Bekleidungsindustrie: Der Faden hält noch

Umsatz von 14 Mrd Schilling konnte 1996 gehalten werden Inlandsproduktion ging um rund 5 Prozent zurück

Wien (PWK) - "Der Faden hält, die Lage ist stabil", beschrieb Wilhelm Ehrlich, Vorsteher des Fachverbandes der Bekleidungsindustrie die aktuelle Konjunktursituation der Branche bei der Jahrespressekonferenz seines Verbandes. Im vergangenen Jahr konnten die rund 300 Unternehmen den Umsatz von 14 Mrd Schilling halten. Die Ertragslage hat sich normalisiert, die Auftragseingänge sind leicht steigend. Allerdings sorgte eine weltweit fortschreitende Internationalisierung in der Branche für deutliche Verschiebungen innerhalb des Umsatzes. Die Auslandsfertigung stieg um rund 25 Prozent auf 3,2 Mrd Schilling. Da die Unternehmen auch immer öfter Fertigbekleidung im Niedrigpreissegment zukaufen, ging die Inlandsproduktion um rund 5 Prozent auf knapp 10 Mrd Schilling zurück. ****

Während die Zahl der Beschäftigten entsprechend der rückläufigen Inlandsproduktion um 9 Prozent auf 12.000 Mitarbeiter zurückging, ist die Lohn- und Gehaltssumme für alle Arbeiter und Angestellte der Bekleidungsindustrie mit 2,8 Mrd Schilling im vergangenen Jahr gleichgeblieben. "Mit der zunehmenden Auslandsfertigung konnten wir vor allem höherwertige und daher besser dotierte Arbeitsplätze z.B. im Design, in der Logistik und im Marketing in Österreich halten bzw. aufbauen. Wie man sieht, ist die Auslandsfertigung kein Schreckgespenst, sondern eine enorme Chance, die von vielen unserer Betriebe bereits genutzt wird", betonte Ehrlich. Die wichtigsten Länder, in denen die heimische Bekleidungsindustrie fertigen läßt, sind Ungarn, Tschechien, Slowakei, Rumänien und Kroatien.

Deutlich zulegen konnte die österreichische Modeindustrie 1996 beim Export. Mit einem Plus von 10,3 Prozent haben die Unternehmen ein Volumen von 13,6 Mrd Schilling realsieren. "Alleine die Steigerung der Ausfuhren nach Deutschland um 16Prozent lässt einem das Herz höher schlagen, zeigt es doch, daß wir endlich gleiche Chancen im Wettbewerb innerhalb der EU haben. Es ist aber auch ein Beweis für die Leistungsfähigkeit der österreichischen Bekleidungsindustrie, gerade in Märkten mit ungünstigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen", sagte Ehrlich. Vor dem Beitritt wurden die österreichischen Exporte in die EU im Rahmen des passiven Veredelungsverkehrs lange Zeit diskrimiert. Die Importe stiegen im vergangenen Jahr um 8,1 Prozent auf 31,4 Mrd S. Die wichtigsten Importländer sind Deutschlandmit 6,2 Mrd öS (+ 4,2 Prozent), Italien mit 2,5 Mrd (+/- 0 Prozent) und China mit 1,2 Mrd (+ 17 Prozent).

Vehement sprach sich Christoph Haidinger, Geschäftsführer des Fachverbandes der Bekleidungsindustrie gegen EU-Förderungen von Bekleidungsprojekten in Drittstaaten im Rahmen des PHARE, TACIS oder MEDA-Programmes sowie des Finanzabkommens EU-Türkei aus. "Es ist unverständlich, daß Österreich als Nettozahler der EU Maßnahmen mitfinanzieren muß, die den Wettbewerbsdruck auf die österreichischen Konfektionäre weiter verstärken", so Haidinger. Andererseits seien EU-Förderungsinstrumentarien für die Bekleidungsindustrie aus finanziellen und organisatorischen Gründen nicht brauchbar, weil sie auf die KMU-Struktur der Branche keine Rücksicht nehmen. Das Export-Promotion-Programm der EU hingegen, das sich als eine echte Unterstützung der Exportanstrengungen der EU-Bekleidungsindustrie entpuppten, wurde wieder eingestellt. Der Fachverband fordert daher eine Wiederaufnahme des Programmes, andernfalls müsse man ernsthaft über eine Verringerung der Nettobeiträge nachdenken.

Probleme haben die heimischen Bekleidungsproduzenten aber auch mit nichttarifarischen Handelshemmnissen in Slowenien, Kroatien, der Slowakei und der Russische Föderation. Diverse "Qualitätszertifizierungen", die unter dem Deckmantel des Konsumentenschutzes eingeführt wurden, beeinträchtigen die österreichischen Bekleidungsexporte in diese Länder. Da in der EU keinerlei ähnliche Verpflichtungen für Bekleidungsimporte bestehen, sollten gerade EU-Beitrittswerber wie zB. Slowenien ihre EU-Reife in der Handelspolitik beweisen, meinte Haidinger.

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FV der Bekleidungsindustrie

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