CD-Verkäufe unter dem Einstandspreis: Handelskonzentration und Aussterben des Tonträger-Fachhandels

Verlust der Wertigkeit von Musik

Wien (OTS) - Das neue Bravohits-Doppelalbum um öS 149,--, die neue Michael Jackson-CD "Blood On The Dancefloor" um öS 99,--. Zwei Beispiele für Verkäufe unter dem Einstandspreis, zwei Beispiele für CD-Lockangebote großer österreichischer Handelsbetriebe, die damit nur die Kundenfrequenz erhöhen wollen und die Deckungsbeiträge mit Haushaltsgeräten, PCs oder Unterhaltungselektronik erwirtschaften.

Auf der Strecke bleibt:

- der ausschließlich vom Verkauf von Tonträgern lebende Fachhandel

- die Wertigkeit der Musik auf CD
Und: Der Steuerzahler finanziert über die Umsatzsteuer-Differenz mit!

Wie kam es zu dieser Fehlentwicklung:

Auf Antrag eiens großen Handelsbetriebes hat der österreichische Verfassungsgerichtshof das über Jahrzehnte geltende Verbot des Verkaufens unter dem Einstandspreis aufgehoben und die Preisgestaltung - ohne handelspolitische Rücksichten - beinahe gänzlich dereguliert.

Gerade für die österreichische Musikwirtschaft hatte diese Preisderegulierung schwerwiegende Folgen. Die großen Handelsbetriebe haben die Attraktivität internationaler und österreichischer CD-Veröffentlichungen für ihre Marketingkampagnen erkannt und bieten regelmäßig die aktuellsten Veröffentlichungen österreichischer und internationaler Künstler, von Rainhard Fendrich bis Michael Jackson, teilweise zu Verkaufspreisen unter öS 100,-- an. Die Differenz zum Einstandspreis wird aus dem Marketingbudget finanziert. Solche Lockangebote und die Breitenwirkung bekannter Künstlerpersönlichkeiten werden in das Zentrum groß anglegter Inseratenkampagnen gestellt.

Der Fachhandel, der nur vom Verkauf von Tonträgern lebt, steht dieser Preisgestaltung wehrlos gegenüber: Das langsame Aussterben des Tonträgerfachhandels und eine gefährliche und marktverzerrende Konzentration auf einige wenige Großbetriebe ist die logische Folge.

Österreich ist neben Frankreich bereits jetzt das EU-Land mit der größten Handelskonzentration im Musikgeschäft. Lag der Anteil des nur vom Verkauf von Tonträgern lebenden Fachhandels zu Beginn der 90er Jahre noch bei etwa 25 %, sind es im ersten Quartal 1997 nur mehr alarmierende 12 %! Großvertriebsforemn konnten ihre Marktanteile im selben Zeitraum entsprechend vergrößern.

CD-Verkäufe unter dem Einstandspreis, mit Verkaufspreisen bei öS 99,-- und darunter zerstören das Wertgefühl des Konsumenten für Musik auf CD, die ein Kulturgut ist, ebenso wie das Buch oder der Film. Ein Preisvergleich zwischen einem aktuellen Buchroman und einer aktuellen CD zeigt: der CD-Preis liegt teilweise bei nur 1/3 des Buchpreises!

Der Konsument und Steuerzahler finanziert Lockangebote unter

dem Einstandspreis aus der eigenen Tasche mit!

Wie? Ein Beispiel: Eine CD kostet im Einkauf ca. öS 150,-- plus öS 30,-- Umsatzsteuer, die der Handelsbetrieb als Vorsteuer geltend macht. Bei einem Wiederverkauf an den Konsumenten um öS 99,-- sind öS 16,50 an Umsatzsteuer enthalten, die an das Finanzamt abzuführen sind. Die Differenz zwischen dem Vorsteuerabzug von öS 30,-- und der abgeführten Umsatzsteuer von öS 16,50, nämlich öS 13,50, übernimmt der Steuerzahler, und das bei jeder einzelnen verschleuderten CD.

Frankreich hat - nach 10 Jahren völliger Preisliberalisierung -auf ähnliche Entwicklungen bereits reagiert und speziell für das Produkt Tonträger den Verkauf unter dem Einstandspreis verboten. Die EU-Gesetzgebung steht solchen Maßnahmen nicht entgegen.

Die in der IFPI - Landesgruppe Östereich, der Dachorganisation der österreichischen Tonträgerindustrie, zusammengefaßten Firmen werden daher an die Bundesregierung und an den österreichischen Gesetzgeber mit der Forderung herantragen, das Verbot des Verkaufens unter dem Einstandspreis als handelspolitisch sinnvolle Maßnahme wieder einzuführen. Zumindest für bestimmte, besonders gefährdete Produktgruppen, wie etwa den Tonträger.

Die österreichischen "Copyright-Industries", der die Musikwirtschaft angehört, leisten mit einer jährlichen Wertschöpfung von c. öS 45 Mrd. einen Beitrag von ca. 2 % zum österreichischen Bruttoinlandsprodukt und beschäftigen insgesamt mehr als 75.000 Personen.

Weltweit wurden 1996 Tonträgerumsätze von öS 480 Mrd. erreicht. die umgesetzten Stückzahlen lagen bei 4 Mrd., davon 2,1 Mrd CDs, 1,4 Mrd MCs, 500 Mio Singles und 20 Mio LPs.

Die Landesgruppe Österreich der IFPI (International Federation of the Phonographic Industry) ist der Dachverband der österreichischen Tonträgerindustrie. Der IFPI-Österreich gehören dzt. 13 Mitgliedsfirmen an, darunter österreichische Klein- und Mittelbetriebe, ebenso wie die 5 "Majors" BMG, EMI, PolyGram, Sony Music und Warner Music. Die IFPI-Österreich vertritt die Interessen der österreichischen Tonträgerindustrie, insbesondere durch die Verbesserung der gesetzlichen Rahmenbedingungen und die Bekämpfung der Tonträgerpiraterie auf nationaler und internationaler Ebene.

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