Mietervereinigung: Doris Bures neue Präsidentin

10.000 Verfahren pro Jahr

Wien (OTS) - Am Samstag, dem 7. Juni 1997, wurde die 34jährige Wiener Nationalrätin Doris Bures als erste Frau an die Spitze der Österreichischen Mietervereinigung, die mit mehr als 110.000 Mitgliedern die größte Mieterschutzorganisation Österreichs ist, gewählt. ****

"Die Mietervereinigung", so die neugewählte Präsidentin, "wird dafür sorgen, daß man sich in der Koalitionsregierung auch mit dem letzten Wohnrechtskompromiß nicht zufrieden gibt." Denn, obwohl die Mietervereinigung 95 Prozent aller Verfahren gewinnt, steigt die Anzahl der Verfahren durch das immer komplizierter werdende Wohnrecht dramatisch an. Bures: "Allein die Mietervereinigung mußte in den letzten drei Jahren über 30.000 Verfahren für ihre Mitglieder führen. Dies führe auch zu einer Überlastung der Schlichtungsstellen und Bezirksgerichte. Jahrelanges Warten auf Entscheidungen trägt aber nicht unbedingt zur Rechtssicherheit der Mieter bei. Nur durch weitere Reformen, mit dem Ziel, das Wohnrecht zu vereinfachen, kann gewährleistet werden, daß Österreichs Mieter rascher zur ihrem Recht kommen."

Bei den Verfahren stehen insbesondere falsche Betriebskostenabrechnungen, überhöhte Mietzinse, illegale Ablösen und Probleme mit befristeten Mietverträgen im Vordergrund. Insgesamt konnten im Berichtszeitraum - den letzten drei Jahren - den Mitgliedern der Organisation 315 Millionen Schilling erspart bzw. zurückerstritten werden. Im Rahmen der Konferenz kündigte die neue Präsidentin an, daß sich die Mietervereinigung künftig auch verstärkt für Wohnungseigentümer engagieren werde. Diese sein nämlich vor allem beim Kauf einer Wohnung in einem privaten Althaus oft in einer noch wesentlich schlechteren Situation als Wohnungsmieter.

Auf jeden Fall werde sie aber, so Bures, die Forderungen der Mieterorganisation verstärkt im Hohen Haus einbringen. Denn die aktuellen Wohnprobleme der Mieter und Wohnungsuchenden müßten stärker im Mittelpunkt der Debatte stehen. Man darf nämlich nicht übersehen, daß der Bürger mit diesen Problemen tagtäglich konfrontiert ist. Doris Bures würde sich daher sehr wünschen, daß über sinnvolle, mieterfreundliche Änderungen im Wohnrecht verstärkt diskutiert würde.

Die neue Präsidentin der Mietervereinigung, Doris Bures, ist überzeugt, daß die Funktion von Mieterorganisationen in Zukunft weiter steigen wird. Bures: "Die steigenden Arbeitslosenzahlen führen nicht nur zu persönlichen Krisen, sondern bringen auch immer finanzielle Probleme mit sich. Der Schritt, daß nach kurzer Zeit dadurch auch die Wohnung gefährdet ist, ist ein kleiner. Damit verbunden ist aber der totale soziale Absturz in erster Linie von alleinerziehenden Müttern und von kinderreichen Familien."

Bures: "Wir merken bereits jetzt, daß sich viele Mieter in einer solchen Situation die Miete nicht mehr leisten können. Einschränkungen bei der Mietszinsbeihilfe zur Budgetkonsolidierung seien daher strikt abzulehnen. Darüber hinaus braucht aber eine solche, in Probleme geratene Familie auch rechtlichen Beistand. Teure Anwälte können nicht finanziert werden, sodaß einer Solidargemeinschaft wie der Mietervereinigung auch in Zukunft hohe Bedeutung zukommt."

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