Rothensteiner legt Euro-Umstellungsplan für Zahlungsverkehr vor

RZB-Generaldirektor als neuer Obmann der Bundeskreditsektion der Wirtschaftskammer Österreich designiert

Wien (PWK) - Der designierte Obmann der Bundeskreditsektion der Wirtschaftskammer Österreich, RZB-Generaldirektor Dr. Walter Rothensteiner, skizzierte am Dienstag in seiner Antrittspressekonferenz die Grundsatzziele seiner künftigen Tätigkeit für die heimische Kreditwirtschaft. ****

Ein wesentliches Thema für die Bundeskreditsektion wird in den kommenden Jahren die erfolgreiche Umstellung auf den Euro sein.

Rothensteiner: "Wir sind ungeachtet mancher Diskussionen bei unseren Vorbereitungen immer davon ausgegangen, daß der Euro plangemäß kommt und daß Österreich daran teilnimmt. Der EU-Gipfel von Amsterdam hat diese Haltung bekräftigt und bestätigt."

Bei der auf Brüsseler Ebene derzeit diskutierten Frage des Beginns der Bargeldausgabe tritt die Bundeskreditsektion als Vertretung der gesamten österreichischen Kreditwirtschaft mit Nachdruck für eine Beibehaltung des geplanten Datums 1.1. 2002 ein. Die Bundeskreditsektion hat schon Anfang 1995 die ,Plattform Wirtschafts-und Währungsunion" aufgebaut, wo sich Arbeitsgruppen mit den rechtlichen Rahmenbedingungen, der Umstellung im Zahlungsverkehr und im Wertpapierbereich befassen. Bereits präsentiert wurde die Analyse mit Vorschlägen zum Umstellungsbedarf im Bereich Kapitalmarkt.

Der künftige Bundessektionsobmann Rothensteiner: "Ich kann heute als weiteren Vorbereitungsschritt auf die Währungsumstellung das soeben fertiggestellte Handbuch zum österreichischen Umstellungsszenario für den Zahlungsverkehr präsentieren. Ziel war es, gemeinsam einen Leitfaden und eine Orientierungshilfe für alle Finanzinstitute und deren Kunden zu erstellen sowie die Basis für einen reibungslosen Übergang auszuarbeiten. Es galt, den Aufwand und die Kosten der Umstellung so gering wie möglich zu halten und durch die Einführung strategischer, zukunftsorientierter Normen und Standards bei Datenformaten, Belegen und Abwicklungsformen den eingeleiteten Innovationsschub zu verstärken. Die Vorbereitungen der österreichischen Kreditwirtschaft laufen jedenfalls auf Hochtouren und liegen präzise im Zeitplan."

- Die Annahme und Abwicklung von Zahlungsaufträgen in Euro und Schilling wird schon während der Übergangsphase möglich sein, d.h. Bankkunden können Euro-Konten ab 1.1.1999 eröffnen, und Überweisungen können in Euro ab 1.1.1999 durchgeführt werden. Eigene Euro-Erlagscheine wurden bereits konzipiert. Der Betrag wird bis zum Empfängerinstitut bzw. Empfänger transportiert, die Verbuchung am Empfängerkonto erfolgt in Schilling oder Euro, je nachdem, ob es sich um ein Schilling- oder Euro-Konto handelt.

- Die Banken stellen damit sicher, daß Kommerz- wie auch Privatkunden von der Umstellung möglichst gering betroffen sind. Sie können - insbesondere Unternehmen - den für ihre Umstellung optimalen Zeitpunkt selber wählen. Kunden können ab 1.1.1999 Konten in Euro neben Konten in Schilling halten. Ebenso können sie ab diesem Zeitpunkt Euro auch zu Lasten ihres Schilling-Kontos überweisen oder auf ihr Schilling-Konto gutschreiben lassen und umgekehrt.

Rothensteiner: "Hauptaufgabe wird es nun sein, daß vor allem die notwendigen Rahmenbedingungen von den zuständigen Ministerien rechtzeitig mit Bedachtnahme auf ausreichende Vorbereitungszeit zur Verfügung stehen. Ich appelliere daher an die Regierung und das Parlament, die notwendigen Vorbereitungen zeitgerecht vorzulegen, um hausgemachte Probleme bei der Umstellung zu vermeiden. Die für den 1.1.1999 notwendigen Regelungen müßten nach unserem Verständnis jedenfalls ein Jahr vorher beschlußreif vorliegen." Angesichts des großen Informationsbedürfnisses tritt die Bundeskreditsektion auch dafür ein, daß diese umfassende Informationsaufgabe von allen Verantwortungsträgern in unserem Land auch tatsächlich wahrgenommen wird. Aus jüngsten Umfrageergebnissen ist zu ersehen, daß sich 66 % der Österreicher in persönlichen Fragen zur Umstellung auf den Euro Hilfe, vor allem von ihrer Hausbank, erwarten. Vor allem den Informationen durch die Hausbank wird in sehr hohem Ausmaß (85 %) Vertrauenswürdigkeit bescheinigt.

"Aus der Verantwortung gegenüber dem Kunden und seinen Bedürfnissen ergibt sich eine ergänzende Beratungs- und Informationsaufgabe, die die Geldinstitute in großem Umfang wahrnehmen. Die österreichische Kreditwirtschaft will dem Kunden Sicherheit geben und ihm mit professioneller Hilfe zur Seite stehen", betont Rothensteiner.

Zur Unterstützung der Bankangestellten hat die Bundeskreditsektion im Zusammenwirken mit allen Verbänden der Kreditwirtschaft und der OeNB ein Computerlernprogramm erarbeitet, welches allen österreichischen Bankangestellten zur Verfügung steht.

Neben der Umstellung auf die Währungsunion steht die Mitwirkung an der Schaffung wettbewerbsfähiger Rahmenbedingungen im Vordergrund der Arbeiten der Bundeskreditsektion. Rothensteiner in Richtung Regierung und Parlament: "Wir gehen grundsätzlich davon aus, daß derartige Regelungen die heimischen Banken im internationalen Wettbewerb nicht benachteiligen dürfen. Gerade im Hinblick auf die Währungsumstellung sind ständig neue Belastungen und Regulierungen undenkbar."

Zu den wichtigsten derzeit diskutierten Themen zählen etwa eine BWG- und Sparkassengesetznovelle. Rothensteiner dazu: " Derzeit steht die österreichische Kreditwirtschaft in einem intensivierten Wettbewerb im EU-Binnenmarkt und hat die umfassende Umstellung auf den Euro zu bewältigen. Daher sollte alles vermieden werden, was eine zusätzliche Verunsicherung bedeutet. Auch hier gilt, daß nachteilige Regelungen für die österreichischen Banken im internationalen Wettbewerb vermieden werden müssen."

Zum Thema Bankgeheimnis sagte der designierte Obmann der Bundeskreditsektion, daß die Kreditwirtschaft mit EU-Kommissar Franz Fischler insoferne übereinstimme, daß man "unabhängig von der Frage der Anonymität das gute österreichische Bankgeheimnis in einigen Punkten an die Regelungen im EU-Kernland Luxemburg und der Schweiz anpassen sollte."

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Dr. Herbert Pichler
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