Presseinformation zur Ausstellung - Japan yesterday: Spuren und Objekte der Siebold-Reisen

Wien (OTS) - Pressepreview: 10. Juni 1997, 10.30 Uhr
Ort: MAK-Ausstellungshalle Obergeschoß Ausstellungsdauer: 11. Juni - 7. September 1997 Öffnungszeiten: Di - So 10.00 - 18.00 Uhr, Do 10.00 - 21.00 Uhr,
Mo geschlossen

Unter dem Titel Japan Yesterday - Spuren und Objekte der Siebold-Reisen widmet das MAK seinem diesjährigen Themenschwerpunkt Japan vom 11. Juni bis 7. September 1997 in der MAK-Ausstellungshalle im Obergeschoß eine weitere große Ausstellung.

Die bedeutenden Sammlungen japanischer Kunst von Philipp Franz von Siebold und seinem Sohn Heinrich, die im 19. Jahrhundert angelegt wurden, sind einzigartige frühe Zeugnisse der japanischen Kultur und der epochalen politischen Öffnung Japans zum Westen hin. Heute auf mehrere europäische Museen verteilt, werden repräsentative Teile dieser über 40.000 Exponate umfassenden Sammlungen, die einen Zeitraum von zweieinhalb Jahrtausenden abdecken, erstmals in Form einer großen Ausstellung wieder zusammengeführt.

Zentraler Aspekt dieser Ausstellung ist die Entstehung des westlichen Japanbildes im 19. Jahrhundert. In der Gegenüberstellung von Objekten aus den im Laufe eines Jahrhunderts gewachsenen Sammlungen von Philipp Franz von Siebold (1796 - 1866) und Heinrich von Siebold (1852 - 1908) wird der kulturelle Wandel in Japan, bedingt durch das Ende des Shogunats und den daraus resultierenden politischen und sozialen Veränderungen, für den Besucher nachvollziehbar und ein Einblick in das sich im Europa des 19. Jahrhunderts wandelnde Japanbild ermöglicht.

Der erste Teil von Japan Yesterday präsentiert Reisebilder, die Philipp Franz von Siebold während seiner sogenannten "Hofreise" im Jahre 1826 anfertigen ließ. Sie werden von ethnographisch einzigartigen Objekten wie Reiseutensilien, Alltagskleidung und Proviantvorräten ergänzt. Während seines langjährigen Aufenthalts war Philipp Franz von Siebold in seiner Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt, da Japan zu diesem Zeitpunkt noch unter der Herrschaft der Tokugawa stand, die eine Öffnung gegenüber dem Westen und die Erschließung und Bereisung des Landes durch westliche Besucher verweigerten. Aus diesem Grund konzentrierte Philipp Franz von Siebold sein "Sammeln" auf die Dokumentation und Beschreibung von Land und Kultur und ließ zu diesem Zwecke von einem japanischen Künstler Reisebilder anfertigen. Während dieser Reise widmete er sich neben seinen natur- und landeskundlichen Forschungen auch dem Sammeln von Artefakten Kunstgegenständen, Büchern, Karten, Münzen, Instrumenten, Werkzeugen jedoch nur soweit, wie sich ihm "entlang des Strassenrandes" Gelegenheit bot.

Die wissenschaftlichen Interessensgebiete beider Sammler stehen im Mittelpunkt des zweiten Teils von Japan Yesterday. Präsentiert werden archäologische Gegenstände aus der vorbuddhistischen Zeit Japans sowie Dokumentationen und Objekte zu den Ureinwohnern, den Ainu, denen Heinrich von Siebold eine der ersten wissenschafltichen Arbeiten im Westen widmete.

Der dritte Teil von Japan Yesterday ist der Sammlung Heinrich von Siebolds gewidmet, die einerseits höfische Kunstwerke - kostbare und festliche Kostüme, Prunkrüstungen und Waffen der Samurai, No-Kostüme und No-Masken sowie profane Malerei zur Ausstattung der Residenzen -und andererseits Kultobjekte aus buddhistischen Tempelsammlungen wie Skulpturen, Altäre, Mandalas, Bilder und kostbare Gewänder für Zeremonien umfaßt. Die politischen und sozialen Umwälzungen, die im Zuge der Öffnung Japans zum Westen unter der Regierung des noch jungen Kaisers Meiji stattfanden, erlaubten Heinrich von Siebold, der ab 1869 den Inselstaat bereiste, und anderen westlichen Sammlern Schätze aus buddhistischen Tempeln und Kostbarkeiten aus den Sammlungen der Lehensfürsten und Samurai relativ günstig zu erwerben.

Die Ausstellung Japan Yesterday vereint nun erstmals beide Sammlungen. Das MAK selbst beherbergt große und wichtige Bestände der 20.000 Objekte umfassenden Sammlung von Heinrich von Siebold. In ihr finden sich nicht nur Kultgegenstände und Artefakte aus buddhistischen Tempeln, traditionellem Familienbesetz oder Samurai-Sammlungen, sondern auch so unterschiedliche Objekte wie das Archiv einer Malerschule mit ca. 2.700 Tuschzeichnungen oder Bauteile eines Mausoleums für die Shogun-Familie. Die Objekte aus der Sammlung von Philipp Franz von Siebold stammen aus dem Rijksmuseum voor Volkenkunde in Leiden und dem Museum für Völkerkunde in München, wo dessen Sammlung auch heute bewahrt wird. Die Sammlungen von Heinrich von Siebold befinden sich zu einem Großteil in Wien - im MAK, dem Museum für Völkerkunde und in der Österreichischen Nationalbibliothek.

