Was blieb 5 Jahre nach Rio: Heiße Luft?

Wien (OTS) - Der Welt-Umwelttag am 5. Juni bietet Gelegenheit zur Bilanz. Was blieb vom "Geist von Rio"? International ist das Ergebnis mehr als kläglich: Absichtserklärungen ohne Taten. Die Ziele von Rio auf nationaler Ebene werden in den Unterzeichnerstaaten meist klar verfehlt werden. Auch von den sogenannten Öko-Musterländern. Der Weg in die Erwärmung der Erdatmosphäre scheint unausweichlich. Ist das Ergebnis also nur "heiße Luft"? Neben allem Pessimismus sieht "die umweltberatung" Erfolge auf lokaler Ebene. Kann verstärktes Augenmerk auf Regionalisierung den Nachhaltigkeitsprozeß retten?

In Rio wurde ein "Aktionsprogramm für das 21 Jahrhundert" festgeschrieben: Bis 1996 sollte die Mehrheit der Kommunalbehörden eines Landes "im Dialog mit ihren Bürgerinnen und Bürgern eine lokale Agenda 21 ausarbeiten." Genau auf dieser Ebene gibt es auch in Österreich greifbare Erfolge. Klimabündisgemeinden initiieren "100-Dächer-Programme" zur Dämmung, Biomasseheizungen ersetzen ölgefeuerte Einzelöfen, regional boomt die Solarenergie lokale Verkehrskonzepte setzen auf Rad und "Öffis".

Das alles bedeutet Investitionskosten für die Gemeinden. Hier muß die nationale Umweltpolitik einsetzen. So könnte die Realisierung eines lokalen Agenda 21 - Prozesses seitens der Gemeinden als Kriterium in den Finanzausgleich aufgenommen werden. In den Niederlanden hat sich diese Vorgangsweise bereits bewährt. Auf Österreich umgelegt bedeutet dies ein Investitionsvolumen von rund einer halben Milliarde Schilling pro Jahr, eingesetzt in einem Fünfjahresprogramm.

Am 5. Juni werden in Österreich anläßlich des Welt-Umwelttages wieder zehntausende Menschen bei Aktionen sich aktiv mit dem Thema Klimaschutz auseinandersetzen. Dezentral bei "tausendundeiner Aktion". Konzertierte Politik kann verhindern, daß diese Aufbruchsstimmung nur eine schillernde Seifenblase bleibt, die im Alltag sofort wieder zerplatzt. "die umweltberatung" sieht gerade in dieser Bewußseinsbildung auf lokaler Ebene einen der Schlüssel zur Umsetzung von Klimakonzepten.

Bei aller Betonung des Regionalismus darf die Regierung nicht aus der Pflicht entlassen werden.

Soll Nachhaltigkeit ernsthaft verwirklicht werden, muß man sich auf zielführende Indikatoren stützen. Bruttosozialprodukt und Bruttoinlandsprodukt als alleinige Maßstäbe stehen einer nachhaltigen Entwicklung entgegen. Es sind daher relevante Indikatoren, wie z. B. das Ausmaß an CO2-Emissionen, Müllproduktion und Verbrauch an Umweltraum, mit ökologischen und sozialen Kriterien zu entwickeln und im Bereich der Planung von Projekten und Budgets sowie zur Bewertung von Politik verbindlich zu verankern. Zur Umsetzung von Nachhaltigkeitskonzepten gehört auch die Sicherung des sozialen Friedens. Er ist nicht nur ein ethischer sondern auch ein ökonomischer Wert. Zur Bekämpfung der Armut braucht es eine gerechtere Einkommensverteilung.

Nach Ansicht von "die umweltberatung" ist letztlich eine Änderung von Werthaltungen dringend notwendig. Es sind vor allem die NGOs, die dabei im Umwelt- und Sozialbereich entscheidende Impulse setzen. Die Diskussion unserer Wertvorstellungen muß auch im Bildungsbereich verstärkt werden, um das gesellschaftliche Klima für die Idee der Nachhaltigkeit aufzubereiten.

Wiener Erklärung Nachhaltigkeit - die Herausforderung

UmweltberaterInnen, ErwachsenenbildnerInnen und ArbeitnehmervertreterInnen haben anknüpfend an den weltweiten Prozeß, der sich vom Brundlandt Report (1987) bis zum Lisboa Action Plan (1996) spannt, folgende Wiener

Erklärung zur nachhaltigen Gesellschaftsentwicklung verabschiedet.

Artikel 1

Soll Nachhaltigkeit ernsthaft verwirklicht werden, müssen
wir uns auf zielführende Indikatoren stützen. Bruttosozialprodukt und Bruttoinlandsprodukt als alleinige Maßstäbe stehen einer nachhaltigen Entwicklung entgegen. Es sind daher relevante Indikatoren, wie z. Bsp. das Ausmaß an CO2-Emissionen, Müllproduktion und Verbrauch an Umweltraum, mit ökologischen und sozialen Kriterien zu entwickeln und im Bereich der Planung von Projekten und Budgets sowie zur Bewertung von Politik verbindlich zu verankern.

Artikel 2

Sozialer Friede ist nicht nur ein ethischer sondern auch
ein ökonomischer Wert. Zur Bekämpfung der Armut braucht es eine gerechtere Einkommensverteilung. In alle ökonomischen Aktivitäten und wirtschaftspolitischen Maßnahmen müssen solche Prinzipien eingebracht werden, die Gestaltungspielräume für sozialen Ausgleich, Umweltschutz und Bildung schaffen. Eine Umstrukturierung des Steuersystems im Hinblick auf eine Besteuerung von Aktivitäten mit negativen Umweltauswirkungen (z. Bsp. Verbrauch nicht-erneuerbarer Energieträger) ist notwendig.

Artikel 3

Die Herausforderung einer nachhaltigen Entwicklung reicht
weit über den Bereich neuer Technologien hinaus in alle gesellschaftlichen Bereiche. Im Teil III der Agenda 21 wird eine Stärkung der Rolle wichtiger Gesellschaftsgruppen zum Ziel erklärt. NGO´s müssen deshalb in nationale und lokale Mechanismen zur Umsetzung der Agenda 21 stärker eingebunden werden.

Artikel 4

Bis 1996 "sollte die Mehrheit der Kommunalbehörden eines
Landes " im Dialog mit ihren Bürgerinnen und Bürgern eine "lokale Agenda 21" ausarbeiten" - dies ist mit Unterstützung der nationalen Regierungen zu erreichen. Eine Möglichkeit, um diesen Prozeß von bereits bestehenden, freiwilligen und daher unverbindlichen Programmen zu unterscheiden, könnte sein, in den Finanzausgleich die Realisierung eines lokalen Agenda 21-Prozeß seitens der Gemeinden als Kriterium aufzunehmen. In den Niederlanden hat sich diese Vorgangsweise bereits bewährt.

Artikel 5

Eine Änderung von Werthaltungen ist dringend notwendig. Es
sind vor allem die NGO's, die dabei im Umwelt- und Sozialbereich entscheidende Impulse setzen. Die Diskussion unserer Wertvorstellungen muß auch im Bildungsbereich verstärkt werden, um das gesellschaftliche Klima für die Idee der Nachhaltigkeit aufzubereiten. Zahlreiche Beispiele sowie die von diesem Symposium gezogenen Schlußfolgerungen weisen darauf hin, daß eine Befreiung vom Konsumzwang auch persönlicher Gewinnn ist.

Rückfragehinwies: Dr. Thomas Hruschka "die umweltberatung" Mediensprecher
Tel.: 01/5877393

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