Dieselautos sind schweres Umweltproblem

Umweltreferent der Ärztekammer für Reduktion der Partikelbelastung - Umweltenquete: Nur noch geringe Emissionen bei Müllverbrennung

Wien (OTS) - Für einheitliche Emissionsgrenzwerte bei Abfallverbrennungsanlagen und eine Reduktion der Partikelbelastung durch den Verkehr plädierte Dr. Gerd Oberfeld, der Referent für Umweltmedizin der Österreichischen Ärztekammer, Samstag, anläßlich einer Enquete des Umweltministeriums und der Österreichischen Ärztekammer zum Thema "Müllverbrennung - Effekte und Risken aus medizinischer Sicht", in Wien. "Denn ein massives Problem ist der atem(be)raubende Zuwachs an Dieselfahrzeugen in Österreich. Der Dieselmotor wird mit 20 bis 30 Prozent weniger Treibstoffverbrauch als "Ökomotor" schlechthin ausgewiesen. Doch er beschert uns um etwa 200 bis 300 Prozent mehr Stickoxide und um etwa 3000 (!) Prozent mehr Partikel in der täglichen Atemluft als ein Benzinmotor." Kleinste Rußpartikel gelangen mit der Atemluft bis in die Lungenbläschen, wo sie nur langsam abgebaut werden, eine Zunahme von Husten, Asthmaanfällen und Bronchitis ist zu befürchten." Eine weitere Forderung ist die Berücksichtigung der neuen Luftqualitätskriterien der WHO beispielsweise für Stickstoffdioxid in einer Verordnung zum Immissionsschutzgesetz Luft, das bundesweit noch heuer in Kraft treten soll. Oberfeld:
"Die gesundheitlichen Folgekosten, die schadstoffreiche Motoren verursachen, sollten die Benützer auch tragen. Hingegen sollte die Verwendung schadstoffarmer Fahrzeuge im Sinne der Kostenwahrheit begünstigt werden."

Bei den neuen Müllverbrennungsanlagen hingegen ist die Luftbelastung drastisch gesenkt worden. Denn "primäre Maßnahmen bei der Feuerungstechnologie, Verbrennungsluftführung sowie sekundäre und tertiäre Maßnahmen wie die Rauchgasreinigung haben dazu geführt, daß die vorgegebenen Grenzwerte etwa für die klassischen Luftschadstoffe wie Staub, Halogenwasserstoffe, Schwermetalle und Dioxine nicht nur eingehalten, sondern auch erheblich unterschritten werden", belegt Univ.-Prof. Dr. Friedrich Wurst von der Technischen Universität Wien anhand von Emissionsdaten aus der Welser Müllverbrennungsanlage. "Für die Grundbelastung mit Luftschadstoffen im urbanen Raum sind andere Emittentengruppen verantwortlich".

Bis zu 15 neue Anlagen nötig

Das Hauptaugenmerk der Verantwortlichen liegt in der Müllvermeidung. Doch trotz aller Maßnahmen, die in den letzten Jahren eine deutliche Reduzierung der Abfallmenge zur Folge
hatten, beobachtet man nun eher eine Stagnation. "Um den Müllmengen Herr zu werden, brauchen wir in den nächsten zehn Jahren zusätzlich zehn bis fünfzehn thermische Anlagen, die je 100.000 bis 200.000 Tonnen Abfall pro Jahr entsorgen können", prognostiziert Dipl.-Ing. Christian Holzer vom Bundesministerium für Umwelt, Jugend und Familie. Konkret rechnet der Fachmann mit einem Zuwachs von 2,4 Millionen Tonnen Restmüll und anderen nicht gefährlichen Abfällen pro Jahr. Neben den Anlagen in Wien und Wels, die bereits einen Großteil ihrer Abfälle thermisch behandeln, werden derzeit entsprechende Schritte in den Bundesländern Kärnten und Niederösterreich gesetzt. Für die Verbrennung gefährlicher Abfälle fordert das Umweltministerium unter anderem bei der Zementindustrie strenge Grenzwerte für Stickoxide.

"Ein nicht unwesentlicher umweltmedizinischer Aspekt der thermischen Müllverbrennung liegt in der Tatsache, daß durch moderne Technologien viele Schadstoffe in der Anlage konzentriert gebunden und so aus dem Kreislauf der Umwelt entfernt werden", so Univ.-Prof. DDr. Egon Marth, vom Hygiene Institut der Universität Graz. Doch die Standortfindung gestaltet sich oft als schwierig, wie Dr. Odo Feenstra vom Amt der Kärntner Landesregierung, Abteilung Umweltmedizin zu bedenken gibt: "Bei der Errichtung
neuer Anlagen ist für die Abschätzung der Gesundheitsrisiken die Vorbelastung von Luft, Boden und Vegetation am Standort ebenso zu berücksichtigen wie der gesundheitliche Zustand der Bevölkerung." Rechtzeitige Planung sei wichtig, da von der Standortfindung bis zur Inbetriebnahme des Werkes etwa zehn Jahre vergehen.

Hauptproblem Deponie

Wie der Bundes - Abfallwirtschaftsplan 1995 gezeigt hat, gelangen rund 55 Prozent der Abfälle aus Haushalt und ähnlichen Einrichtungen ohne Vorbehandlung noch immer direkt auf Deponien. Der Restabfall, der derzeit für die Endlagerung bestimmt ist, gefährdet das Grundwasser durch Sickerwasser. Über Jahrzehnte hinweg entsteht Deponiegas - hauptsächlich Methan - das wesentlich zum Treibhauseffekt beiträgt. Durch die neue Deponieverordnung, die seit 1. Jänner dieses Jahres in Kraft ist, sollen organisch reaktive Komponenten vor dem Deponieren aus dem Restmüll entfernt werden. (Schluß)

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