Penz: Geteilter Milchpreis wird strikt abgelehnt

Niederösterreich, 18.6.97 (NÖI) In Österreich fallen derzeit jährlich rund 700 Millionen Liter Milch an, die aus Sicht der Molkereiwirtschaft als Milchüberschuß gelten. Zu dem kürzlich erfolgten Vorschlag von NÖM-Generaldirektor Hermann Gruber, in Österreich einen geteilten Milchpreis einzuführen - d.h. für
die Überschußmilch würden die Bauern einen geringeren Preis erhalten - sagte NÖ Bauernbunddirektor Johann Penz, das sei für die Bauern unvorstellbar und werde strikt abgelehnt. Er, Penz, verkenne zwar nicht die Schwierigkeiten auf dem Milchsektor,
doch müßten zuvor Maßnahmen im Bereich der Milchfrisch gesetzt werden, ehe man abermals die Milchbauern belaste. Penz:
"Österreichs Bauern erhalten den niedrigsten Milchpreis von
allen EU-Ländern, obwohl sie unwidersprochen Milch höchster Qualität produzieren. ****

Zwar hat die Molkereiwirtschaft endlich bestimmte Umstrukturierungen eingeleitet, aber nach wie vor sind wirklich sinnvolle Kooperationen noch nicht in Sicht. So mußten sich
z.B. die beiden Großmolkereien NÖM und Bergland von Raiffeisen-Generalanwalt Konrad persönlich wiederholt mahnen lassen,
endlich zusammenzuarbeiten. Aber mehr als vage
Absichtserklärungen sind dazu bisher nicht erkennbar geworden."

Penz erinnerte daran, daß alle Maßnahmen im Molkereisektor nicht Selbstzweck seien, sondern ausschließlich dem Ziel zu
dienen hätten, den Bauern einen höheren Milchpreis zu erwirtschaften. Penz: "Sich immer auf die alpine Lage, die bei
der Milchabholung höhere Kosten bringt, auszureden, ist nicht zielführend. In Südtirol etwa, wo die Struktur um nichts
einfacher ist, zahlen die Molkereien den Bauern derzeit immer
noch einen Milchpreis von rund S 5,40. In Niederösterreich
hingegen erhalten die Bauern S 4,54, wobei in diesem Preis noch
32,8 Groschen degressive Übergangsbeihilfe, wie bei EU-Beitritt vereinbart, enthalten sind. Selbst wenn man konzediert, daß es
auch den Südtirolern immer schwerer wird, den derzeitigen Milchpreis zu halten, bleibt er dort immer noch beträchtlich
höher als in Österreich. Wenn in Österreich ein Liter Milch
schon billiger ist als ein Liter Mineralwasser, dann kann etwas nicht stimmen."

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