Gewerbeverein: Arbeitsplatzevaluierung ist wieder ein zuwenig durchdachtes Gesetz mehr

Wien (OTS) - Ein hochkarätiges Podium diskutierte gestern Abend
auf Einladung des Österreichischen Gewerbevereins zum Thema "Arbeitsplatzevaluierung gemäß dem neuen ArbeitnehmerInnenschutzgesetz".

Schon in seiner Einleitung wies Gewerbevereins-Präsident, Prof. Friedl Bakalowits darauf hin, daß erst durch massive Beanstandungen und Beeinspruchungen seitens der Wirtschaft dieses Gesetz nicht noch bürokratischer ausgefallen ist.

AUVA-Obmann Wolfgang Haunsberger ging in seinen Ausführungen sehr detailliert auf das persönliche Leid, das - aber auch die volkswirtschaftlich hohen Kosten, die mit jedem Unfall verbunden sind, ein. Für ihn ist das Gesetz zwar auch in manchen Bereichen "nachbesserungswürdig"; trotzdem hält er es für einen sehr guten Ansatz, sich der Gefahren im Unternehmen bewußt zu werden. Wichtiger Kritikpunkt des AUVA-Chefs: Die Mitverantwortung des Mitarbeiters kommt viel zuwenig zum Ausdruck.

Auch WKÖ-Vizepräsident Rene Alfons Haiden ist mit dem Gesetz in der vorliegenden Form nicht zufrieden. Er meint aber aufgrund von Rückfragen, daß es eine realitätsnahe Durchsetzung geben wird. Interessanterweise wies er auf EU-Statistiken hin, denenzufolge in nur fünf der 15 Mitgliedsstaaten Betriebsärzte zwingend vorgeschrieben sind. Österreich scheint bei der Umsetzung von EU-Richtlinien stets besonders eifrig zu sein.

Der Präsident der Österreichischen Farbenfachhändler, Landtagsabgeordneter Gert Wolfram ist zwar auch grundsätzlich für eine Reduktion der Arbeitsunfälle. Er hält jedoch die Methode der Evaluierung dafür als denkbar untauglich und einen zusätzlichen bürokratischen Mehraufwand, zu all jenem Papierkram, der schon jetzt ausgefüllt werden muß. Mit Papier kann man keine Unfälle vermeiden. Für ihn ist es auch unerträglich, daß - wenn schon Evaluierung - die Mitarbeiter im öffentlich-rechtlichen Sektor aus dieser Regelung ausgenommen sind.

Wichtige Statements kamen dann von Arbeitsrechtsprofessor Franz Schrank (Wirtschaftskammer Steiermark): Grundsätzlich ist das Gesetz notwendig und wichtig. Es kann nur juristisch sehr gefährlich werden, was insbesondere im Regreßweg durchschlagen kann. Er plädierte in der von WirtschaftsBlatt-Herausgeber Jens Tschebull souverän moderierten Diskussion für eine Überarbeitung des Gesetzes, der sich schlußendlich - wenngleich in verschiedener Intensität und auf verschiedenen Gebieten - alle Diskussionsteilnehmer anschlossen.

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