NEWS veröffentlicht in morgiger Ausgabe neue Unterlagen zur Briefbomben-Causa

Vorausmeldung zu NEWS Nr. 23/97 (5.6.1997)

Wien (OTS) - * Fahnder des Innenministeriums beantragten bei der Justiz zweimal Haftbefehl gegen Ing. P.

* Gericht besitzt Gutachten über weiteren Autor der Bekennerbriefe.

* Tatverdächtiger Ing. P. sagt in NEWS-Interview: "Der Schreiber der Bekennerbriefe bin nicht ich, sondern Journalist K."

Im morgigen NEWS veröffentlicht Chefredakteur Alfred Worm neue Unterlagen zur Briefbomben-Affäre und zur Hausdurchsuchung bei Ing. P. Mit der Veröffentlichung im morgigen NEWS spitzt sich die Auseinandersetzung zwischen Innenministerium und Justiz über die Vorgangsweise in der Briefbomben-Causa weiter zu.

Aus den von NEWS veröffentlichten Unterlagen geht hervor, daß die Beamten der für die Ermittlung zuständigen "Einsatzgruppe zur Bekämpfung des Terrorismus" zweimal konkrete Anträge auf Verhaftung des der Autorenschaft von Bekennerbriefen verdächtigten Ing. P. gestellt haben.

Der erste Antrag auf Haftbefehl ist in der "Sachverhaltsdarstellung" der EBT enthalten, mit der das Innenministerium die Hausdurchsuchung bei Ing. P. erwirkte. Ein zweiter Antrag auf Haftbefehl erfolgte mündlich über GSM-Handy während der Durchführung der Hausdurchsuchung am 13. Mai im Gartenhaus von Ing. P.

Damit ist laut NEWS erwiesen, daß entgegen bisheriger Behauptungen der Justiz sehr wohl Haftanträge des Innenministeriums in Bezug auf Ing. P. gestellt wurden. Beide Haftanträge wurden vom zuständigen Staatsanwalt wegen fehlender Sachbeweise abgelehnt. Dies verwundert insoferne, als in den von NEWS veröffentlichten Gerichtsakten der zuständige Untersuchungsrichter bei Ing. P. auch "Beteiligung an den Sprengstoffanschlägen der BBA" als Verdachtsmoment formulierte.

NEWS berichtet in seiner morgigen Ausgabe weiters, daß das Wiener Landesgericht und das Innenministerium über ein mehrere hundert Seiten starkes Gutachten von Linguistik-Wissenschaftern verfügen, das eine Täterschaft des Ministerialbeamten R. als Autor eines "authentischen Bekennerbriefes" zu mehr als 80 Prozent bestätigt.

Laut diesem Gutachten, das aus der Gegenüberstellung von R.-Schriftstücken und dem Bekennerbrief vom Juni 1995 angefertigt wurde, ergibt sich, daß die Wissenschafter den Ministerialbeamten "mit höchster Wahrscheinlichkeit" für den Autor dieses 28-seitigen Bekennerschreibens halten. Dieses Gutachten ist insoferne besonders dramatisch, als dem Bekennerschreiben vom Juni 1995 eine Sprengstoffprobe der Briefbomben beigelegt war, die nur vom Täter stammen konnte.

Laut NEWS liegt dieses Gutachten gegen den Ministerialbeamten R. seit Ende 1996 bei den zuständigen Stellen von Justiz und Innenressort. Es wurden bisher aber noch keine Schritte unternommen.

Im morgigen NEWS nimmt schließlich der der beiden letzten nicht authentischen Bekennerschreiben Verdächtigte, Ing. P., zu den Vorwürfen Stellung. Er betont: "Ich bin sicher nicht der Verfasser der beiden Bekennerbriefe."

Erstmals nennt P. im NEWS-Interview seine Verdachtslage, die er auch dem Gericht mitteilen will. P. beschuldigt den mit ihm befreundeten Journalisten K. der Täterschaft. P. behauptet, der Journalist K. hätte den Bekennerbrief am selben Tag wie seine Beschwerde gegen das Nachrichtenmagazin "Profil" beim Presserat verfaßt. Weil er - so P. in NEWS wörtlich - "an diesem Tag derart in Rage war."

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