Technologieoffensive könnte 50.000 neue Jobs bringen

Anteil der Forschung am BIP soll von 1,5 % auf 2% im Jahr 2002 erhöht werden

Wien (PWK) - Die bei der Regierungsklausur in Rust vor kurzem beschloßene Technologieoffensive könnte langfristig bis zu 50.000 neue Jobs bringen. Dies erklärte Albert Hochleitner, Technologiebeauftragter der Bundesregierung, bei einer gemeinsamen Veranstaltung des Wirtschaftsförderungsinstituts (WIFI) mit der Abteilung für Außenwirtschaft (AW) in der Wirtschaftskammer Österreich zum Thema "Technologietransfer" am Donnerstag in Wien. ****

Die Neuordnung der österreichischen Forschungsförderung, eine Aufstockung der Fondsmittel um rund 3 Mrd Schilling und eine straffe Organisation der Mittelflüsse werde für einen Schub bei den F&E-Aufwendungen der Firmen sorgen. Insgesamt erwartet sich Hochleitner von diesem Impulsprogramm eine Steigerung der öffentlichen und privaten F&E-Aufwendungen um 12 Mrd Schilling auf 48 Mrd Schilling im Jahr 2002. Damit würde sich die F&E-Quote von derzeit 1,5% des BIP auf 2% erhöhen.

Da jeder zusätzliche "F&E-Schilling" nach internationalen Berechnungen das zehnfache wieder hereinspielt, könnte mit den höheren F&E-Aufwendungen ein Geschäftsvolumen von 120 Mrd Schilling erzielt werden. Dieses zusätzliche Volumen werde auch den Export enorm ankurbeln, da der österreichische Markt für ein solches Mehraufkommen zu klein ist. Bei einer durchschnittlichen Personaltangente von 20% kann man von zusätzlichen Personalkosten in der Höhe von rund 25 Mrd Schilling ausgehen. Hochleitner: "Dies bedeutet 25.000 neue Arbeitsplätze in Österreich". Verbunden damit sind natürlich auch weitere Zulieferungen, die im Durchschnitt im gleichen Ausmaß wie das Gesamtvolumen liegen. Dies wären nochmals 25.000 zusätzliche Arbeitsplätze, die durch ein solches Impulsprogramm geschaffen werden könnten. "Dabei sind die unmittelbar in der Forschung und Entwicklung tätigen Mitarbeiter noch gar nicht mitgerechnet", so Hochleitner.

Die Förderung von Forschung und technologischer Entwicklung (FTE)im engeren Sinn sei jedoch nur eine Voraussetzung zur langfristigen Sicherung des Industriestandortes Österreich. Daneben müßte noch ein breites Spektrum weiterer Bedingungen in den vor- und nachgelagerten Bereichen des FTE-Sektors erfüllt werden. So müßte beispielsweise die Infrastruktur in Österreich entscheidend verbessert werden. Dabei dürfe man sich nicht nur auf die Telekommunikation und Verkehrsnetze konzentrieren, sondern müsse auch die Infrastrukturen für Forschung und Bildung erheblich verbessern. Mangelhaft sei derzeit auch die Übertragung des Wissens von der Wissenschaft zur Wirtschaft. Eine bessere Diffusion wäre besonders wichtig, da die österreichische Wirtschaft hauptsächlich aus Klein-und Mittelunternehmen besteht, für die geeignete Transfer- und Beratungsmechanismen unentbehrlich sind. Als weitere Kernthemen einer zukunftsorientierten Forschungs- und Technologiepolitik (FTE) nannte Hochleitner die Stärkung des unterentwickelten Risikokapitalmarktes sowie ein freundlicheres Klima für Forschung und Technologie in Österreich.

Im Rahmen der Veranstaltung wurde auch eine erste Bilanz über die Zusammenarbeit österreichischer Firmen mit dem Massachusetts Institute of Technologie (MIT) und dem Stanford Research Institute (SRI) präsentiert. Die Wirtschaftskammer Österreich bietet seit 1996 interessierten Firmen eine kostengünstige Möglichkeit, sich von beiden Instituten laufend über die neuesten Forschungsergebnisse informieren zu lassen, um Technologiepotentiale richtig abschätzen zu können, Innovationen zu stimulieren sowie Management- und Technologieprobleme zukunfssicher zu lösen.

Laut einer Umfrage des WIFI nutzen die Firmen diesen Service in erster Line zur Trendbeobachtung und zur Orientierung über den neuesten Stand der Forschung und Entwicklung. Bei der Form der Informationsbereitstellung liegt übrigens die Aufbereitung im Internet nach dem Papier mit einem Anteil von über 30 % bereits an zweiter Stelle. Als wichtigste Themen für die Zukunft bezeichneten die Unternehmen die Bereiche Telekommunikation, Werkstoffe, Prozesse, Logistik und schneller Prototypenbau.

Eine Videokonferenz mit der österreichischen Außenhandelsstelle in New York, in deren Verlauf der Handelsdelegierte Benno Koch und Richard DeKaser von der Bank of Bosto mit den Wiener Tagungsteilnehmern über High-Tech als Motor der Wirtschaftsentwicklung in den USA diskutierten, gab wertvolle Hinweise über mögliche Zielsetzungen in Österreich. Die als Video präsentierte Spezialvorlesung von Professor Michael J. Hawley zum Thema "Bits of Life - Entwicklungen der Informationstechnologie" rundete die Veranstaltung ab.
(Schluß) MH

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