OeNB - Die Zahlungsbilanz im April 1997 und in der Periode Jänner bis April 1997

Wien (OTS) - Die österreichische Leistungsbilanz schloß im
April 1997 mit einem Passivum von 3 1/2 Mrd S gegenüber
12 1/2 Mrd S im April 1996. Die Warenzahlungen stiegen im April
1997 kräftig an, die Exporterlöse mit 23 % mehr als doppelt so stark wie die Importzahlungen (9 %), wodurch sich das Defizit
der Warenzahlungen um 7 1/2 Mrd S auf 4 Mrd S verringerte.
Dieser Anstieg ist teilweise auf Änderungen bei den
Zahlungszielen und auf nachträglich eingetroffene
Firmenmeldungen zurückzuführen, die Vorperioden betreffen.

In der Periode Jänner bis April 1997 war ein Leistungsbilanzdefizit in Höhe von 11 1/2 Mrd S zu verzeichnen gegenüber 4 1/2 Mrd S in der entsprechenden Periode 1996.

Der negative Saldo der Warenzahlungen erhöhte sich in den
ersten vier Monaten 1997 gegenüber der entsprechenden Periode
1996 um 2 1/2 Mrd S auf 29 Mrd S, wobei Exporterlöse und Importzahlungen um jeweils 6 % zunahmen.

Der Trend zur Verschlechterung in der Reiseverkehrsbilanz
hielt auch in den ersten vier Monaten 1997 an. Die
Deviseneinnahmen stagnierten, die Devisenausgaben stiegen
hingegen um 12 % an, wodurch sich der Reiseverkehrsüberschuß um
3 Mrd S auf etwas unter 18 Mrd S verringerte.

Dabei hatte die abgelaufene Wintersaison (November bis
April) mit einem merklichen Zuwachs an Nächtigungen und Deviseneinnahmen im November und Dezember Anlaß zu Optimismus gegeben. Die deutlich schwächeren Saisonspitzen führten jedoch
zu einem wenig erfreulichen Gesamtergebnis. Die Zahl der Ausländernächtigungen lag mit gut 37 1/2 Mio um 3 % niedriger
als im Vorjahr (knapp 39 Mio). Es ist dies das vierte Minus in Folge, was einem Rückgang auf das Niveau der Wintersaison 89/90 entspricht und mehr als 10 Prozent unter dem Rekordjahr 1992/93 liegt.

Entscheidend für den Rückgang der Zahl der Nächtigungen um
1,2 Mio waren die deutschen (- 1 Mio) und die niederländischen Gäste (- 0,2 Mio). Als Wachstumsmärkte mit teilweise
zweistelligen Wachstumsraten bestätigten sich Mittel- und Osteuropa, sowie einige überseeische Herkunftsländer. Die Nachfrage aus diesen Regionen ist - im Vergleich zu den Hauptherkunftsländern - immer noch klein. Österreich
verzeichnete aber bereits gleich viele Gästenächtigungen aus
Polen wie aus den USA (je 389.000) und Gäste aus Ungarn
verbrachten beinahe soviele Nächte in Österreich (325.000) wie jene aus Schweden, deren Nächtigungszahl im vergangenen
Jahrzehnt infolge der Wirtschaftskrise von über 900.000 auf nur mehr 333.000 gesunken ist.

Im Gegensatz zur Nächtigungsentwicklung ergaben die Reiseverkehrseinnahmen in vorläufiger Rechnung gegenüber dem Winter des Vorjahres einen Zuwachs um 2 1/2 Mrd Schilling bzw.
um 4 %. Damit sind die Einnahmen pro Nächtigung um 7 % auf
1.820 S gestiegen.

Erneut beschleunigt hat sich - trotz Sparpakets - der Trend steigender Reiseverkehrsausgaben der Österreicher: Nach dem gebremsten Wachstum im Vorjahr (+ 4 1/2 %) haben die Devisenabflüsse durch den Reiseverkehr in der abgelaufenen Wintersaison um 11 % oder um 5 Mrd Schilling zugenommen. Die Entwicklung der Nächtigungszahl der Inländer im Inland
(- 530.000 oder - 4 1/2 %) verweist auf geänderte Urlaubsziele.

Die Transferbilanz zeigte in den ersten vier Monaten 1997
ein Defizit von über 5 Mrd S gegenüber knapp 2 Mrd S in der Vergleichsperiode des Vorjahres. Ausschlaggebend hiefür war
eine Verringerung der Eingänge aus der EU von 10 Mrd S auf
6 1/2 Mrd S bei einer gleichzeitigen Erhöhung der Ausgänge von
7 Mrd S auf 11 Mrd S.

Der gesamte Kapitalverkehr schloß im Berichtszeitraum mit
einem Nettokapitalimport von 24 1/2 Mrd S gegenüber 3 Mrd S im entsprechenden Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Der langfristige Kapitalverkehr erbrachte in der
Berichtsperiode einen langfristigen Nettokapitalexport von
7 Mrd S gegenüber einem Nettokapitalimport von 1 Mrd S im
gleichen Zeitraum 1996. Die Käufe ausländischer Wertpapiere
durch Österreicher erhöhten sich um 34 Mrd S auf 58 Mrd S, die Käufe inländischer Wertpapiere durch Ausländer um 22 Mrd S
auf 50 Mrd S.

Die offiziellen Währungsreserven erhöhten sich gegenüber dem Jahresultimo 1996 um 3 Mrd S.

ZAHLUNGSBILANZDATEN FÜR

April Jän.-Apr. 1996 1997 1996 1997
in Mrd S

Leistungsbilanz ...................-12,7 -3,4 -4,6 -11,4

Waren- u.Dienstleistungsbilanz -9,6 -1,4 -2,8 -6,1 Warenzahlungen ................ -11,7 -4,2 -26,4 -29,1 Eingänge ................... 63,8 78,2 245,0 259,4 Ausgänge ................... 75,5 82,4 271,5 288,5 Kapitalerträge ................ -0,4 -0,4 -5,8 -5,9 Reiseverkehr .................. 0,5 -0,1 20,8 17,7 Eingänge ................... 8,6 9,4 50,3 50,8 Ausgänge ................... 8,1 9,4 29,5 33,1 Restliche Positionen ......... 2,0 3,3 8,6 11,1 Eingänge ................... 10,1 10,1 41,1 39,3 Ausgänge ................... 8,1 6,9 32,5 28,2 Transferbilanz ................ -3,0 -2,0 -1,7 -5,2

Kapitalbilanz .................... 16,2 10,6 3,3 24,7

langfr. Kapitalverkehr ........ 12,0 -5,1 1,3 -7,1 kurzfr. Kapitalverkehr ........ 4,2 15,7 2,0 31,8

Reserveschöpfung und
Bewertungsänderungen ............. 6,5 5,9 9,9 18,0

Statistische Differenz ........... 2,6 -1,8 23,1 -28,2

Veränderung der offiziellen
Währungsreserven ................. 12,6 11,4 31,7 3,2

Rundungen können Rechnungsdifferenzen ergeben.

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