Philipp Franz von Siebold (1796 - 1866)

"Ich bin glücklich in Japan angekommen. ... Unter sechs Jahren verlasse ich Japan (nicht) und auf keinen Fall eher, als bis ich eine ausführliche Beschreibung von Japan, ein Museum Japonicum und eine Flora geliefert habe, und dann glaube ich, in Europa unserem Namen Ehre zu machen", schrieb Philipp Franz von Siebold, 1823 nach seiner Ankunft auf Dejima, einer künstlich angelegten Insel vor Nagasaki, in einem Brief an seinen Onkel und bekräftigte damit sein Vorhaben im Rahmen seines langjährigen Aufenthaltes möglichst umfangreiche und detaillierte Informationen über Japan und seine Kultur zu sammeln und zu erfassen.

1826 nützte er die sogenannte "Hofreise" nach Edo um zahlreiche Landvermessungen vorzunehmen, Karten anzulegen und seine natur- und landeskundlichen Sammlungen durch ethnographische Objekte zu erweitern. Kontakte mit japanischen Wissenschaftern und Ärzten gewährten dem jungen Arzt, der im Dienste der Vereinigten Ostindischen Kompanie stand, Zugang zu Bereichen des japanischen Lebens, die Europäern bis dahin verschlossen waren.

1830 verfaßte Philipp Franz von Siebold den ersten Bericht über seine Sammeltätigkeit: über 7.000 Objekte aus der Tierwelt, 14.000 Objekte aus der Pflanzenwelt und 5.000 Artefakte - Kunstgegenstände, Bücher, Karten, Münzen, Instrumente, Werkzeuge - hatte er in nur sieben Jahren zusammengetragen.

Nach seiner Rückkehr widmete er sich der Aufarbeitung und Veröffentlichung seiner Sammlung und forcierte damit die Gründung von Museen außereuropäischer Kulturen in Europa. Insbesondere jene des Rijksmuseum voor Volkenkunde in Leiden und des Museums für Völkerkunde in München, die direkt auf seine Sammlertätigkeit zurückzuführen sind. Der Hofbibliothek in Wien, der heutigen Österreichischen Nationalbibliothek lieferte er "japanische Literatur" auf Bestellung.

Heinrich von Siebold (1852 - 1908)

1869 ging Heinrich von Siebold, Philipp Franz von Siebolds zweiter Sohn, nach Tokio, um für die österreichisch-ungarische Botschaft als Dolmetscher tätig zu sein. Für das damalige k.k. Österreichisches Museum für Kunst und Industrie (heute MAK) und das Orientalische Museum, welches in den Jahren seines Bestehens (1873 - 1907) zu einer der bedeutensten Institutionen für orientalische und asiatische Kultur zählte, war Heinrich von Siebold ebenso als Berater tätig wie auch für die Sammlungen Graf Bourbon-Bardis (heute Museo d'Arte Orientale in Venedig) und Erzherzog Franz Ferdinand (heute Este-Sammlung im Museum für Völkerkunde in Wien).

1888, fünf Jahre nach der ersten Ausstellung seiner Sammlung, übergab Heinrich von Siebold ca. 5.000 Objekte an die ethnographische Abteilung des Naturhistorischen Museums und 1892 weitere 12.000 Einzelgegenstände an das Orientalische Museum in Wien. Seine immer noch sehr umfangreiche Privatsammlung wurde nach seinem Tod im Jahre 1908 bei Au Mikado in Wien verkauft.

Ausstellungsdaten "Japan Yesterday" Spuren und Objekte der Siebold-Reisen

Pressegepräch: 10. Juni 1997, 10.30 Uhr

Ausstellungsort: MAK-Ausstellungshalle Obergeschoß, MAK-Österreichisches Museum für angewandte Kunst, Stubenring 5, A-1010 Wien

Eröffnung: 10. Juni 1997, 20.00 Uhr

Austellungsdauer: 11. Juni - 7. September 1997

MAK-Kurator: Johannes Wieninger

Co-Kurator: Bettina Zorn

Projektleitung: Daniela Zyman

Ausstellungsgestaltung: Peter Noever, Michael Embacher

Katalog: Japan Yesterday. Spuren und Objekte der Siebold-Reisen. Mit Beiträgen von Matthi Forrer, Robert Heuser, Oliver Impey, Josef Kreiner, Isao Kumakura, Bruno Richtsfeld, Hiromichi Soejima, Ken Vos, Johannes Wieninger, Bettina Zorn; 200 Seiten, 200 Abbildungen, 70 in Farbe, 24 x 28 cm. ISBN 3-7913-1850 O. Hrsg. MAK Wien, Prestel Verlag, München 1997

Öffnungszeiten: Di - So 10.00 - 18.00 Uhr, Do 10.00 - 21.00 Uhr, Mo geschlossen

Feiertag: 15.8., Maria Himmelfahrt, 10.00 - 18.00 Uhr

MAK-Eintritt gesamt: öS 90,00/öS 45,00 ermäßigt für Schüler, Studenten, Senioren ab 60, Soldaten, Gruppen ab 10 Personen. Freier Eintritt für Kinder bis 10, Mitglieder der Ges. f. Österr. Kunst, Studenten der Hochschule für angewandte Kunst, Museumspaß, Arbeitslose, österr. Schulklassen.

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