ORF: Tägliche Nachrichten in Gebärdensprache zugesagt

Wien (OTS)- ORF-Informationsindendant Nagiller sagte in einem Gespräch mit BehindertenvertreterInnen am Donnerstag, den 12. Juni 1997, eine Mittags-ZiB in Gebärdensprach zu. Allerdings sei eine Fremdfinanzierung durch die Öffentliche Hand notwendig. Die Forderungen nach einem Gehörlosenmagazin oder einer ZiB 1 oder ZiB 2 in Gebärdensprache wurden abgelehnt.****

Laut der letzten soeben fertiggestellten Mikrozensuserhebung leben in Österreich 456.000 gehörbeeinträchtigte Menschen. "Diese Bevölkerungsgruppe wird derzeit vom ORF vernachläßigt", meint Dr. Klaus Voget, Präsident der Dachorganisation der Behindertenverbände ÖAR. Intendant Nagiller sagte zu, die Untertitel auszubauen, konkret könnte er sich die von Gehörlosen gewünschten Sendungen "Schilling" und "Modern Times" vorstellen.

Praktisch nicht vorhanden ist im ORF die Anwendung der Gebärdensprache. Zwar wird seit Frühjahr 1996 die Wochenschau mit Gebärdensprachdolmetschung gezeigt, ein damals erstes Ergebnis einer Zusammenarbeit des ORF mit der AG "Behinderte Menschen und Medien". Die ZiB 1 oder ZiB 2 in Gebärdensprache zu senden ist für Dr. Nagiller jedoch keine Möglichkeit, da der Gebärdendolmetscher nicht in das bestehende Layout-Konzept integriert werden kann.

Auch ein von den Gehörlosen gefordertes Gehörlosenmagazin wird von Dr. Nagiller abgelehnt, da Spartensendungen dem Sendungskonzept des ORF grundsätzlich widersprechen. Möglich wäre jedoch, so Nagiller, "daß täglich die fünfminütige Mittags-ZiB" in Gebärdensprache übersetzt wird. Allerdings: Finanziert muß dies aus öffentlichen Geldern, etwa durch das Sozialministerium, werden. Geschätzte Kosten für ein Jahr: 1 Million Schilling.

"Der ORF", so Dr. Franz Huainigg, Leiter der Arbeitsgruppe "Behinderte Menschen und Medien", "muß als öffentlich-rechtlicher Sender ein modernes Programm gestalten, das frei von Klischee- und auf Mitglied reduzierter Schicksalsberichterstattung ist und vor allem von allen behinderten Menschen mitverfolgt werden kann. Insofern wird sich nun zeigen, ob Politik und ORF sich auf eine gemeinsame Realiseirung der ZiB in Gebärdensprache einigen. Oder ob es nur eine weitere Taktik ist, eine Gleichberechtigung - wie sie in anderen europäischen Ländern existiert - hinauszuzögern."

Rückfragen: AG "Behinderte Menschen und Medien"
Franz Huainigg
Tel. 812 86 79

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