Bulgariens düstere Warnung

Wien (OTS) - Bulgariens Finanzkollaps des Jahres 1996 stellt eine wichtige Warnung für die Entscheidungsträger in anderen Reformländern dar - dies ergibt eine jüngst veröffentlichte Studie des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW). Zwar ist die bulgarische Krise insofern ein Sonderfall, als eine Reihe schwerwiegender wirtschaftlicher Probleme zum selben Zeitpunkt kulminierte, doch die einzelnen Elemente dieser Krise treten universell auf; somit betreffen die daraus zu ziehenden Schlußfolgerungen direkt die gemeinsamen Herausforderungen, mit denen jede einzelne der mittel- und osteuropäischen Wirtschaften konfrontiert ist.

"Abgesehen von Bulgariens privilegierter, übermäßiger Abhängigkeit von der früheren Sowjetunion gibt es nichts Einzigartiges in der Art wirtschaftlicher Probleme, die zur Krise geführt haben", sagt Rumen Dobrinsky, Autor der Studie Transition Failures: Anatomy of the Bulgarian Crisis. "Alle Reformländer stehen vor den gleichen Aufgaben - Umstrukturierung staatlicher Unternehmen, Schließung unrentabler Staatsfirmen, Lösung des Problems uneinbringlicher Forderungen, Sanierung des Bankensektors - bei gleichzeitiger schwerer Auslandsschuldenlast."

"Die wichtigste Lektion ist wohl die, daß jedes einzelne dieser Probleme, falls es ungelöst bleibt, eine schwerwiegende Finanzkrise auslösen kann."

Bis zum Jahr 1996 folgte die Entwicklung Bulgariens dem Muster der meisten Reformländer: Transformationsrezession, begleitet von einem Hinaufschnellen der Inflation, graduelle Erholung, und langsame, aber stetige Desinflation. Die verheerende Krise des letzten Jahres - das Bruttoinlandsprodukt fiel um 10%, die jährliche Inflationsrate betrug mehr als 300% - stellte eine folgenreiche Abweichung von diesem Muster dar: sie betraf alle Aspekte des wirtschaftlichen, sozialen und politischen Lebens und hinterließ das Land mit einem ruinierten Bankensystem, einem Bankrott der öffentlichen Finanzen und Hyperinflation.

Dobrinsky analysierte die Faktoren, die zur Krise geführt haben; beginnend mit den historischen Rahmenbedingungen, beschreibt er die Entwicklung der kombinierten Fiskal-, Banken- und Währungskrisen und zeigt die Zusammenhänge zwischen den ökonomischen Variablen und der Regierungspolitik auf. Unter anderem weist er darauf hin, daß wirtschaftspolitische Fehler möglicherweise weniger mit fehlendem Wissen oder Können zu tun haben, sondern eher mit politischen Motivationen, die aus der spezifischen Geschichte und Tradition dieser Gesellschaft erwachsen, mit Reaktionen auf politische Interessen oder mit der öffentlichen Meinungslage, die alle zusammen die politische Unterstützung für den Reformprozeß untergraben.

Dr. Dobrinsky ist externer wissenschaftlicher Mitarbeiter des WIIW. Die 58-seitige Studie, mit 15 Tabellen und Abbildungen, ist eine fundierte Analyse der zahlreichen komplexen Aspekte der Krise und ist im WIIW zum Preis von öS 250,- erhältlich.

Rückfragen & Kontakt:

WIIW
Dr. Raimund Dietz
Tel.: 533 66 10-19

ORIGINALTEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF/OTS