusammen. Bei der Dekoration der einzelnen Fahrzeuge fanden sich auch immer die Regenbogenfarben wieder, die in bunter Weise die Vielfalt einer Minderheit symbolisieren, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung nach wie vor diskriminiert wird. Die teilnehmenden Gruppen griffen eben diese Diskriminierung in unterschiedlicher Weise auf und thematisierten dies auch mit Kostümen. So hatte die HOSI Wien (Homosexuelle Initiative) einen Sattelschlepper mit einer ganzen Hochzeitsgesellschaft, die eine schwule und eine lesbische Hochzeit feierten. Die Aids Hilfe Wien und der Life Ball riefen in Arzt- und Schwesternkostümen zur Hilfe und Selbsthilfe von HIV Positiven und Aids-Kranken auf. Die Vertreter der Grünen, Liberalen und Sozialdemokraten machten mit Regenbogenkostümen, Stelzenläufern, Transparenten, Musik, Flugblättern und Sprüchen auf die politische und rechtliche Schlechterstellung von Lesben, Schwulen und Transgender Personen aufmerksam.

Auch zahlreiche Prominente schlossen sich dem Zug an und wurden bei der Abschlußkundgebung am Karlsplatz interviewt. Hermes Phettberg fuhr im Fiaker in der Parade mit und die Bundesgeschäftsführerin der Grünen, Ulrike Lunacek, radelte als offen deklarierte Lesbe für lesbisch-schwule-transgender Gleichstellung. Am Karlsplatz sprachen PolitikerInnen von der SPÖ (Bundesrätin Irmtraud Karlsson und Gemeinderätin Gerda Themel), LIF (Bundessprecherin Heide Schmidt und Nationalratsabgeordneter Thomas Barmüller) und den Grünen (Bundesgeschäftsführerin Ulrike Lunacek und Stadträtin Friedrun Huemer). Außerdem war international lesbische und schwule Prominenz vertreten: Rebeca Sevilla, ehemalige Generalsekretärin der ILGA, dem internationalen Dachverband aller lesbischen, schwulen und transgender Vereinigungen, und Brenton Kewley, Paradeorganisator des Sydney Gay and Lesbian Mardi Gras, der größten internationalen "Pride-Veranstaltung" mit über 700.000 Besuchern jährlich. Das Rahmenprogramm moderierten Gloria von den Kranken Schwestern und Marion Dimali und zur Unterhaltung trugen Play the Tracks Of, The Rounder Girls, Celia Mara, Janice Perra, Die Sappho Singers Unlimited, Lucy McEvil und Bartolo Musil bei, während der Bürgermeister 500 Meter weiter die Eröffnung des Wiener Klangbogens im Musikverein genoß.

Als erste Demonstration, die "andersrum" - also gegen die übliche Fahrtrichtung - auf der Wiener Ringstraße stattfand, präsentierte sich auch eine neue Art des Demonstrierens. Bunt, schrill, kostümiert, laut und auffällig wurde die Selbstverständlichkeit, die Vielfalt und der Stolz einer Minderheit zur Schau getragen. Nicht verbissene Kampfparolen dominierten den Zug, sondern Sichtbarkeit und Thematisierung der Anliegen zeigten der Öffentlichkeit, in welchen Bereichen 10 % der Bevölkerung immer noch diskriminiert werden. Diese Demonstration war für alle ein Ereignis, bei dem neben klassischen Transparenten die Ziele mit viel Spaß und Musik vorgebracht wurden. All das zur Schaffung eines kooperativen Klimas, in dem dann gemeinsam Probleme gelöst und Gleichstellung herbeigeführt werden können.

Rückfragen & Kontakt:

Verein CSD
Robert Kastl
Tel.: 317 40 31

ORIGINALTEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | LSF/OTS