Prokop zu Beruf "Tagesmutter": Nicht das Kind mit dem Bade ausschütten

Niederösterreich, 24.6.97 (NÖI) "Die Ankündigungen, aus der Tagesmutter einen eigenständigen Beruf zu machen, haben wir in Niederösterreich schon mit dem Kinderbetreuungsgesetz seit dem Vorjahr vorweggenommen. Bestrebungen, die Tätigkeit als
Tagesmutter zu verbürokratisieren oder auch deutlich zu
verteuern, sind abzulehnen", nimmt LH-Stv. Liese Prokop zu
Aussagen von Frauenministerin Prammer vom Wochenende
Stellung.****

In Niederösterreich sind derzeit 1.200 ausgebildete
Tagesmütter tätig. Sie betreuen 3.500 Kinder. Die Tagesmütter werden von den Trägerorganisationen wie NÖ Hilfswerk und NÖ Volkshilfe ausgebildet. Neben der Grundausbildung schreibt das
NÖ Kinderbetreuungsgesetz auch eine regelmäßige Fortbildung
vor. Im Zulassungsverfahren für die Tagesmutter wird in Niederösterreich neben den örtlichen und persönlichen Verhältnissen auch die fachliche Ausbildung geprüft.

"Aus Umfragen wissen wir, daß nur rund 30% aller Tagesmütter eine Anstellung bei einem Verein und eine eigene
Sozialversicherung wollen. Wenn man aber die Anstellung bei
einem Verein - wie von Prammer gefordert - zur Bedingung macht,
wird das mehr als 50% der Mütter davor abschrecken, als
Tagesmutter tätig sein zu wollen. Überdies vermisse ich jeden Vorschlag, wie die Mehraufwendungen für die Sozialversicherung
der Tagesmütter zu finanzieren sind. In Niederösterreich werden wir in den nächsten 2 Jahren Vorsorge treffen, daß 20% aller Tagesmütter sozialversichert sind, und das ohne staatliche Anordnung", so Prokop weiter.

"Es darf nicht passieren, daß das Interesse vieler Frauen an einer Tätigkeit als Tagesmutter durch den vielleicht gut
gemeinten, aber wenig durchdachten Vorstoß, ins genaue
Gegenteil umschlägt", schließt Prokop.

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