Maderthaner verlangt Privatisierungserlöse für Forschung

Technologieförderung ist eine der effizientesten Formen von Exportförderung

Wien (PWK) - Soll "Exportoffensive" kein Schlagwort bleiben, müsse die Regierung bei ihrer nächstwöchigen Klausur Privatisierungserlöse zur Ankurbelung der österreichischen Forschung bereitstellen. "Innovationen, Technologie und eine höhere Forschungsintensität sind unverzichtbare Voraussetzungen für die globale Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Wirtschaft, die Sicherung von Lebensstandard und Arbeitsplätzen," sagte WKÖ-Präsident Leo Maderthaner, Freitag in Lustenau. ****

Österreichs Struktur- und Exportschwächen, seien längst erkannt. Sie offenbarten sich im steigenden Außenhandelsdefizit und dem - im Vergleich zu den importierten Gütern - zu geringen Technologiegehalt österreichischer Exportwaren. Deshalb erinnerte Maderthaner die Regierung an ihr Versprechen, den Anteil öffentlicher Gelder an den Forschungs- und Entwicklungs-Aufwendungen signifikant zu erhöhen.

"Die Förderung der Technologie ist zugleich eine der effizientesten Formen von Exportförderung. Nur ein Prozentpunkt Exportsteigerung bedeutet Arbeit für 12.000 Menschen. Deshalb ist die um eine zukunftsorientierte und aktive Arbeitsmarktpolitik bemühte Regierung gut beraten, neue Finanzierungsquellen für Forschung und Technologie zu erschließen," betonte Maderthaner.

Laut jüngster Schätzung betragen die Forschungsausgaben nur 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Das Ziel des OECD-Durchschnitts von 2,14 Prozent wurde klar verfehlt. Das Wachstum der gesamten Forschungsfinanzierung hat sich empfindlich verlangsamt.

Auch zur Unterstützung der geplanten, intensivierten Exportoffensive werde die Regierung "Geld in die Hand nehmen müssen, um exportierenden Firmen bei der Erschließung neuer, insbesondere außereuropäischer Märkte zu helfen." Nicht interessiert sei die Wirtschaft an neuen, zusätzlichen, staatlichen oder bürokratischen Einrichtungen. "Sehr interessiert sind wir aber beispielsweise an Markterschließungsgarantien der Kontrollbank. Dem Exporteur, der einen neuen Markt für seine Produkte erschließen will, könnte solcherart ein großer Teil des Risikos abgenommen werden. Das würde vielen kleineren Firmen ermöglichen, vor allem weiter entfernt liegende, aber vielversprechende Märkte in Asien und Lateinamerika zu bearbeiten, die sie heute noch aus Kosten- bzw. Risikogründen meiden," sagte Maderthaner.

Die Wirtschaftskammer stelle derzeit nicht unbeträchtliche Mittel dem Exportfond, dem Internationalisierungsprogramm der Bürges und auch in Form direkter Kredite an Unternehmer zur Verfügung, die im Ausland Vertriebsniederlassungen gründen. 84 Außenhandelsstellen in 67 Ländern stehen im Dienst der Unternehmen. "In unserer Datenbank werden täglich über 300 internationale Ausschreibungen veröffentlicht, die von den Firmen über Internet rund um die Uhr abgerufen werden können. Europaweit ist der Internetanschluß der WKÖ mit einer Million Info-Zugriffen pro Monat einer der am meisten in Anspruch genommenen," berichtete Maderthaner. "Damit besitzen wir eines der besten und effizientesten Exportförderungsinstrumentarien der Welt. Wir sehen daher keinen Anlaß, für neue staatliche Verwaltungsapparate. Die Unternehmen brauchen keine Subventionen sondern Risikokapital und Starthilfen bei Erstexporten," sagte Maderthaner abschließend.
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Dokument12/WÖ/1997-06-06 12:04

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